Bolsonaro liegt vor Lula: Brasilien entscheidet im zweiten Wahlgang

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Symbolbild mit KI erstellt

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Brasilien steht vor einer Stichwahl um das Präsidentenamt. Herausforderer Flávio Bolsonaro hat den ersten Wahlgang am Sonntag, 4. Oktober 2026, vor dem amtierenden Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva beendet. Für einen Sieg im ersten Wahlgang reichte das Ergebnis jedoch nicht. Beide Kandidaten treten deshalb am 25. Oktober erneut gegeneinander an.

Bei 99,99 Prozent der ausgezählten Wahlurnen kam Bolsonaro nach Angaben des Obersten Wahlgerichts TSE auf 56.104.268 Stimmen. Das entsprach 47,03 Prozent der gültigen Stimmen. Lula erhielt 53.876.617 Stimmen und erreichte damit 45,16 Prozent. Damit lag Bolsonaro im ersten Wahlgang um rund 2,23 Millionen Stimmen vor dem Präsidenten.

Die Präsidentschaftswahl in Brasilien 2026 wird damit erst im zweiten Wahlgang entschieden. Der Abstand zwischen den beiden führenden Kandidaten lässt zugleich einen erneut engen Wahlkampf erwarten.

Flávio Bolsonaro geht als Erstplatzierter in die Stichwahl

Das Ergebnis des ersten Wahlgangs ist auch deshalb bemerkenswert, weil mehrere Umfragen vor der Abstimmung Lula leicht vorne gesehen hatten. Flávio Bolsonaro schnitt am Wahltag stärker ab als in vielen Prognosen erwartet und übernahm mit gut 47 Prozent die Führung. Reuters zufolge hatten jüngste Erhebungen vor der Wahl eher einen knappen Vorsprung Lulas erwarten lassen.

Bolsonaro ist 45 Jahre alt, Senator für den Bundesstaat Rio de Janeiro und Mitglied der rechtsgerichteten Liberalen Partei PL. Er ist der Sohn des früheren brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro und kandidiert erstmals selbst für das höchste Staatsamt. Als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten tritt an seiner Seite der Abgeordnete Alfredo Gaspar an.

Lula ist 80 Jahre alt und regiert Brasilien seit Januar 2023 zum dritten Mal. Zuvor war er bereits von 2003 bis 2010 Präsident. Er kandidiert für die Arbeiterpartei PT gemeinsam mit seinem bisherigen Vizepräsidenten Geraldo Alckmin.

Lula verfehlt den angestrebten Sieg im ersten Wahlgang

Für Lula bedeutet das Ergebnis einen Rückschlag. Der Amtsinhaber hatte vor der Abstimmung Chancen auf einen Sieg bereits im ersten Wahlgang gesehen. Nach Bekanntwerden des Ergebnisses kündigte er an, nun einen neuen Wahlkampf für die entscheidende Runde zu führen.

Bei der Stichwahl dürfte entscheidend werden, wie sich die Wählerinnen und Wähler der ausgeschiedenen Kandidaten entscheiden. Nach Angaben der Associated Press kam der drittplatzierte Schriftsteller und Psychiater Augusto Cury auf rund 3,4 Millionen Stimmen. Weitere rund 5,3 Millionen Stimmen entfielen zusammen auf Ronaldo Caiado und Renan Santos. Cury kündigte demnach zunächst keine Unterstützung für einen der beiden verbliebenen Kandidaten an. Auch Caiado und Santos hatten zuvor erklärt, keinen der beiden unterstützen zu wollen.

Damit steht für Bolsonaro und Lula ein erheblicher Teil des Wählerpotenzials außerhalb ihrer bisherigen Lager im Mittelpunkt der kommenden drei Wochen.

Wirtschaft, Lebenshaltungskosten und Sicherheit prägen die Wahl

Der brasilianische Wahlkampf wurde stark von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Themen bestimmt. Hohe Lebenshaltungskosten, die Verschuldung vieler Haushalte, öffentliche Sicherheit und die Korruptionsbekämpfung spielten eine zentrale Rolle. Gleichzeitig steht die nächste Regierung vor der Aufgabe, die hohen öffentlichen Schulden und ein zuletzt schwächer erwartetes Wirtschaftswachstum in den Griff zu bekommen.

Lula setzt politisch weiterhin stark auf Sozialprogramme und staatliche Unterstützung für Haushalte mit niedrigeren Einkommen. Bolsonaro wirbt dagegen stärker mit einem wirtschaftsfreundlichen Kurs, einer härteren Linie gegen organisierte Kriminalität und einer engeren Zusammenarbeit mit den Vereinigten Staaten.

Damit stehen im zweiten Wahlgang nicht nur zwei Kandidaten, sondern deutlich unterschiedliche politische Richtungen zur Abstimmung. Brasilien ist mit rund 214 Millionen Einwohnern die größte Volkswirtschaft Lateinamerikas und spielt international unter anderem beim Handel, bei Rohstoffen, beim Schutz des Amazonasgebiets und innerhalb der Staatengruppe BRICS eine wichtige Rolle.

Mehr als 158 Millionen Menschen waren wahlberechtigt

Für die Wahlen 2026 waren nach Angaben des TSE 158.765.543 Menschen registriert. Neben dem Präsidenten wurden am Sonntag auch Gouverneure, Senatoren sowie Abgeordnete auf Bundesebene und in den Bundesstaaten gewählt.

Bei der Präsidentschaftswahl wurden rund 119,3 Millionen gültige Stimmen abgegeben. Hinzu kamen rund 2,30 Millionen weiße Stimmen und rund 3,67 Millionen ungültige Stimmen. Weiße Stimmen machten 1,84 Prozent und ungültige Stimmen 2,93 Prozent der insgesamt abgegebenen Stimmen aus. Insgesamt wurden damit rund 125,27 Millionen Stimmen abgegeben.

Die Abstimmung verlief nach Angaben der Wahlbehörden weitgehend geordnet. Bedeutende Unregelmäßigkeiten wurden zunächst nicht gemeldet.

Stichwahl zwischen Bolsonaro und Lula am 25. Oktober

Der zweite Wahlgang findet am Sonntag, 25. Oktober 2026, statt. Das Datum ist im offiziellen Wahlkalender Brasiliens festgelegt. Die Wahllokale öffnen landesweit um 8 Uhr und schließen um 17 Uhr nach Brasília-Zeit. Anschließend beginnt die Übermittlung und Auszählung der elektronisch abgegebenen Stimmen.

Die Entscheidung fällt dann unmittelbar zwischen Flávio Bolsonaro und Luiz Inácio Lula da Silva. Anders als vor dem ersten Wahlgang müssen sich die Wähler nur noch zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen entscheiden.

Bolsonaro startet mit einem Vorsprung von knapp zwei Prozentpunkten in diese entscheidende Phase. Lula muss den Rückstand aus dem ersten Wahlgang aufholen und zugleich zusätzliche Stimmen von Wählern gewinnen, die sich am Sonntag für andere Kandidaten entschieden hatten. Damit bleibt die politische Führung der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas bis zum 25. Oktober offen.

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