Bruch warnt vor AfD-Energiekurs und Folgen für die Industrie

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Siemens-Energy-Chef Christian Bruch hat die energie- und wirtschaftspolitischen Vorstellungen der AfD scharf kritisiert. Unmittelbar vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt warnte der Vorstandsvorsitzende des Dax-Konzerns vor möglichen Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze und die internationale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands. Besonders die Forderungen nach einer Rückkehr zu Kohle und Kernenergie hält Bruch für den falschen Weg.

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Die AfD zeichne mit der Aussicht auf eine Rückkehr zu früheren wirtschaftlichen Erfolgsmodellen eine „dramatisch falsche Botschaft“, erklärte Bruch. Deutschlands Industrie müsse sich vielmehr auf einen schnellen technologischen und wirtschaftlichen Wandel einstellen. Für Unternehmen seien neben wettbewerbsfähigen Standortbedingungen auch internationale Fachkräfte, offene Absatzmärkte und politische Verlässlichkeit entscheidend.

Bruch kritisiert AfD-Energiepolitik

Bruchs Kritik richtet sich nicht nur gegen einzelne Kraftwerkstechnologien. Im Mittelpunkt steht die Frage, mit welchem wirtschaftspolitischen Konzept Deutschland künftig im internationalen Wettbewerb bestehen kann. Die AfD-Energiepolitik setzt auf einen grundlegenden Kurswechsel gegenüber der bisherigen Energiewende.

Im Bundestagswahlprogramm der Partei von 2025 fordert die AfD unter anderem den Wiedereinstieg in die Kernenergie. Bestehende Anlagen sollen nach Vorstellung der Partei soweit möglich wieder in Betrieb genommen werden. Zugleich lehnt sie den vorgesehenen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung ab und spricht sich für zusätzliche Kohlekraftwerke aus. Auch die CO₂-Bepreisung und wesentliche Elemente der europäischen Klimapolitik will die Partei zurückdrängen oder abschaffen.

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Im Regierungsprogramm der AfD Sachsen-Anhalt für die Landtagswahl 2026 wird ebenfalls eine energiepolitische Kehrtwende gefordert. Fossile Energieträger sollen wieder eine größere Rolle spielen. Die Partei begründet ihren Kurs vor allem mit niedrigeren Energiepreisen, Versorgungssicherheit und besseren Bedingungen für Industrieunternehmen.

Bruch widerspricht der Vorstellung, Deutschland könne seine wirtschaftlichen Probleme vor allem durch eine Rückkehr zu früheren Strukturen lösen. Die Geschwindigkeit des Wandels in anderen Wirtschaftsräumen werde unterschätzt. Aus seiner Sicht muss Deutschland neue Technologien schneller entwickeln und einsetzen, statt bestehende Veränderungen rückgängig machen zu wollen.

Kernenergie in einem europäischen Strommarkt

Auch die von der AfD geforderte Renaissance der Kernkraft sieht Bruch kritisch. Deutschland sei in ein eng verbundenes europäisches Energiesystem eingebettet. Frankreich betreibt zahlreiche Kernkraftwerke, auch in anderen europäischen Staaten spielt die Technologie weiterhin eine Rolle oder wird ausgebaut.

Deutschland selbst beendete 2023 die Stromerzeugung aus Kernkraft. Gleichzeitig hat sich der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromversorgung weiter erhöht. Im Jahr 2025 stammten nach Daten der Bundesnetzagentur 58,8 Prozent der in Deutschland realisierten Stromerzeugung aus erneuerbaren Energieträgern. Allein Photovoltaikanlagen speisten 74,1 Terawattstunden ein, Windkraftanlagen an Land 106,5 Terawattstunden.

Damit steht die Energiepolitik inzwischen vor einer anderen Aufgabe als noch vor einigen Jahren. Neben neuen Erzeugungsanlagen werden leistungsfähigere Stromnetze, Speicher, steuerbare Kraftwerke und grenzüberschreitende Verbindungen benötigt. Gerade bei diesen Technologien ist Siemens Energy selbst weltweit aktiv.

Industriestandort Deutschland steht unter Druck

Bruchs Warnung bedeutet allerdings keine Verteidigung des wirtschaftspolitischen Status quo. Der Siemens-Energy-Chef hat die Bedingungen am Industriestandort Deutschland in den vergangenen Monaten selbst deutlich kritisiert.

Im Juni erklärte er, sein Konzern habe in den vergangenen Jahren rund eine Milliarde Euro in den Ausbau deutscher Werke investiert. Einen völlig neuen Produktionsstandort würde er unter den gegenwärtigen Bedingungen jedoch eher außerhalb Deutschlands errichten, sofern sich die Rahmenbedingungen nicht verbesserten.

Damit verbindet Bruch zwei unterschiedliche Botschaften. Deutschland müsse seine Wettbewerbsfähigkeit bei Investitionen, Genehmigungen und wirtschaftlicher Veränderungsfähigkeit erhöhen. Eine politische Rückkehr zu früheren Energie- und Wirtschaftsstrukturen hält er dennoch nicht für die Lösung.

Die Lage der deutschen Industrie bleibt angespannt. Im Juni 2026 stieg die gesamte Produktion im Produzierenden Gewerbe zwar um 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat. In den energieintensiven Industriezweigen sank die Produktion jedoch um 1,8 Prozent. Der einzelne Monatswert beschreibt noch keinen langfristigen Trend, unterstreicht aber die weiterhin schwierigen Bedingungen in Teilen der Industrie.

Siemens Energy profitiert vom weltweiten Energiebedarf

Bruchs Aussagen erhalten zusätzliches Gewicht durch die aktuelle Geschäftsentwicklung seines Konzerns. Siemens Energy beschäftigt weltweit rund 105.000 Menschen. Nach dem Geschäftsbericht 2025 arbeiteten zuletzt rund 27.500 davon in Deutschland.

Während in Deutschland über Standortkosten und Investitionsbedingungen diskutiert wird, wächst die Nachfrage nach Energietechnik international stark. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 erreichte Siemens Energy einen Auftragseingang von 17,9 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand stieg auf 162 Milliarden Euro. Besonders stark war erneut die Nachfrage aus den USA.

Gefragt sind unter anderem Gasturbinen, Netztechnik und Anlagen für die Stromübertragung. Treiber sind der weltweit zunehmende Strombedarf, der Ausbau von Rechenzentren, die Elektrifizierung weiterer Wirtschaftsbereiche und der Umbau der Energiesysteme. Der Wettbewerb um neue Produktionskapazitäten und Investitionen findet deshalb längst international statt.

Fachkräfte und Investitionen werden zum Standortfaktor

Für Bruch reicht eine Diskussion über den Preis einzelner Energieträger deshalb nicht aus. Siemens Energy ist als global tätiger Konzern auf Exportmärkte angewiesen und beschäftigt Mitarbeiter aus zahlreichen Ländern. Deutschland müsse nach seiner Darstellung für internationale Fachkräfte ebenso attraktiv bleiben wie für Unternehmen, die langfristig Kapital investieren wollen.

Dazu gehören aus seiner Sicht berechenbare politische Bedingungen. Bruch warnt deshalb auch vor wirtschaftspolitischen Konsequenzen einer stärkeren Abschottung Deutschlands. Gerade exportorientierte Industrieunternehmen sind auf europäische und internationale Lieferketten, Kunden und Arbeitskräfte angewiesen.

Die Auseinandersetzung um das AfD-Energieprogramm berührt damit eine größere wirtschaftspolitische Frage. Die AfD verspricht günstigere und verlässlichere Energie durch Kernenergie und Kohle sowie den Abbau klimapolitischer Vorgaben. Bruch hält dagegen einen Kurs für notwendig, der technologische Veränderungen akzeptiert und Deutschland schneller an neue globale Marktbedingungen anpasst.

Seine Kritik fällt dabei in eine Phase, in der Deutschland zugleich mehrere Herausforderungen bewältigen muss. Energie muss für Industrieunternehmen bezahlbar und zuverlässig verfügbar sein, Stromnetze müssen ausgebaut werden und neue Investitionen konkurrieren mit Standorten in den USA, Asien und anderen Teilen Europas. Welche Unternehmen ihre nächsten Werke in Deutschland bauen, hängt deshalb nicht von einer einzelnen energiepolitischen Entscheidung ab, sondern von einem Zusammenspiel aus Energiekosten, Infrastruktur, Fachkräften, Regulierung und langfristiger Planungssicherheit.

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