Deutscher Buchpreis 2026 geht an Shida Bazyar

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Shida Bazyar erhält den Deutschen Buchpreis 2026 für ihren Roman „Die Lücken“. Die Entscheidung wurde am Montagabend im Kaisersaal des Frankfurter Römers bekannt gegeben. Mit der Auszeichnung kürt die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jährlich zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse den deutschsprachigen Roman des Jahres. Bazyar erhält für den Sieg ein Preisgeld von 25.000 Euro.

Der im September bei Kiepenheuer & Witsch erschienene Roman führt durch mehrere Jahrzehnte deutscher Geschichte und verbindet die Vergangenheit eines fiktiven Ortes im Hunsrück mit Fragen nach Erinnerung, Verdrängung, Zugehörigkeit und Migration. Die siebenköpfige Jury hob vor allem die Erzählkonstruktion und die Verbindung historischer und erfundener Figuren hervor.

Jury würdigt ungewöhnliche Erzählkonstruktion

Die Jury beschreibt „Die Lücken“ als einen Roman, der anhand einzelner Lebensgeschichten fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte sichtbar macht. Im Zentrum steht Heimesbach, ein erfundener Ort im Hunsrück. Dort treffen unterschiedliche Zeitebenen und Biografien aufeinander. Jüdische Familien, Menschen, die vom Nationalsozialismus profitierten, sowie später aus dem Iran geflüchtete Familien gehören zu diesem Panorama.

Besonders hervorgehoben wurden die tote Erzählerin, die wechselnden Perspektiven und die kaleidoskopische Struktur des Romans. Dadurch könne Bazyar zwischen historischen Epochen wechseln und unterschiedliche Formen von Nähe und Distanz herstellen. Auch das Zusammenspiel von dokumentarischen und fiktiven Elementen überzeugte die Jury. Ihr knappes Fazit lautet: „Ein Roman gegen Gleichgültigkeit.“

„Die Lücken“ erzählt von Erinnerung und Zugehörigkeit

Bazyars Roman umfasst rund 500 Seiten und erschien am 3. September 2026. Ausgangspunkt ist die fiktive Gemeinde Heimesbach, in der sich nach Darstellung des Romans über Jahrzehnte ungelöste historische Konflikte und verdrängte Erinnerungen ablagern. Die Handlung reicht von der Zeit des Nationalsozialismus bis in die jüngere deutsche Gegenwart.

Die Autorin verbindet dabei die Geschichte jüdischer Bewohner mit der späteren Ankunft kurdischer und iranischer Familien. Heimat erscheint dadurch nicht als unveränderlicher Ort, sondern als etwas, das von Geschichte, Erinnerung und gesellschaftlicher Zugehörigkeit geprägt wird. Bereits bei der Nominierung hatte die Buchpreisjury hervorgehoben, dass der Roman den traditionellen Heimatroman mit einem transnationalen Blick erweitert.

Sechs Romane standen auf der Shortlist

Neben Bazyar hatten es fünf weitere Bücher in die Endauswahl geschafft. Nominiert waren Franziska Gänsler mit „Orca“, Valeria Gordeev mit „Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle“, Elias Hirschl mit „Schleifen“, Peggy Mädler mit „Selbstregulierung des Herzens“ und Dana Vowinckel mit „Anton und Alma“. Gordeevs Roman war zugleich das einzige Debüt auf der Shortlist.

Die sieben Jurymitglieder hatten insgesamt 205 Romane geprüft, die zwischen Oktober 2025 und September 2026 erschienen. Daraus entstand zunächst eine Longlist mit 20 Titeln. Im September wurde die Auswahl auf sechs Bücher reduziert. Die fünf Finalistinnen und Finalisten, die den Hauptpreis nicht erhielten, bekommen jeweils 2.500 Euro. Damit ist der Deutsche Buchpreis insgesamt mit 37.500 Euro dotiert.

Shida Bazyar war bereits 2021 für den Buchpreis nominiert

Shida Bazyar wurde 1988 in Hermeskeil in Rheinland-Pfalz geboren und studierte Literarisches Schreiben in Hildesheim. Ihr erster Roman „Nachts ist es leise in Teheran“ erschien 2016. Fünf Jahre später folgte „Drei Kameradinnen“. Dieses Buch schaffte es 2021 bereits auf die Longlist des Deutschen Buchpreises. Mit „Die Lücken“ gelang Bazyar nun erstmals der Sprung auf die Shortlist und schließlich der Gewinn.

Der neue Roman war schon vor der Frankfurter Entscheidung mehrfach ausgezeichnet beziehungsweise für Literaturpreise ausgewählt worden. Im September wurde Bazyar für „Die Lücken“ auch der mit 30.000 Euro dotierte Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2026 zugesprochen. Die dortige Jury würdigte ebenfalls die Verbindung lokaler Geschichte mit den langfristigen Folgen von Antisemitismus, Ausgrenzung und fehlender Aufarbeitung.

Deutscher Buchpreis soll deutschsprachige Literatur sichtbar machen

Der Deutsche Buchpreis wird seit 2005 vergeben und gehört zu den bedeutenden Auszeichnungen für deutschsprachige Gegenwartsliteratur. Verliehen wird er von der Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels. Nach Angaben der Veranstalter soll der Preis deutschsprachigen Autorinnen und Autoren auch über nationale Grenzen hinaus Aufmerksamkeit verschaffen.

Die Preisverleihung findet traditionell unmittelbar vor der Frankfurter Buchmesse statt und rückt damit den ausgezeichneten Roman zu Beginn eines der wichtigsten internationalen Branchentreffen des Buchhandels in den Mittelpunkt. 2025 hatte Dorothee Elmiger mit „Die Holländerinnen“ gewonnen. Mit Shida Bazyars „Die Lücken“ entscheidet sich die Jury 2026 für einen Roman, der deutsche Geschichte über mehrere Generationen hinweg mit Fragen nach Heimat und gesellschaftlicher Zugehörigkeit verbindet.

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