US-Aktienmarkt erreicht beim Buffett-Indikator Rekordzone

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Bewertung des US-Aktienmarkts hat nach einer der bekanntesten langfristigen Börsenkennzahlen ein außergewöhnlich hohes Niveau erreicht. Der sogenannte Buffett-Indikator setzt den Gesamtwert der börsennotierten US-Unternehmen ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung der Vereinigten Staaten. Eine täglich aktualisierte Berechnung von GuruFocus wies für den 4. September 2026, 0:00 Uhr Central Daylight Time, einen Wert von 237,4 Prozent aus. Das entspricht 7:00 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Da Samstag und Sonntag keine regulären US-Handelstage sind, war dies auch am Sonntagmorgen, 6. September, der jüngste Wert dieser Reihe.

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Der von GuruFocus verwendete Total Market Index lag zu diesem Datenstand bei rund 77,11 Billionen Dollar. Das zuletzt veröffentlichte nominale US-Bruttoinlandsprodukt lag nach Angaben des Bureau of Economic Analysis für das zweite Quartal 2026 annualisiert bei 32,486 Billionen Dollar. Wer den Buffett-Indikator aktuell betrachtet, sieht damit eine Bewertung, die in dieser Berechnungsreihe am oberen Ende der vergangenen Jahrzehnte liegt.

Warum beim Buffett-Indikator mehrere Werte kursieren

Einen amtlich festgelegten Buffett-Indikator gibt es nicht. Federal Reserve und US-Wirtschaftsministerium veröffentlichen die zugrunde liegenden Daten, berechnen daraus aber keine offizielle Kennzahl unter diesem Namen. Unterschiede entstehen vor allem dadurch, welche Aktienmarktreihe für die Marktkapitalisierung verwendet wird und ob aktuelle Börsenwerte mit einem älteren BIP-Wert oder zeitgleich erhobene Quartalsdaten miteinander verglichen werden.

GuruFocus kam für den 4. September auf 237,4 Prozent. Eine Untersuchung von Advisor Perspectives, die Börsen- und BIP-Daten bewusst auf dasselbe Quartal abstimmt, wies für das erste Quartal 2026 mit dem FT Wilshire 5000 dagegen 214,1 Prozent aus. Eine weitere dort verwendete Unternehmensaktien-Reihe lag bei 218,1 Prozent.

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Noch breiter ist eine Berechnung mit der von der Federal Reserve veröffentlichten Marktkapitalisierung aller öffentlichen US-Unternehmensaktien. Deren Wert lag zum Ende des ersten Quartals 2026 bei 79,674 Billionen Dollar. Das nominale BIP lag im selben Quartal annualisiert bei 31,866 Billionen Dollar. Daraus ergibt sich rechnerisch ein Verhältnis von rund 250 Prozent.

Die Zahlen widersprechen sich damit nicht zwangsläufig. Sie messen ähnliche Sachverhalte mit unterschiedlichen Zählern, Stichtagen und Verfahren. Für historische Vergleiche ist deshalb entscheidend, innerhalb derselben Datenreihe zu bleiben.

Dotcom-Blase und Finanzkrise lagen deutlich darunter

Eine über die Jahrzehnte einheitlich aus den Reihen von Federal Reserve und BEA berechnete Variante zeigt, wie außergewöhnlich die heutige Größenordnung ist. Im ersten Quartal 2000, am Höhepunkt der Dotcom-Ära, lag das Verhältnis von öffentlicher US-Aktienmarktkapitalisierung zum annualisierten BIP bei rund 172 Prozent.

Im zweiten Quartal 2007, vor der globalen Finanzkrise, lag der Vergleichswert bei rund 131 Prozent. Ende 2021, nach der starken Börsenentwicklung während der Pandemie, lag er bereits bei rund 240 Prozent. Im vierten Quartal 2025 erreichte diese konkrete Fed/BEA-Reihe mit etwa 265 Prozent ihren bisherigen Höchststand. Im ersten Quartal 2026 lag sie anschließend bei rund 250 Prozent.

Der Vergleich zeigt zugleich ein methodisches Problem. Warren Buffett selbst bezog sich ursprünglich auf den Marktwert aller öffentlich gehandelten Wertpapiere im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt, dem GNP. In einem 2001 veröffentlichten Fortune-Beitrag bezeichnete er die Kennzahl trotz ihrer Einschränkungen als besonders aussagekräftiges Maß für das allgemeine Bewertungsniveau. Für 1999 und Teile des Jahres 2000 sprach Buffett bei einer damaligen Größenordnung nahe 200 Prozent davon, Anleger bewegten sich auf gefährlichem Terrain.

Moderne Berechnungen nutzen dagegen häufig das BIP und unterschiedliche Repräsentationen des Gesamtmarkts. Deshalb können historische Zahlen aus verschiedenen Veröffentlichungen nicht ohne Weiteres gegeneinander gestellt werden.

KI-Schwergewichte treiben die Marktkapitalisierung

Ein wichtiger Faktor für das hohe Niveau ist die starke Wertentwicklung großer US-Technologiekonzerne. Künstliche Intelligenz hat seit mehreren Jahren enorme Investitionen in Chips, Rechenzentren, Cloud-Infrastruktur und Software ausgelöst. Gleichzeitig konzentriert sich ein erheblicher Teil des US-Aktienmarkts auf wenige Unternehmen mit sehr hoher Marktkapitalisierung.

S&P Global Market Intelligence bezeichnete die zunehmende Konzentration von KI-bezogenen Mega-Caps im US-Aktienmarkt im August 2026 als eines der zentralen Themen des Risikomanagements. Apple, Microsoft, Alphabet, Amazon, Meta, Nvidia und Tesla haben wegen ihres gemeinsamen Gewichts einen überproportionalen Einfluss auf große Indizes. Ihre Entwicklung hängt teilweise von denselben Faktoren ab, darunter KI-Investitionen, Rechenzentrumsausbau und die Erwartungen an künftige Gewinne.

Das erhöht auch den Buffett-Indikator. Steigen die Börsenwerte dieser Unternehmen schneller als das nominale US-BIP, wächst der Zähler der Kennzahl deutlich schneller als ihr Nenner.

Allerdings wäre es zu einfach, die Entwicklung ausschließlich als spekulativen KI-Aufschlag zu beschreiben. Der KI-Boom hat auch reale Investitionen ausgelöst. David Kelly, Chefstratege bei J.P. Morgan Asset Management, verwies im August auf hohe Investitionen in Ausrüstung, Forschung und geistiges Eigentum sowie den Ausbau von Rechenzentren. Ob die hohen Gewinnerwartungen dauerhaft erfüllt werden, ist dagegen offen.

J.P. Morgan berechnete außerdem, dass der Marktwert sämtlicher US-Unternehmensanteile inzwischen bei mehr als 400 Prozent des BIP liege. Diese deutlich breitere Kennzahl umfasst jedoch mehr als die klassischen börsennotierten Aktien und ist deshalb nicht unmittelbar mit dem Buffett-Indikator vergleichbar.

Ökonomen sehen Warnsignal, aber keine Crash-Uhr

Der frühere Präsident der Federal Reserve Bank of New York, Bill Dudley, verwies im August 2026 in einem Bloomberg-Kommentar auf einen Buffett-Indikator von rund 240 Prozent und sah darin zusammen mit anderen Bewertungskennzahlen Argumente für die These, dass sich US-Aktien in einer Blasenphase befinden könnten.

Dudley machte zugleich deutlich, dass selbst eine solche Einschätzung keinen Zeitpunkt für eine mögliche Korrektur liefert. Bewertungsphasen könnten länger anhalten und stärker ausfallen, als Marktteilnehmer zunächst erwarten. Seine Erwartung einer späteren Korrektur ist eine Prognose und keine feststehende Entwicklung.

Auch Advisor Perspectives weist ausdrücklich darauf hin, dass die Kennzahl vor allem für die langfristige Bewertung gedacht ist und für kurzfristiges Market Timing nur geringe Aussagekraft besitzt. Aus einem Wert von mehr als 200 Prozent folgt deshalb weder automatisch ein Kursrückgang noch lässt sich daraus ein bestimmter Zeitpunkt für eine Marktbewegung ableiten.

Warum der Vergleich mit 2000 Grenzen hat

Der auffälligste Einwand gegen einfache historische Schwellenwerte ist die veränderte Struktur der US-Wirtschaft. Nach einer auf Fed- und BEA-Daten beruhenden Zerlegung lag die Marktkapitalisierung im ersten Quartal 2000 bei etwa dem 30,5-Fachen der Unternehmensgewinne nach Steuern. Der Anteil dieser Gewinne am BIP lag damals bei rund 5,6 Prozent.

Im ersten Quartal 2026 lag die Marktkapitalisierung dagegen bei etwa dem 20,2-Fachen der Unternehmensgewinne, während der Gewinnanteil am BIP bei rund 12,4 Prozent lag. Ein erheblicher Teil des höheren Buffett-Indikators erklärt sich damit aus der Tatsache, dass Unternehmensgewinne heute einen wesentlich größeren Anteil der Wirtschaftsleistung ausmachen als zur Jahrtausendwende.

Hinzu kommt die Globalisierung. Die Börsenbewertung amerikanischer Konzerne enthält deren Geschäft und Ertragspotenzial in Europa, Asien und anderen Teilen der Welt. Das US-BIP erfasst dagegen die innerhalb der Vereinigten Staaten erzeugte Wirtschaftsleistung. Je größer das internationale Geschäft der US-Konzerne wird, desto schwächer wird deshalb die direkte Verbindung zwischen beiden Größen.

Auch das Zinsniveau fehlt in der Kennzahl. Niedrige oder hohe Renditen sicherer Anleihen verändern die relative Attraktivität von Aktien und die Finanzierungskosten der Unternehmen, ohne dass dieser Effekt unmittelbar im Verhältnis von Marktkapitalisierung und BIP sichtbar wird.

Weitere Verzerrungen entstehen durch Veränderungen zwischen privaten und börsennotierten Unternehmen sowie durch die unterschiedliche Aktualität der Daten. Aktienkurse verändern sich täglich, das BIP wird quartalsweise veröffentlicht und später regelmäßig revidiert.

Der Buffett-Indikator zeigt damit Anfang September 2026 zweifellos ein historisch sehr hohes Bewertungsniveau am US-Aktienmarkt. Was daraus für die kommenden Monate oder Jahre folgt, beantwortet die Kennzahl allein jedoch nicht. Sie beschreibt das Verhältnis zwischen Börsenwert und Wirtschaftsleistung. Einen verlässlichen Zeitpunkt oder die Richtung der nächsten größeren Marktbewegung liefert sie nicht.

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