Carrefour-Aktie bricht ein: Unruhen belasten Frankreichs Handelsriesen

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die schweren Unruhen in Frankreich haben erhebliche wirtschaftliche Folgen für den Einzelhandelskonzern Carrefour. Das Unternehmen hat seine Gewinnprognose für 2026 gesenkt, nachdem Ausschreitungen, Plünderungen und Einschränkungen beim Geschäftsbetrieb zahlreiche Filialen getroffen hatten. An der Pariser Börse verlor die Carrefour-Aktie am Mittwoch, 21. Oktober 2026, im frühen Handel zeitweise rund elf Prozent. Damit reagierten Anleger auf die am Vorabend veröffentlichten Geschäftszahlen und den deutlich vorsichtigeren Ausblick des Unternehmens.

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Carrefour senkt Gewinnziele für 2026 deutlich

Die Carrefour Jahresprognose 2026 fällt nach der jüngsten Entwicklung wesentlich zurückhaltender aus als bisher. Der französische Handelskonzern rechnet zwar weiterhin mit einem steigenden operativen Ergebnis. Die erwartete Verbesserung der operativen Gewinnmarge wurde jedoch von zuvor mindestens 0,25 Prozentpunkten auf eine Spanne von null bis 0,15 Prozentpunkten reduziert.

Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie hat Carrefour seine Erwartungen zurückgenommen. Bislang hatte das Unternehmen ein Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich angestrebt. Nun geht der Konzern lediglich von einer weitgehend unveränderten Entwicklung oder einem leichten Anstieg gegenüber 2025 aus. Gleichzeitig erwartet Carrefour beim freien Netto-Cashflow einen geringfügigen Rückgang, nachdem zuvor noch ein leichter Zuwachs prognostiziert worden war.

Zusätzlich kürzt Carrefour seine geplanten Investitionen in Frankreich. Statt der ursprünglich vorgesehenen 1,7 Milliarden Euro sollen im laufenden Geschäftsjahr nur noch 1,6 Milliarden Euro investiert werden. Die Anpassungen gab das Unternehmen am Dienstagabend im Rahmen seiner Quartalsmitteilung bekannt.

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Unruhen treffen Filialen und verursachen hohe Kosten

Auslöser der Prognosesenkung sind die gewaltsamen Ausschreitungen in mehreren französischen Städten. Am Wochenende des 17. und 18. Oktober waren Demonstrationen gegen hohe Lebenshaltungskosten und wegen Problemen im Bildungsbereich teilweise in Gewalt und Plünderungen übergegangen. Dabei wurden auch Einzelhandelsgeschäfte angegriffen und beschädigt.

Carrefour zufolge waren zahlreiche Standorte in städtischen Gebieten betroffen. Neben unmittelbaren Schäden an Geschäften belasten zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen, höhere Logistikkosten und zeitweise eingeschränkte Öffnungszeiten das Unternehmen. Ausgangssperren und die Verunsicherung der Verbraucher führten nach Einschätzung des Konzerns außerdem zu weniger Kundenbesuchen.

Finanzvorstand Matthieu Malige bezifferte die mögliche Belastung des operativen Ergebnisses durch die Unruhen auf 80 bis 200 Millionen Euro. Dabei handelt es sich um eine Schätzung und nicht um einen bereits feststehenden Verlust. Konzernchef Alexandre Bompard bezeichnete die Situation in Frankreich als beispiellos und verwies insbesondere auf die Unsicherheit über das weitere Kaufverhalten und die Öffnungsmöglichkeiten der Geschäfte. Steigende Energiekosten erschweren die Lage zusätzlich.

Carrefour-Aktie verliert rund elf Prozent

An der Börse sorgte die gesenkte Prognose für deutliche Kursverluste. Am Mittwochvormittag fiel die Carrefour-Aktie an der Pariser Börse zeitweise um rund elf Prozent. Das geht aus einem um 9.45 Uhr veröffentlichten Börsenbericht der Nachrichtenagentur dpa-AFX hervor. Die Aktie erreichte damit den niedrigsten Stand seit Februar. Zeitweise gehörte Carrefour zu den schwächsten Werten im französischen Leitindex CAC 40 und im europäischen Aktienindex STOXX 600.

Neben den unmittelbaren Folgen der Unruhen beschäftigen die Anleger auch die längerfristigen Ertragsaussichten des Einzelhändlers. Die Investmentbank Jefferies verwies auf die überraschende Senkung der Unternehmensziele und reduzierte ihre Prognose für den operativen Gewinn um 6,5 Prozent. Auch die Entwicklung in Brasilien spielt bei der Bewertung eine Rolle, da die Kaufkraft dort durch hohe Zinsen und eine schwierige Konsumlage belastet wird.

Umsatz wächst trotz schwieriger Rahmenbedingungen

Die Prognosesenkung steht im Kontrast zu den jüngsten Umsatzzahlen. Carrefour verzeichnete im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von rund 22,7 Milliarden Euro einschließlich Mehrwertsteuer und vor Berücksichtigung bestimmter Inflationsanpassungen. Auf vergleichbarer Basis stieg der Umsatz um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im ersten Halbjahr hatte das Wachstum bei 2,1 Prozent gelegen.

In Frankreich, dem wichtigsten Einzelmarkt des Unternehmens, legte der vergleichbare Umsatz um 1,2 Prozent zu. Spanien erreichte ein Wachstum von 2,1 Prozent, Brasilien von 1,4 Prozent. Auch das Lebensmittelgeschäft entwickelte sich positiv, während der Umsatz mit Nichtlebensmitteln auf vergleichbarer Basis zurückging. Die veröffentlichten Quartalszahlen beziehen sich allerdings auf den Zeitraum bis Ende September und bilden die jüngsten Ausschreitungen damit noch nicht ab.

Für Carrefour kommt die Verschlechterung der Geschäftsaussichten zu einem wirtschaftlich wichtigen Zeitpunkt. Das Jahresendgeschäft ist für den Einzelhandel von besonderer Bedeutung. Ob weitere Einschränkungen im Filialbetrieb erforderlich werden, blieb zunächst offen. Der Konzern hält trotz der niedrigeren Finanzziele an seiner langfristigen Strategie Carrefour 2030 fest.

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