
Die geplante Übernahme der Commerzbank durch UniCredit verändert die Einschätzungen großer Finanzhäuser. Gleich drei Analystenhäuser haben ihre Bewertungen der Commerzbank-Aktie gesenkt. Auch unter institutionellen Investoren wächst die Skepsis über die künftige Ausrichtung des Frankfurter Geldhauses. Während UniCredit nach einer wichtigen Genehmigung der Europäischen Zentralbank auf die Kontrolle über die Commerzbank zusteuert, stehen weitere Entscheidungen bevor.
Die Deutsche Bank, Barclays und die Royal Bank of Canada (RBC) haben ihre Einschätzungen zur Commerzbank-Aktie in den vergangenen Wochen herabgesetzt. Die Neubewertungen markieren eine veränderte Wahrnehmung der wirtschaftlichen Perspektiven des Instituts.
Den Anfang machte Deutsche Bank Research am 30. September 2026 mit einer Herabstufung von „Buy“ auf „Hold“. Analyst Benjamin Goy begründete die Entscheidung unter anderem damit, dass zahlreiche positive Entwicklungen bereits im Aktienkurs berücksichtigt seien. Dazu zählen höhere Zinserträge und umfangreiche Ausschüttungen an Aktionäre. Zudem erschwere die Unsicherheit über die künftige Unternehmensstrategie eine höhere Bewertung.
Am 2. Oktober folgte RBC mit einer Herabstufung von „Outperform“ auf „Sector Perform“. Analystin Anke Reingen sah durch die Pläne von UniCredit sowohl Chancen auf Wertsteigerungen als auch zusätzliche Risiken. Barclays änderte seine Bewertung schließlich am 22. Oktober von „Overweight“ auf „Equal Weight“. Analystin Paola Sabbione verwies unter anderem auf den intensiveren Wettbewerb um Kundeneinlagen und begrenzte zusätzliche Kurschancen.
Alle drei Bewertungen entsprechen einer neutraleren Einschätzung. Eine ausdrückliche Verkaufsempfehlung ist damit nicht verbunden.
Neben den Analysten hinterfragen auch institutionelle Anteilseigner die Perspektiven der Commerzbank. Das Handelsblatt berichtet am Montag, 2. November 2026, von mehreren größeren Investoren, die zunehmend Zweifel an der bisherigen Strategie einer eigenständigen Bank äußern. Drei prominente Anteilseigner hätten demnach bereits auf die veränderte Situation reagiert.
Mehrere der befragten Investoren wollten anonym bleiben. Im Mittelpunkt ihrer Einschätzungen steht die Frage, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten den bisherigen Aktionären nach einem Kontrollwechsel zu UniCredit bleiben. Welche konkreten Aktienverkäufe mit den geschilderten Entscheidungen verbunden sind, war zunächst nicht unabhängig bestätigt.
Trotz der Unsicherheit hat die Commerzbank-Aktie seit dem Einstieg von UniCredit im September 2024 erheblich an Wert gewonnen. Zuletzt fiel sie allerdings zurück. Am Freitag, 30. Oktober 2026, lag ihr Xetra-Schlusskurs laut Kursdaten von comdirect um 17:35 Uhr bei 37,78 Euro. Das entsprach einem Tagesverlust von 1,61 Prozent.
Parallel zur veränderten Stimmung unter Anlegern kommt UniCredit bei der geplanten Kontrollübernahme voran. Am 15. Oktober 2026 bestätigte die italienische Großbank, dass die Europäische Zentralbank die Aufstockung ihrer Commerzbank-Beteiligung über die Schwelle von 30 Prozent hinaus genehmigt habe. Eine Obergrenze für weitere Anteilserhöhungen wurde nach Angaben von UniCredit nicht festgelegt.
Die Übernahme der Commerzbank durch UniCredit ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Weitere behördliche Verfahren und Bedingungen müssen erfüllt werden.
Bereits im Sommer hatte UniCredit ein öffentliches Übernahmeangebot durchgeführt. Bis zum Ende der zusätzlichen Annahmefrist am 3. Juli wurden nach Unternehmensangaben insgesamt 17,6 Prozent der Commerzbank-Aktien zum Umtausch angeboten. Zusammen mit bestehenden Beteiligungen und Finanzinstrumenten hat sich UniCredit dadurch Zugriff auf knapp die Hälfte der Stimmrechte gesichert.
Das Unternehmen rechnet damit, nach Abschluss der ausstehenden Verfahren gegen Jahresende ungefähr 50 Prozent der Stimmrechte kontrollieren zu können. Die operative Führung der Commerzbank liegt bislang weiterhin bei deren eigenem Vorstand.
Auch die Bundesregierung verfolgt die Entwicklung weiterhin als bedeutender Anteilseigner. Der Bund hält rund 13 Prozent an der Commerzbank und hat angekündigt, seine Beteiligung nicht an UniCredit abzugeben.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hatte bei einem Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel am 14. September Bedingungen für eine mögliche Übernahme formuliert. Die Commerzbank solle als börsennotierte Aktiengesellschaft mit Sitz in Frankfurt bestehen bleiben. Außerdem müsse das Geschäft mit mittelständischen Unternehmen sowohl in Deutschland als auch international fortgesetzt werden.
Die Bundesregierung betont darüber hinaus die Bedeutung der Commerzbank für den Finanzstandort Frankfurt und die Beschäftigten.
Die Commerzbank selbst setzt weiterhin auf ihre Unternehmensstrategie „Momentum 2030“. Zugleich befürwortet sie Gespräche mit UniCredit über eine Lösung, die die Interessen von Aktionären, Beschäftigten und Kunden berücksichtigt.
Für den weiteren Verlauf stehen im November zwei wichtige Termine an. Bereits am Donnerstag, 5. November 2026, will die Commerzbank ihre Geschäftszahlen für das dritte Quartal veröffentlichen. Diese dürften zusätzliche Informationen über die operative Entwicklung des Instituts liefern.
Daneben läuft die kartellrechtliche Prüfung der geplanten Übernahme bei der Europäischen Kommission. Die Behörde hat den 16. November als vorläufige Frist für ihre Entscheidung im ersten Prüfverfahren vorgesehen. Möglich sind eine Freigabe, eine Genehmigung mit Auflagen oder die Einleitung einer vertieften Untersuchung.
Für die Aktionäre stehen damit zwei unterschiedliche Entwicklungen im Mittelpunkt: die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Commerzbank und die künftige Verteilung der Kontrolle über das Institut. Während UniCredit die Voraussetzungen für eine Übernahme weiter vorantreibt, beurteilen mehrere Analystenhäuser die kurzfristigen Perspektiven der Aktie inzwischen vorsichtiger.
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