
Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit könnte eine wichtige regulatorische Hürde bald überwinden. Vorstandschefin Bettina Orlopp rechnet mit einer zeitnahen Entscheidung der Europäischen Zentralbank. Allerdings sind weitere Genehmigungen erforderlich, bevor UniCredit ihre Beteiligung vollständig übernehmen kann.
Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp erwartet nach eigenen Angaben innerhalb der nächsten Tage oder Wochen eine Entscheidung der Europäischen Zentralbank über den weiteren Einstieg von UniCredit. Das erklärte die Managerin am Mittwoch, 14. Oktober 2026, in einem Interview mit Bloomberg Television.
Für den Abschluss der noch laufenden Genehmigungsverfahren rechnet Orlopp mit einem Zeitraum bis Ende dieses Jahres oder spätestens Anfang 2027. Eine verbindliche Zusage der EZB über den Zeitpunkt ihrer Entscheidung liegt bislang nicht vor.
Die italienische Großbank unter Vorstandschef Andrea Orcel verfolgt seit 2024 das Ziel, ihren Einfluss auf die Commerzbank auszubauen. Nach einem freiwilligen Übernahmeangebot im Frühjahr 2026 hat UniCredit ihre Position deutlich verstärkt.
Nach Angaben von UniCredit vom 8. Juli 2026 beläuft sich die gesamte gesicherte Position auf 47,59 Prozent des Aktienkapitals. Davon entfallen 26,77 Prozent auf unmittelbar gehaltene Aktien. Weitere 17,60 Prozent wurden im Rahmen des Übernahmeangebots angedient. Hinzu kommen Finanzinstrumente für weitere 3,22 Prozent.
Nach vollständigem Vollzug entspräche diese Beteiligung aufgrund der nicht stimmberechtigten eigenen Aktien der Commerzbank rund 49,65 Prozent der Stimmrechte.
Allerdings ist zwischen der gesicherten Beteiligungsposition und den bereits übertragenen Aktien zu unterscheiden. Der Übergang eines Teils der Aktien und der damit verbundenen Stimmrechte steht weiterhin unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.
Eine Beteiligung von knapp 50 Prozent könnte UniCredit erheblichen Einfluss auf künftige Hauptversammlungen verschaffen. Die operative Leitung der Commerzbank liegt jedoch weiterhin beim bestehenden Vorstand.
Die Entscheidung der EZB ist nicht die einzige noch offene Genehmigung. Die Europäische Kommission prüft den geplanten Zusammenschluss aus wettbewerbsrechtlicher Sicht. Nach der Anmeldung durch UniCredit läuft die Frist für eine erste Entscheidung bis zum 16. November 2026.
Die Kommission kann das Vorhaben genehmigen, gegebenenfalls Auflagen verlangen oder eine vertiefte Untersuchung einleiten. Daneben sind weitere aufsichtsrechtliche Zustimmungen erforderlich, unter anderem in Polen.
Bereits im August hatte Reuters unter Berufung auf ein internes EZB-Dokument berichtet, dass die europäische Bankenaufsicht grundsätzlich zu einer Zustimmung neige. Die Behörde sah demnach erhebliche Herausforderungen bei der Integration der Institute, jedoch zunächst keine ausreichenden Gründe für eine Ablehnung. Eine abschließende Entscheidung war damit nicht verbunden.
Die Bundesregierung hält weiterhin eine bedeutende Beteiligung an der Commerzbank. Nach den aktuellen Angaben zur Aktionärsstruktur liegt der Anteil des Bundes bei rund 13,27 Prozent.
Berlin hatte eine unabgestimmte und gegen den Willen der Bankführung gerichtete Übernahme wiederholt abgelehnt. Zugleich führt die Bundesregierung inzwischen Gespräche mit UniCredit über die Zukunft des Instituts.
Bei einem Treffen mit UniCredit-Chef Andrea Orcel im September stellte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil die deutschen Interessen in den Mittelpunkt. Dazu gehören insbesondere die Finanzierung mittelständischer Unternehmen, die Bedeutung der Commerzbank für den Finanzstandort Frankfurt sowie die Interessen der Beschäftigten.
Die Bundesregierung entscheidet allerdings nicht über die aufsichtsrechtliche Genehmigung. Diese Aufgabe liegt bei den zuständigen unabhängigen Behörden.
Die Commerzbank setzt unter Bettina Orlopp weiterhin auf ihre Wachstumsstrategie „Momentum 2030“. Gleichzeitig haben beide Banken Gespräche über eine mögliche gemeinsame Zukunft aufgenommen.
Für die weitere Entwicklung stehen verschiedene Modelle zur Diskussion. Orlopp hatte im September unter anderem die Möglichkeit genannt, dass die Commerzbank die deutsche UniCredit-Tochter HypoVereinsbank übernimmt und dafür eigene Aktien ausgibt. Auch eine vollständige Fusion oder ein weiteres Übernahmeangebot von UniCredit gehören zu den diskutierten Varianten.
Daneben könnte UniCredit nach Erteilung der Genehmigungen versuchen, ihren Einfluss auf den Aufsichtsrat der Commerzbank auszuweiten. Damit könnte auch die künftige Besetzung des Vorstands zur Diskussion stehen.
Eine Zustimmung der EZB würde zunächst eine wichtige aufsichtsrechtliche Voraussetzung für die Beteiligungsaufstockung schaffen. Eine vollständige Verschmelzung beider Institute wäre damit noch nicht beschlossen. Dafür wären weitere gesellschaftsrechtliche Entscheidungen und gegebenenfalls zusätzliche Genehmigungen notwendig.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu