Commerzbank vor entscheidender Phase: UniCredit rückt näher, Tausende Jobs im Blick

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die geplante Übernahme der Commerzbank durch die italienische Großbank UniCredit geht in eine entscheidende Phase. Das Institut aus Mailand hat sich den Zugriff auf nahezu 50 Prozent der Stimmrechte gesichert. Während Bundesregierung und Commerzbank über die Zukunft des Frankfurter Geldhauses verhandeln, wachsen die Fragen nach möglichen Veränderungen für Beschäftigte und Firmenkunden. Besonders die Finanzierung des deutschen Mittelstands steht dabei im Mittelpunkt.

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UniCredit hat sich Zugriff auf fast 50 Prozent gesichert

Der Übernahmeversuch, der im September 2024 begann, hat die Eigentümerverhältnisse der Commerzbank grundlegend verändert. Nach den am 8. Juli 2026 veröffentlichten Ergebnissen des Übernahmeangebots verfügt UniCredit über 26,77 Prozent der Aktien direkt. Weitere 3,22 Prozent sind über Finanzinstrumente abgesichert. Hinzu kommen 17,60 Prozent, die im Rahmen des Übernahmeangebots angedient wurden.

Zusammen ergibt das einen möglichen Anteil von 47,59 Prozent am Aktienkapital. Weil eigene Aktien der Commerzbank kein Stimmrecht besitzen, entspricht dies nach UniCredit-Angaben einem möglichen Stimmrechtsanteil von 49,65 Prozent. Der Übergang der angebotenen Aktien steht allerdings noch unter dem Vorbehalt notwendiger Genehmigungen.

Übernahme ist noch nicht vollständig abgeschlossen

Trotz des hohen Beteiligungsanteils ist die Commerzbank-Übernahme durch UniCredit noch nicht vollständig vollzogen. Die operative und strategische Führung liegt weiterhin beim Vorstand unter Bettina Orlopp. Auch für grundlegende Veränderungen der Unternehmensstruktur reicht eine Beteiligung von knapp 50 Prozent allein nicht aus.

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Ein Beherrschungsvertrag oder größere gesellschaftsrechtliche Umstrukturierungen erfordern zusätzliche Mehrheiten. Für einen Beherrschungsvertrag sind grundsätzlich 75 Prozent des vertretenen Grundkapitals erforderlich.

UniCredit hat im September bereits eine Kapitalerhöhung beschlossen, die zur Abwicklung ihres Übernahmeangebots dienen soll. Voraussetzung für die Umsetzung bleiben die entsprechenden Angebotsbedingungen und Genehmigungen.

Bundesregierung stellt Forderungen an UniCredit

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat seine Erwartungen an eine mögliche Übernahme inzwischen persönlich gegenüber UniCredit-Chef Andrea Orcel formuliert. Bei einem Treffen am 14. September in Berlin machte er deutlich, dass die Commerzbank ihren Sitz in Frankfurt behalten und weiterhin an der Börse notiert sein soll.

Ebenso wichtig ist der Bundesregierung die Fortsetzung des Mittelstandsgeschäfts im Inland und Ausland. Auch die Interessen der mehr als 40.000 Beschäftigten sollen berücksichtigt werden.

Der Bund ist seit der Bankenrettung während der Finanzkrise weiterhin an der Commerzbank beteiligt. Eine verbindliche Vereinbarung über sämtliche Forderungen der Bundesregierung wurde zunächst nicht bekannt.

Beschäftigte müssen mit weiterem Stellenabbau rechnen

Für die Belegschaft steht besonders die künftige Personalplanung im Mittelpunkt. Bereits unabhängig von einer Übernahme verfolgt die Commerzbank ein umfangreiches Sparprogramm. Im Februar 2025 kündigte das Institut den Abbau von rund 3.900 Vollzeitstellen bis 2028 an. Im Mai 2026 kamen Pläne für weitere rund 3.000 Stellen hinzu.

Damit sieht die eigenständige Unternehmensstrategie insgesamt einen Abbau von etwa 6.900 Stellen brutto vor. Gleichzeitig sollen in ausgewählten Geschäftsbereichen neue Arbeitsplätze entstehen. Ein Teil der Einsparungen soll durch Altersteilzeit, Vorruhestand und natürliche Personalfluktuation erreicht werden.

Ob UniCredit darüber hinaus zusätzliche Stellen streichen würde, ist noch nicht verbindlich geklärt.

Mögliche Integration könnte weitere Veränderungen bringen

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch mögliche organisatorische Überschneidungen zwischen den beiden Geldhäusern. UniCredit ist über die HypoVereinsbank bereits seit Jahren auf dem deutschen Markt vertreten. Eine engere Zusammenarbeit könnte deshalb vor allem zentrale Verwaltungsfunktionen, IT-Systeme und interne Abläufe verändern.

UniCredit hat in früheren Strategieaussagen erhebliche Einsparmöglichkeiten aufgezeigt. Die Commerzbank bewertete diese Annahmen jedoch kritisch und verwies auf mögliche Risiken für ihr bisheriges Geschäftsmodell.

Eine verbindliche Personalplanung für einen Zusammenschluss liegt damit weiterhin nicht vor. Ebenso wenig ist entschieden, ob und wann einzelne Geschäftsbereiche organisatorisch zusammengeführt werden.

Mittelstandskunden blicken auf mögliche Veränderungen

Auch für zahlreiche mittelständische Unternehmen ist der weitere Verlauf von Bedeutung. Die Commerzbank gehört zu den wichtigsten Finanzierern deutscher Firmen und begleitet insbesondere exportorientierte Unternehmen bei Krediten, Zahlungsverkehr und internationalen Geschäften.

Nach eigenen Angaben ist das Institut an der Abwicklung von rund 30 Prozent des deutschen Außenhandels beteiligt. Veränderungen im internationalen Standortnetz oder bei der Kreditvergabe könnten sich deshalb auf bestehende Geschäftsbeziehungen auswirken.

Ob Firmenkunden künftig andere Konditionen erhalten oder Ansprechpartner wechseln müssten, ist bislang offen. Ebenso sind Vorteile durch ein größeres europäisches Bankennetz denkbar. Eine verbindliche Neuausrichtung des Firmenkundengeschäfts wurde bisher nicht vereinbart.

Commerzbank setzt weiter auf ihre eigene Strategie

Die Commerzbank hält gleichzeitig an ihrem eigenständigen Wachstumskurs fest. Unter dem Namen Momentum 2030 will das Institut seine Erträge erhöhen, Kosten reduzieren und digitale Geschäftsprozesse stärker automatisieren.

Die bisherige Entwicklung liefert der Bank wirtschaftliche Argumente. Im ersten Halbjahr 2026 erreichte sie ein Nettoergebnis von rund 1,8 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis stieg gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum um 14 Prozent auf etwa 2,7 Milliarden Euro.

Für das Gesamtjahr erwartet die Bank einen Gewinn von mindestens 3,4 Milliarden Euro. Die positiven Geschäftszahlen verändern jedoch nichts daran, dass UniCredit inzwischen erheblichen Einfluss auf künftige Aktionärsentscheidungen gewinnen könnte.

Auch für Privatkunden ist zunächst keine Umstellung beschlossen

Neben den Firmenkunden betreut die Commerzbank mehr als zehn Millionen Privatkunden. Für diese ist derzeit keine unmittelbare Veränderung des laufenden Bankgeschäfts angekündigt.

Bestehende Girokonten, Kreditverträge und Wertpapierdepots bleiben zunächst bei der Commerzbank. Allein eine Veränderung der Eigentümerstruktur führt nicht automatisch zu neuen Kontonummern, anderen Vertragsbedingungen oder einer Zusammenlegung von Filialen.

Sollte es später zu einer umfassenden organisatorischen Integration kommen, könnten einzelne Produkte und Abläufe angepasst werden. Konkrete Beschlüsse über solche Maßnahmen liegen bislang nicht vor. Die künftige Ausrichtung des Privatkundengeschäfts hängt damit ebenfalls von weiteren Entscheidungen ab.

Übernahmekampf hat Bedeutung für den europäischen Bankenmarkt

Der Streit um die Commerzbank reicht über Deutschland hinaus. Ein Zusammenschluss mit UniCredit würde einen Bankenkonzern schaffen, der in zwei der größten Volkswirtschaften der Eurozone besonders stark vertreten wäre. Gemeinsam kämen beide Institute auf eine Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro.

Solche grenzüberschreitenden Zusammenschlüsse gelten als Möglichkeit, die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Banken gegenüber großen internationalen Finanzkonzernen zu stärken.

Dem stehen Fragen nach wirtschaftlicher Konzentration, nationalen Standorten und der Versorgung mittelständischer Unternehmen gegenüber. Für UniCredit und Commerzbank geht es deshalb nicht allein um Aktienmehrheiten, sondern zunehmend um die konkrete Ausgestaltung einer möglichen gemeinsamen Zukunft.

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