Continental gibt große Werkstattkette an chinesischen Konzern ab

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der deutsche Reifenhersteller Continental trennt sich von einem seiner größten direkten Werkstatt- und Handelsnetze im Ausland. Die australische Tochter mycar Tyre & Auto soll an den chinesischen Autoservice-Konzern Tuhu verkauft werden. Der Transaktion liegt nach Angaben von Continental ein Unternehmenswert von 403 Millionen Australischen Dollar zugrunde. Das entspricht rund 250 Millionen Euro. Betroffen sind rund 280 Standorte und mehr als 1.600 Beschäftigte in Australien. Der Verkauf ist vereinbart, steht aber noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen.

Der Verkauf von mycar ist für Continental mehr als die Abgabe einer einzelnen Tochtergesellschaft. Das Unternehmen richtet sich derzeit grundlegend neu aus und will sich künftig auf das Reifengeschäft konzentrieren. mycar bleibt dabei auch nach einem erfolgreichen Abschluss der Transaktion für den Konzern wichtig: Die australische Werkstattkette soll weiterhin Reifen von Continental verkaufen und als Vertriebspartner fungieren.

Rund 280 Werkstätten wechseln zu Tuhu

mycar Tyre & Auto gehört zu den größeren Werkstatt-, Reifen- und Autoserviceketten Australiens. Das Unternehmen bietet neben Reifen unter anderem reguläre Fahrzeugwartungen, Arbeiten an Bremsen und Fahrwerk, Batteriewechsel sowie allgemeine mechanische Reparaturen an. Continental beziffert das Netz auf rund 280 Standorte und die Zahl der Beschäftigten auf mehr als 1.600. Sämtliche Mitarbeiter und Standorte sind Teil der vereinbarten Transaktion.

Damit erhält Tuhu auf einen Schlag eine große Präsenz auf dem australischen Markt. Für den chinesischen Konzern ist Australien ein neuer wichtiger Auslandsmarkt. Tuhu betreibt ein Geschäftsmodell, das digitale Buchungs- und Verkaufsangebote mit einem großen Netz physischer Werkstätten verbindet. Zum 30. Juni 2026 zählte das Unternehmen nach Angaben von Continental 8.825 Tuhu-Werkstätten. In den zwölf Monaten bis zu diesem Stichtag nutzten rund 31 Millionen Kunden die Plattform für Transaktionen.

Tuhu-Gründer und Vorstandschef Min Chen bezeichnete Australien bei Bekanntgabe des Geschäfts als attraktiven Markt für Automobildienstleistungen. Der Konzern wolle mit dem bestehenden Management und den Beschäftigten von mycar zusammenarbeiten und seine Erfahrungen aus dem chinesischen Markt einbringen. Tuhu und Continental arbeiten bereits seit Jahren in China zusammen.

Continental hatte das Geschäft erst 2018 übernommen

Continental hatte mycar Tyre & Auto 2018 gekauft. Damals sollte die Übernahme vor allem das Vertriebsnetz des Reifenherstellers in Australien vergrößern und seine Position auf dem dortigen Ersatzreifenmarkt stärken. In den folgenden Jahren wurde das Filialnetz erweitert und das Angebot ausgebaut. Parallel dazu baute Continental eine eigene Vertriebsorganisation in Australien auf.

Genau diese Entwicklung ermöglicht nun die Trennung vom direkten Werkstattgeschäft, ohne dass Continental den australischen Markt verlässt. Das Unternehmen will seine Reifen weiterhin über eigene Vertriebsstrukturen anbieten. Zusätzlich soll mycar auch unter dem neuen Eigentümer Tuhu Continental-Produkte verkaufen. Für Kunden bedeutet der Eigentümerwechsel deshalb nicht automatisch das Ende der bisherigen Reifenmarke im Werkstattnetz.

Ein Abschlussdatum für die Transaktion hat Continental bislang nicht genannt. Offiziell bestätigt ist, dass der Verkauf von den erforderlichen behördlichen Genehmigungen abhängt. Auch die mit Tuhu beratende Kanzlei Herbert Smith Freehills Kramer spricht von üblichen Vollzugsbedingungen. Der Eigentümerwechsel ist damit am 4. Oktober 2026 noch nicht endgültig vollzogen.

Verkauf passt zur neuen Continental-Strategie

Der Schritt steht im Zusammenhang mit einem tiefgreifenden Umbau des früher breit aufgestellten Autozulieferers. Continental hat sein ehemaliges Automotive-Geschäft bereits als Aumovio abgespalten. Im Juli 2026 vereinbarte der Konzern zudem den Verkauf des Unternehmensbereichs ContiTech an Lone Star Funds für einen Basispreis von vier Milliarden Euro. Damit soll Continental künftig als auf Reifen konzentriertes Unternehmen aufgestellt sein.

Im August erklärte Continental, sich in der finalen Phase dieser Neuaufstellung zu befinden. Nach der Trennung von Automotive, dem Verkauf weiterer Aktivitäten und der vereinbarten Veräußerung von ContiTech konzentriert sich der verbleibende Konzern zunehmend auf Entwicklung, Produktion und Vermarktung von Reifen. Die Abgabe eines großen eigenen Werkstattnetzes fügt sich in diese Strategie ein: Continental bleibt Lieferant, überlässt den Betrieb der Servicekette aber einem Unternehmen, dessen Kerngeschäft gerade Werkstätten und Fahrzeugdienstleistungen sind.

Was der Eigentümerwechsel für Beschäftigte bedeutet

Unmittelbare Stellenstreichungen im Zusammenhang mit der Übernahme hat Continental nicht angekündigt. Vielmehr gehören alle mehr als 1.600 Beschäftigten von mycar zum vereinbarten Geschäft. Tuhu erklärte, mit dem bestehenden Managementteam und den Mitarbeitern weiterarbeiten zu wollen. Konkrete Angaben zu möglichen späteren organisatorischen Veränderungen oder zur künftigen Struktur einzelner Standorte wurden bei Bekanntgabe der Transaktion nicht gemacht.

Auch für die rund 280 Werkstätten wurde keine Schließungsserie angekündigt. Tuhu übernimmt mit mycar vielmehr eine bereits landesweit etablierte Plattform für Reifenverkauf, Wartung und Reparaturen. Für Continental wiederum bleibt der Zugang zu diesem Verkaufsnetz erhalten. Damit verändert sich vor allem die Eigentümerstruktur: Das operative Werkstattgeschäft geht von einem deutschen Reifenhersteller an einen chinesischen Autoservice-Spezialisten, während die geschäftliche Verbindung zwischen Continental und mycar bestehen bleiben soll.

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