
Copart will mit der milliardenschweren Übernahme von ACV Auctions sein Geschäft mit Fahrzeugauktionen deutlich verbreitern. Der US-Konzern hat eine verbindliche Vereinbarung zum Kauf des digitalen Fahrzeugmarktplatzes geschlossen. Der Kaufpreis liegt bei 10,50 US-Dollar je ACV-Aktie in bar und entspricht einem Unternehmenswert auf Eigenkapitalbasis von rund 1,9 Milliarden Dollar. Parallel zur Ankündigung legte Copart seine Zahlen für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 vor. An der Börse reagierten Anleger zunächst wechselhaft auf die Kombination aus Übernahme und Geschäftszahlen.
Die geplante Copart ACV Auctions Übernahme wurde am 10. September 2026 von beiden Unternehmen offiziell bekannt gegeben. Die Verwaltungsräte von Copart und ACV haben der Transaktion nach Unternehmensangaben einstimmig zugestimmt. Der gebotene Preis von 10,50 Dollar je Aktie lag rund 45 Prozent über dem Schlusskurs von ACV vom 10. August, dem letzten Handelstag vor Medienberichten über eine mögliche Transaktion. Gegenüber dem volumengewichteten Durchschnittskurs der vorherigen 30 Tage bis zum 9. September lag der Aufschlag nach Angaben der Unternehmen bei rund 41 Prozent.
Copart will den Kauf vollständig aus vorhandenen Barmitteln finanzieren. Eine Finanzierungsbedingung enthält die Vereinbarung nicht. Vorgesehen ist zunächst ein öffentliches Barangebot an die ACV-Aktionäre. Anschließend soll ACV über eine Fusion zu einer vollständig kontrollierten Tochtergesellschaft von Copart werden. Voraussetzung sind unter anderem die Annahme des Angebots für mehr als die Hälfte der ausstehenden ACV-Aktien und die erforderlichen kartellrechtlichen Freigaben in den USA. Die Unternehmen rechnen mit einem Abschluss bis Ende 2026. Diese Zeitangabe ist eine Planung und keine Garantie für den tatsächlichen Vollzug.
In bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereichten Unterlagen vom 11. September hieß es noch, dass das eigentliche Übernahmeangebot nicht begonnen habe. Die Transaktion war damit zwar verbindlich vereinbart, aber noch nicht vollzogen. Nach dem Abschluss soll ACV den bisherigen Angaben zufolge als eigenständige Tochtergesellschaft unter seiner bestehenden Führung weiterarbeiten.
Copart und ACV bedienen unterschiedliche Bereiche des Fahrzeughandels. Copart ist insbesondere für Online-Auktionen von Unfallfahrzeugen, beschädigten Autos und anderen Gebrauchtfahrzeugen bekannt. Zu den Verkäufern gehören Versicherer, Banken, Autovermieter, Flottenbetreiber und Händler. Auf der Käuferseite stehen unter anderem Autohändler, Verwerter, Exporteure und Wiederaufbauer. Copart verfügt nach eigenen Angaben über mehr als 250 Standorte und verkauft jährlich mehr als vier Millionen Fahrzeuge.
ACV Auctions ist stärker auf den digitalen Großhandel zwischen Autohändlern ausgerichtet. Händler können gebrauchte Fahrzeuge über die Plattform anbieten und erwerben. Hinzu kommen Dienstleistungen für Fahrzeugprüfung, Transport, Finanzierung, Bestandsmanagement und Fahrzeugbewertung. ACV setzt dabei unter anderem auf digitale Inspektionsdaten und softwaregestützte Bewertungsverfahren.
Genau diese Ergänzung erklärt die industrielle Logik der Transaktion. Copart erhält unmittelbar Zugang zu einem größeren Händler-zu-Händler-Geschäft, während ACV auf die internationale Käuferbasis und die physische Infrastruktur von Copart zurückgreifen könnte. Copart erwartet nach eigenen Angaben außerdem Synergien bei Vertrieb, Transport, Daten und Technologie. Das Unternehmen rechnet damit, dass die Transaktion im ersten vollständigen Geschäftsjahr nach der Übernahme ungefähr neutral für den Gewinn je Aktie sein und ab dem Geschäftsjahr 2028 positiv beitragen könnte. Dabei handelt es sich um Unternehmensprognosen, nicht um bereits gesicherte Ergebnisse.
Fahrzeugauktionen bilden einen wichtigen Teil des Gebrauchtwagenkreislaufs. Fahrzeuge wechseln dort häufig nicht vom Händler direkt zum Endkunden, sondern zunächst zwischen Versicherungen, Leasinggesellschaften, Flotten, Autohäusern und spezialisierten Käufern. Versicherer verkaufen beispielsweise wirtschaftliche Totalschäden oder beschädigte Fahrzeuge. Händler geben Autos ab, die nicht zum eigenen Bestand passen, während andere Händler genau solche Modelle für ihre Kunden suchen.
Digitale Plattformen haben diesen Markt stark verändert. Fahrzeuge müssen nicht mehr ausschließlich auf einem physischen Auktionsgelände stehen. Zustandsberichte, Fotos, Fahrzeugdaten und Gebote können online verarbeitet werden. Entscheidend für Betreiber solcher Plattformen sind dabei große Käufernetzwerke, genügend angebotene Fahrzeuge und möglichst zuverlässige Informationen über deren Zustand. Je mehr Käufer und Verkäufer teilnehmen, desto größer kann die Wahrscheinlichkeit werden, für ein bestimmtes Fahrzeug einen passenden Handelspartner zu finden.
Mit ACV würde Copart seine Position deshalb über das traditionelle Geschäft mit beschädigten und von Versicherern eingelieferten Fahrzeugen hinaus ausbauen. Das Unternehmen würde stärker am regulären Großhandel mit gebrauchten Fahrzeugen zwischen Händlern teilnehmen. Für den US-Fahrzeugauktionsmarkt entsteht damit eine Verbindung zweier großer digital ausgerichteter Plattformen, deren Geschäftsmodelle bislang unterschiedliche Schwerpunkte hatten.
Die Übernahmeankündigung fiel mit den Zahlen für Coparts viertes Geschäftsquartal zusammen. Im Quartal bis Ende Juli 2026 erzielte der Konzern einen Umsatz von rund 1,2 Milliarden Dollar. Das waren 2,4 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Beim Ergebnis entwickelte sich das Geschäft dagegen schwächer. Der Bruttogewinn sank um 5,5 Prozent auf 481,4 Millionen Dollar. Der auf Copart entfallende Nettogewinn ging um 17,4 Prozent auf 327,4 Millionen Dollar zurück.
Der verwässerte Gewinn je Aktie sank von 0,41 auf 0,35 Dollar. Im gesamten Geschäftsjahr 2026 erzielte Copart einen Umsatz von rund 4,7 Milliarden Dollar, ein Plus von lediglich 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Jahresüberschuss lag bei rund 1,5 Milliarden Dollar und damit 4,4 Prozent niedriger. Die Zahlen zeigen damit ein Unternehmen mit weitgehend stabilem Umsatz, aber rückläufigen Margen und Gewinnen.
ACV hatte zuletzt für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 214 Millionen Dollar gemeldet, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das bereinigte EBITDA lag bei 21 Millionen Dollar. Nach US-Rechnungslegung schrieb ACV zugleich einen Nettoverlust von rund acht Millionen Dollar. Über die Plattform wurden im Quartal Fahrzeuge mit einem gesamten Handelswert von etwa 2,7 Milliarden Dollar vermittelt.
Die unmittelbare Börsenreaktion auf die Nachrichten fiel nicht eindeutig positiv aus. Die Copart-Aktie schloss am Donnerstag, 10. September, an der Nasdaq bei 30,75 Dollar und damit vier Prozent unter dem Schlusskurs des Vortages. Am Freitag, 11. September, verlor sie weitere 2,6 Prozent und beendete den Handel bei 29,95 Dollar. Am Montag folgte jedoch eine kräftige Gegenbewegung: Die Aktie stieg nach Marktdaten von MarketWatch um 5,94 Prozent auf 31,73 Dollar.
Damit lag der Kurs am Montag wieder über dem Niveau unmittelbar nach der Übernahmeankündigung, aber weiterhin unter dem Schlusskurs vom 9. September von 32,03 Dollar. Ein einzelner Handelstag erlaubt dabei keine belastbare Zuordnung der Kursbewegung ausschließlich zur ACV-Übernahme. Gleichzeitig verarbeiteten Anleger die Quartalszahlen von Copart und die finanziellen Folgen des geplanten Barkaufs.
Bei ACV fiel die Reaktion wesentlich eindeutiger aus. Die Aktie sprang nach Bekanntgabe des Angebots stark nach oben und näherte sich dem gebotenen Preis von 10,50 Dollar. Das entspricht dem typischen Muster bei einer angekündigten Barübernahme: Je höher Anleger die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Abschlusses einschätzen, desto näher kann sich der Börsenkurs dem angebotenen Kaufpreis annähern. Bis zum tatsächlichen Vollzug bleiben jedoch die Bedingungen des Übernahmeverfahrens und die kartellrechtliche Prüfung maßgeblich.
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