
Ein groß angelegter Cyberangriff auf Supermärkte in Frankreich hat die Kühlsysteme Hunderter Geschäfte beeinträchtigt. Nach Angaben des französischen Finanzministers Roland Lescure waren rund 700 der etwa 10.000 Supermärkte des Landes betroffen. Lebensmittel mussten vernichtet werden, die finanziellen Schäden könnten mehrere zehn Millionen Euro erreichen. Auch deutsche Behörden und Handelsunternehmen beschäftigen sich mit den Vorfällen.
Der Angriff ereignete sich in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2026. Unbekannte verschafften sich Zugriff auf digital gesteuerte Kühlsysteme und veränderten deren Einstellungen. In mehreren Supermärkten stiegen die Temperaturen in Kühl- und Gefrieranlagen über Stunden auf bis zu 50 Grad Celsius.
Betroffen waren unter anderem Filialen von Intermarché, Carrefour, Monoprix und Coopérative U. Große Mengen frischer und tiefgekühlter Waren mussten entsorgt werden. Zudem wurden Brände im Zusammenhang mit den manipulierten Anlagen gemeldet.
Thierry Cotillard, Chef der Intermarché-Muttergesellschaft Les Mousquetaires, schätzte die landesweiten Verluste bereits zu Beginn der Woche auf mehrere zehn Millionen Euro. Eine abschließende Schadensbilanz lag zunächst nicht vor.
Zusätzliche Probleme könnten bei der Regulierung der Schäden entstehen. Versicherungsexperten erklärten am Donnerstag, dass herkömmliche Cyberversicherungen materielle Schäden und verdorbene Waren häufig nicht abdecken. Welche Ansprüche die betroffenen Handelsunternehmen tatsächlich geltend machen können, hängt von ihren jeweiligen Verträgen ab.
Die auf Cyberkriminalität spezialisierte Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Die Identität der Angreifer und ihre Beweggründe sind weiterhin unbekannt.
Frankreichs Cybersicherheitsbehörde ANSSI stellte zahlreiche kompromittierte Fernsteuerungssysteme fest. Betroffen sind Geräte beziehungsweise Steuerungslösungen der Hersteller Danfoss, Copeland und Dixell.
Danfoss erklärte, dass viele betroffene Anlagen mit veralteter Software betrieben worden seien oder keine Sicherheitsupdates mehr erhielten. Ob eine bestimmte bekannte Schwachstelle bei den Angriffen ausgenutzt wurde, war zunächst nicht abschließend geklärt.
Die französischen Sicherheitsbehörden warnten zudem, dass weitere Angriffe auf solche Systeme wahrscheinlich noch stattfinden.
Der Vorfall beschäftigt inzwischen auch den deutschen Lebensmittelhandel. Nach einer Anfrage des WDR meldeten die REWE Group, Lidl Deutschland und Kaufland zunächst keine vergleichbaren Angriffe auf ihre Kühlsysteme.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) sieht dennoch Handlungsbedarf. Die Behörde empfiehlt Unternehmen, digitale Steuerungsanlagen nicht unmittelbar über das Internet zugänglich zu machen. Fernzugriffe sollten über gesicherte Verbindungen erfolgen. Außerdem seien aktuelle Software, Sicherheitsupdates und zusätzliche Anmeldeschutzmaßnahmen notwendig.
Auch der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels bewertet den Vorfall als Warnsignal für die Branche.
Die europäischen Sicherheitsbehörden beschäftigen sich ebenfalls mit den Auswirkungen. Europol steht nach eigenen Angaben mit den zuständigen Stellen in den betroffenen Ländern in Kontakt.
Parallel dazu kam es beim niederländischen Handelskonzern Ahold Delhaize zu einem separaten IT-Sicherheitsvorfall. Der Betreiber der Supermarktkette Albert Heijn musste zeitweise digitale Dienste einschränken. Ein Zusammenhang mit den Angriffen in Frankreich wurde bislang nicht festgestellt.
Frankreichs Finanzminister Lescure sieht trotz des erheblichen wirtschaftlichen Schadens keine unmittelbare Gefahr für die nationale Lebensmittelversorgung. Der Angriff verdeutlicht jedoch, welche Folgen Sicherheitslücken bei vernetzten Anlagen für den Handel haben können.
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