Bis zu 50 Grad in Kühlanlagen: Cyberangriff trifft Hunderte Supermärkte in Frankreich

Heute startet das Summer Game Fest 2026: Was Gamer zur großen Show wissen müssen
Grzegorz Walczak

Teilen:

Ein Cyberangriff auf Supermärkte in Frankreich hat erhebliche Schäden verursacht. Unbekannte manipulierten die Kühlsysteme zahlreicher Lebensmittelgeschäfte und ließen die Temperaturen teilweise auf 50 Grad Celsius steigen. Frische und tiefgekühlte Waren mussten daraufhin entsorgt werden. Nach Angaben der französischen Regierung waren rund 700 Märkte betroffen. Inzwischen warnen Cybersicherheitsbehörden vor weiteren Angriffen auf vernetzte Kühltechnik.

Anzeige

Angreifer manipulierten Kühlanlagen aus der Ferne

Der Angriff ereignete sich in der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober 2026. Unbekannte verschafften sich Zugriff auf digitale Steuerungssysteme, mit denen Kühlregale, Gefriertruhen und Kühlräume überwacht werden. Anschließend veränderten sie die Einstellungen der Anlagen und aktivierten teilweise über Stunden den Abtaubetrieb.

Betroffen waren mehrere große französische Handelsketten, darunter Intermarché, Netto, Carrefour, Coopérative U und Monoprix. Auch bei E.Leclerc wurden Schäden festgestellt. Carrefour bestätigte 80 betroffene Filialen, Coopérative U ebenfalls 80. Monoprix meldete Probleme in etwa fünf Prozent seiner Geschäfte. Die genaue Gesamtzahl bleibt unsicher, da einzelne Unternehmensangaben und übergreifende Schätzungen voneinander abweichen.

Verdorbene Lebensmittel verursachen Millionenschäden

Für zahlreiche Supermärkte hatte die Manipulation unmittelbare Folgen. Fleisch, Milchprodukte, Tiefkühlwaren und weitere gekühlte Lebensmittel konnten nicht mehr sicher verkauft werden. Betroffene Geschäfte mussten Warenbestände entsorgen und Kühlabteilungen vorübergehend schließen. Vereinzelt wurden auch Brände gemeldet.

Anzeige

Thierry Cotillard, Chef des Handelskonzerns Les Mousquetaires, zu dem Intermarché und Netto gehören, schätzte die landesweiten Verluste auf mehrere zehn Millionen Euro. Eine abschließende Schadensbilanz lag zunächst nicht vor. Auch die Frage, wer finanziell für die Verluste aufkommen muss, ist offen.

Zusätzliche Schwierigkeiten entstehen durch Versicherungsverträge. Nach Einschätzung mehrerer Versicherungsexperten decken übliche Cyberversicherungen materielle Schäden wie verdorbene Lebensmittel nicht automatisch ab. Ob betroffene Händler Entschädigungen erhalten, hängt deshalb von ihren jeweiligen Vertragsbedingungen ab.

Veraltete Software machte Kühltechnik angreifbar

Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen digitale Kühlsystemsteuerungen des dänischen Herstellers Danfoss. Solche Anlagen ermöglichen es spezialisierten Dienstleistern, Temperaturen zu kontrollieren und technische Einstellungen aus der Ferne zu verändern. Damit lassen sich viele Wartungsarbeiten erledigen, ohne dass Techniker vor Ort sein müssen.

Danfoss erklärte, zahlreiche betroffene Geräte hätten veraltete Software verwendet oder seien bereits so alt gewesen, dass sie keine Sicherheitsupdates mehr erhielten. Sicherheitsforscher hatten schon vor dem Angriff Schwachstellen in bestimmten Steuerungssystemen des Unternehmens entdeckt. Für diese waren bereits Softwarekorrekturen veröffentlicht worden. Ob genau diese Sicherheitslücken bei den aktuellen Angriffen ausgenutzt wurden, war allerdings nicht abschließend bestätigt.

Die französische Cybersicherheitsbehörde ANSSI identifizierte inzwischen auch kompromittierte Steuerungen der Produktfamilien Copeland xweb und Dixell xweb. Damit beschränken sich die festgestellten Probleme nicht auf Geräte eines einzigen Herstellers.

Frankreich warnt vor weiteren Cyberangriffen

Die Pariser Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. Die Identität der Angreifer blieb zunächst unbekannt. Auch zu ihren möglichen Absichten gab es keine gesicherten Erkenntnisse.

Besonders relevant ist die weiterhin bestehende Bedrohung. In einer am 16. Oktober aktualisierten Sicherheitswarnung erklärte die französische Behörde CERT-FR, dass Angriffe auf entsprechende Kühlsysteme wahrscheinlich weiterhin stattfinden.

Betreibern wird empfohlen, Steuerungsgeräte nicht unmittelbar über das öffentliche Internet zugänglich zu machen. Fernzugriffe sollen über geschützte Netzwerke erfolgen. Außerdem fordert die Behörde aktuelle Software, sichere Zugangsdaten und die Überprüfung sämtlicher Temperatureinstellungen. Bei nicht mehr unterstützten Geräten können zusätzliche Schutzmaßnahmen oder ein Austausch erforderlich sein.

Auch deutsche Supermärkte müssen ihre Systeme schützen

Der Angriff beschäftigt inzwischen auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. BSI-Präsidentin Claudia Plattner warnte, dass vergleichbare Angriffe grundsätzlich jedes Land treffen könnten. Betreiber vernetzter Steuerungsanlagen sollten ihre Systeme deshalb dringend überprüfen.

Für deutsche Lebensmittelhändler ist der Vorfall insbesondere deshalb relevant, weil moderne Kühlanlagen häufig digital überwacht und von externen Dienstleistern gewartet werden. Ungesicherte Fernzugänge können dabei zum Einfallstor werden. Das BSI empfiehlt unter anderem geschützte Netzwerkverbindungen, eine zusätzliche Absicherung von Zugängen und die zeitnahe Installation von Sicherheitsupdates.

Parallel zu den französischen Angriffen meldete der niederländische Handelskonzern Ahold Delhaize eine separate IT-Sicherheitsstörung, die unter anderem Onlinebestellungen beeinträchtigte. Ein Zusammenhang mit den Manipulationen der französischen Kühlanlagen wurde von den zuständigen niederländischen Stellen zunächst nicht festgestellt.

Eine landesweite Gefährdung der Lebensmittelversorgung in Frankreich sah Finanzminister Roland Lescure durch den Angriff nicht. Für den europäischen Einzelhandel macht der Vorfall dennoch deutlich, dass Cyberangriffe nicht nur Kundendaten oder Kassensysteme, sondern unmittelbar auch Warenbestände und technische Betriebsabläufe treffen können.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu