
Schlafprobleme und Erschöpfung gehören für viele Schülerinnen und Schüler in Deutschland zum Alltag. Nach dem aktuellen DAK-Präventionsradar 2026 berichten 46 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen von Schlafproblemen, die mindestens einmal pro Woche auftreten. Noch größer ist der Anteil bei Erschöpfung: 69 Prozent fühlen sich mindestens wöchentlich erschöpft. Auch beim psychischen Wohlbefinden zeigen die neuen Daten Belastungen. 49 Prozent der Befragten weisen demnach ein vermindertes Wohlbefinden auf.
Für die aktuelle Erhebungswelle wurden im Schuljahr 2025/2026 rund 30.000 Kinder und Jugendliche der Klassen fünf bis zehn befragt. Sie besuchten 141 allgemeinbildende weiterführende Schulen in 15 Bundesländern. Das Saarland war nicht beteiligt. Der Präventionsradar wird seit dem Schuljahr 2016/2017 regelmäßig vom Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung, kurz IFT-Nord, durchgeführt und von der DAK-Gesundheit gefördert.
Untersucht werden unter anderem das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie verschiedene Aspekte des Gesundheitsverhaltens. Die Studie verbindet Quer- und Längsschnittuntersuchungen. Schülerinnen und Schüler können über mehrere Jahre hinweg teilnehmen, während regelmäßig neue Klassen hinzukommen. Die Teilnahme der Schulen und der Kinder und Jugendlichen ist freiwillig. Bei den Angaben handelt es sich um Selbstauskünfte der Befragten und nicht um ärztlich gestellte Diagnosen.
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung beim Schlaf. Im Schuljahr 2019/2020 hatten nach den Vergleichsdaten 36 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche mit Schlafproblemen zu tun. Im Schuljahr 2025/2026 liegt der Anteil bei 46 Prozent. Damit berichtet inzwischen nahezu jeder zweite befragte Schüler und jede zweite befragte Schülerin über entsprechende Beschwerden.
Schon frühere Erhebungswellen hatten einen hohen Anteil von Kindern und Jugendlichen mit Ein- und Durchschlafproblemen gezeigt. Für das Schuljahr 2024/2025 waren 42 Prozent ermittelt worden. Die aktuelle Befragung setzt diese Entwicklung mit einem nochmals höheren Wert fort. Aus den Befragungsdaten allein lässt sich allerdings nicht ableiten, welche einzelnen Ursachen für den Anstieg verantwortlich sind.
Noch weiter verbreitet ist das Gefühl von Müdigkeit und Erschöpfung. 69 Prozent der Schülerinnen und Schüler geben in der aktuellen Erhebung an, mindestens einmal pro Woche erschöpft zu sein. Nach den von der DAK veröffentlichten Vergleichsdaten lag dieser Anteil drei Jahre zuvor noch bei 52 Prozent. Auch im unmittelbar vorangegangenen Schuljahr war der Wert mit 65 Prozent niedriger als jetzt.
DAK-Vorstandschef Andreas Storm sieht in den Ergebnissen auch eine Herausforderung für Bildung und Prävention. Er verweist darauf, dass Erschöpfung und Schlafprobleme ungünstige Voraussetzungen für erfolgreiches Lernen schaffen können. Die Krankenkasse fordert deshalb, die Gesundheitskompetenz von Kindern und Jugendlichen stärker zu fördern. Ein ursächlicher Zusammenhang zwischen den aktuellen Gesundheitsangaben und konkreten schulischen Leistungen wird durch die Befragung jedoch nicht nachgewiesen.
Die Untersuchung betrachtet neben körperlichen Beschwerden auch das subjektive psychische Wohlbefinden. 49 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen berichten im Schuljahr 2025/2026 von einem verminderten Wohlbefinden. Gleichzeitig geben lediglich 57 Prozent an, positiv in ihre eigene Zukunft zu blicken. Die Werte ergänzen das Bild einer Schülergeneration, bei der neben körperlichen Beschwerden auch psychische Belastungen weit verbreitet sind.
Bereits der Präventionsradar des vorangegangenen Schuljahres hatte Unterschiede innerhalb der Schülerschaft dokumentiert. Mädchen, ältere Jugendliche sowie Kinder und Jugendliche aus Familien mit niedrigerem Sozialstatus berichteten damals häufiger von Beschwerden. Für 2024/2025 waren bei 65 Prozent mindestens wöchentliche Erschöpfungszustände und bei 42 Prozent regelmäßige Schlafprobleme festgestellt worden.
Michael Hubmann, Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte, nennt intensive Mediennutzung als einen möglichen Faktor für Schlafprobleme. Eine Nutzung sozialer Medien bis spät am Abend sowie emotional aufwühlende Inhalte könnten nach seiner Einschätzung gesunden Schlaf beeinträchtigen. Damit benennt er eine mögliche Erklärung, nicht aber eine durch den aktuellen Präventionsradar nachgewiesene alleinige Ursache.
Auch Leistungsdruck, soziale Konflikte und weitere Belastungen können beim Wohlbefinden junger Menschen eine Rolle spielen. Welche Faktoren die Entwicklung der aktuellen Werte jeweils erklären und wie stark ihr Einfluss ist, lässt sich aus den veröffentlichten Befragungszahlen nicht eindeutig bestimmen. Der DAK-Präventionsradar 2026 dokumentiert jedoch einen klaren Befund: Schlafprobleme und Erschöpfung werden von einem erheblichen und im Zeitvergleich gestiegenen Anteil der befragten Schülerinnen und Schüler angegeben.
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