
Der deutsche Aktienmarkt ist schwach in den Oktober gestartet. Der DAX bewegte sich am Donnerstagvormittag wieder in Richtung der Marke von 25.000 Punkten. Belastet wurde der Leitindex vor allem von hohen Renditen an den internationalen Anleihemärkten. Einen Gegenpol bildeten Halbleiterwerte. Starke Geschäftszahlen und ein überraschend hoher Ausblick des US-Speicherchipherstellers Micron sorgten in der Branche für Unterstützung und kamen auch Aktien wie Infineon zugute.
Der DAX am 1. Oktober 2026 knüpfte damit zunächst an seinen schwachen Monatsausklang an. Am Mittwoch hatte der Leitindex 0,8 Prozent verloren und bei 25.199,19 Punkten geschlossen. Bereits vor Handelsbeginn deuteten die Indikationen auf einen weiteren Rückgang um etwa ein halbes Prozent hin. Damit rückte die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten erneut in den Mittelpunkt.
Der wichtigste Belastungsfaktor kam erneut vom Rentenmarkt. Weltweit standen Staatsanleihen unter Verkaufsdruck, wodurch deren Renditen stiegen. Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen erreichte die Rendite am Donnerstag zeitweise rund 5,32 Prozent und damit ein Niveau, das seit vielen Jahren nicht mehr gesehen worden war.
Auch in Europa waren die Finanzierungskosten zuletzt deutlich gestiegen. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen hatte Ende September zeitweise 3,65 Prozent erreicht. Noch am Mittwoch lag sie bei rund 3,57 Prozent. Steigende Renditen machen festverzinsliche Anlagen im Vergleich zu Aktien attraktiver und können zugleich die Finanzierungskosten von Unternehmen erhöhen.
Hinter der Entwicklung stehen vor allem anhaltende Inflationssorgen. Höhere Energiepreise hatten den Preisdruck zuletzt wieder verstärkt. Zugleich stellen sich Anleger darauf ein, dass die großen Zentralbanken die Zinsen länger auf vergleichsweise hohem Niveau halten oder bei anhaltendem Inflationsdruck erneut anheben könnten.
Für Aktienmärkte ergibt sich daraus ein schwieriges Umfeld. Besonders Unternehmen, deren Bewertung stark von künftig erwarteten Gewinnen abhängt, reagieren empfindlich auf steigende langfristige Zinsen. Gleichzeitig belasteten zum Handelsauftakt auch Bank- und Softwarewerte mehrere europäische Leitindizes.
Positive Impulse kamen dagegen aus der Halbleiterbranche. Micron Technology hatte nach dem US-Börsenschluss starke Zahlen für das Ende seines Geschäftsjahres 2026 vorgelegt. Der Umsatz erreichte im vierten Geschäftsquartal 54,23 Milliarden Dollar. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es 11,32 Milliarden Dollar gewesen.
Auch beim Gewinn legte Micron kräftig zu. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 33,42 Dollar. Sowohl Umsatz als auch Ergebnis lagen über den durchschnittlichen Analystenerwartungen.
Besonders aufmerksam wurde an den Märkten der Ausblick aufgenommen. Micron erwartet für sein erstes Geschäftsquartal 2027 einen Umsatz von 61,5 Milliarden Dollar, wobei das Unternehmen eine Schwankungsbreite von 1,5 Milliarden Dollar nach oben oder unten nennt. Analysten hatten zuvor im Durchschnitt mit rund 57 Milliarden Dollar gerechnet.
Das Unternehmen profitiert vor allem von der hohen Nachfrage nach Speicherchips für Rechenzentren und Anwendungen rund um Künstliche Intelligenz. Hochleistungsfähiger Speicher gehört neben Grafikprozessoren zu den zentralen Bauteilen moderner KI-Systeme.
Die Micron-Zahlen sorgten bereits im asiatischen Handel für steigende Kurse bei mehreren Technologie- und Halbleiterwerten. Auch in Europa war der Effekt zu sehen. Vor dem regulären Handelsstart legte die Infineon-Aktie im außerbörslichen Handel deutlich zu. Ebenfalls gefragt waren Aktien verschiedener Chipausrüster und Zulieferer.
Für Infineon ergibt sich der Rückenwind vor allem aus der verbesserten Stimmung für die gesamte Branche. Das Münchner Unternehmen ist zwar nicht direkt mit Microns Speicherchipgeschäft vergleichbar, gehört als großer europäischer Halbleiterhersteller aber zu den Aktien, die häufig auf neue Nachfrage- und Investitionssignale aus der globalen Chipindustrie reagieren.
Auch andere europäische Technologiewerte profitierten am Donnerstag von den Micron-Zahlen. Damit zeigte sich am Aktienmarkt ein deutlich zweigeteiltes Bild: Während hohe Anleiherenditen viele Branchen unter Druck setzten, blieb die Nachfrage nach Aktien mit Bezug zum KI- und Halbleiterboom vergleichsweise robust.
Für den DAX bleibt kurzfristig entscheidend, ob sich der Verkaufsdruck am Anleihemarkt fortsetzt. Der Index hatte Ende August noch ein Rekordhoch von 26.618,70 Punkten erreicht. Seitdem ist ein Teil dieser Gewinne wieder verloren gegangen.
Ein Rückgang unter 25.000 Punkte wäre zwar vor allem eine charttechnische und psychologische Marke, würde aber den schwachen Auftakt in das vierte Quartal unterstreichen. Gleichzeitig zeigen die Kursgewinne bei Halbleiterwerten, dass positive Unternehmensnachrichten weiterhin einzelne Branchen gegen den allgemeinen Gegenwind stützen können.
Damit treffen zum Start in den Oktober zwei starke Marktkräfte aufeinander: steigende langfristige Zinsen als Belastung für die Bewertungen vieler Aktien und die weiterhin hohe Nachfrage nach Technologie für KI-Rechenzentren. Für den DAX überwog am Donnerstagvormittag zunächst der Druck vom Anleihemarkt.






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