DAX fällt unter 26.000 Punkte: Zinsen und Inflation drücken

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der deutsche Aktienmarkt ist mit deutlichen Verlusten in den September gestartet. Der DAX am 1. September 2026 schloss im Xetra-Handel am Dienstag bei 25.970,11 Punkten. Gegenüber dem Vortag lag das Minus damit bei rund 1,1 Prozent. Der Leitindex fiel zugleich erstmals seit gut einer Woche wieder unter die Schwelle von 26.000 Punkten. Noch am Freitag hatte der DAX mit rund 26.618 Punkten einen Rekordstand erreicht.

Anzeige

Auch außerhalb Deutschlands standen Aktienmärkte unter Druck. Der EuroStoxx 50 lag am Dienstag gegen Mittag bei 6.368,74 Punkten und damit rund 0,8 Prozent unter seinem Vortagesschluss. Sein Tagestief lag am Nachmittag bei rund 6.360 Punkten. In den USA eröffneten Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq ebenfalls schwächer.

Steigende Anleiherenditen erhöhen den Druck

Ein wesentlicher Belastungsfaktor kam vom weltweiten Anleihemarkt. Die Kurse zahlreicher Staatsanleihen fielen, im Gegenzug stiegen deren Renditen. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen erreichte am Dienstag zeitweise 3 Prozent und damit den höchsten Stand seit 1996. Auch deutsche, britische und amerikanische Staatsanleihen verzeichneten steigende Renditen.

Bei zehnjährigen US-Staatsanleihen näherte sich die Rendite im Tagesverlauf der Marke von 4,8 Prozent. Auch die Renditen länger laufender deutscher Staatsanleihen lagen auf Niveaus, die seit vielen Jahren nicht mehr erreicht worden waren. Hinter der Entwicklung stehen mehrere Faktoren. Dazu zählen höhere Inflationserwartungen, die Verschuldung großer Volkswirtschaften und die Aussicht auf eine länger restriktive beziehungsweise erneut straffere Geldpolitik wichtiger Notenbanken.

Anzeige

Steigende Anleiherenditen können Aktien relativ weniger attraktiv machen. Gleichzeitig verteuern höhere Marktzinsen die Finanzierung für Unternehmen und Haushalte. Besonders Unternehmen, deren Börsenbewertung stark auf weit in der Zukunft erwarteten Gewinnen beruht, können auf deutliche Renditebewegungen empfindlich reagieren.

Inflation im Euroraum steigt auf 3,3 Prozent

Zusätzlichen Einfluss auf die Märkte hatten neue Inflationsdaten aus der Eurozone. Nach einer ersten Schätzung von Eurostat lag die jährliche Inflationsrate im August 2026 bei 3,3 Prozent. Im Juli hatte sie noch bei 2,9 Prozent gelegen.

Auffällig war vor allem die Energiekomponente. Die jährliche Teuerungsrate bei Energie lag nach der Eurostat-Schnellschätzung im August bei 14,3 Prozent, nach 10,3 Prozent im Juli. Die Kerninflation ohne Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak lag dagegen bei 2,4 Prozent.

Damit rückte auch die weitere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank stärker in den Mittelpunkt. An den Finanzmärkten wurden die Erwartungen auf eine weitere Zinserhöhung der EZB verstärkt. Ob und in welchem Umfang die Notenbank ihre Leitzinsen tatsächlich verändert, hängt jedoch von ihrer Bewertung der weiteren Preis- und Konjunkturentwicklung ab.

Parallel dazu stiegen die Energiepreise. Brent-Rohöl lag am Dienstag gegen 17 Uhr bei rund 92,40 US-Dollar je Barrel und damit gut 2 Prozent über dem vorherigen Stand. Höhere Öl- und Gaspreise können die Inflation über Kraftstoffe, Energie und Produktionskosten zusätzlich beeinflussen.

SAP, Rheinmetall und Industriewerte unter Druck

Innerhalb des DAX standen mehrere Schwergewichte unter Verkaufsdruck. Die SAP-Aktie lag am Dienstag um 15.20 Uhr bei 185,88 Euro im Handel und damit rund 2,6 Prozent unter ihrem vorherigen Schlusskurs. Rheinmetall lag zum gleichen Zeitpunkt bei 1.087,80 Euro, ein Minus von gut 2 Prozent. MTU Aero Engines lag bei 342,60 Euro und damit rund 2,7 Prozent niedriger. Die Angaben beziehen sich auf die jeweils ausgewiesenen Kursstände am Nachmittag des 1. September.

Auch Siemens gab nach. Die Aktie lag um 15.20 Uhr bei 280,45 Euro und damit rund 1,8 Prozent unter dem Vortag. Siemens Energy lag zu diesem Zeitpunkt bei 140,50 Euro, rund 1,2 Prozent im Minus. Dagegen gehörten Qiagen und die Münchener Rück zu den Papieren, die sich zeitweise gegen den schwächeren Gesamtmarkt stemmten. Qiagen lag um 15.20 Uhr bei 38,15 Euro und damit rund 2,5 Prozent höher, die Münchener Rück bei 525 Euro und rund 1,2 Prozent im Plus.

Noch stärker als der DAX geriet der MDAX unter Druck. Der Index der mittelgroßen deutschen Unternehmen schloss am Dienstag bei 32.173,26 Punkten und damit rund 1,7 Prozent niedriger. Zu den auffällig schwachen Werten gehörten mehrere Rüstungsunternehmen, darunter Renk, TKMS und Hensoldt.

Börsen starten in traditionell schwachen September

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhält die Entwicklung durch den Kalender. Der September gehört historisch zu den schwächeren Monaten an den Aktienmärkten. Auch an der Wall Street gilt er im langfristigen Vergleich als schwieriger Börsenmonat. Das ist jedoch eine statistische Beobachtung und keine Erklärung oder Prognose für die Kursentwicklung eines einzelnen Jahres.

Für den aktuellen Rückgang sind konkretere Faktoren sichtbar. Staatsanleiherenditen sind international deutlich gestiegen, Energie hat sich verteuert und die Inflation in der Eurozone ist wieder über die Marke von 3 Prozent gestiegen. Gleichzeitig kamen die europäischen Aktienmärkte unmittelbar vor dem Septemberstart von hohen Kursständen. Der DAX hatte erst am Freitag einen Rekord erreicht.

Wie sich Aktien und Anleihen in den kommenden Handelstagen entwickeln, hängt unter anderem von neuen Konjunktur- und Inflationsdaten sowie den Signalen der großen Notenbanken ab. Aus diesen Faktoren lässt sich keine verlässliche kurzfristige Kursrichtung ableiten.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu