
Der deutsche Aktienmarkt geht mit einer offenen Wochenbilanz in den Freitag. Nach drei Verlustwochen in Folge hat der DAX die Chance, die Serie zum Wochenschluss zu beenden. Unterstützung kommt am Morgen vom Ölmarkt, wo die Preise nach dem kräftigen Anstieg des Vortages wieder etwas nachgeben. Eine Trendwende ist damit allerdings nicht vorgezeichnet. Hohe Anleiherenditen, die weitere Geldpolitik der großen Notenbanken und die geopolitische Lage bleiben wichtige Belastungsfaktoren.
Der DAX hatte den Donnerstag im Xetra-Handel bei 25.266,53 Punkten beendet, 0,57 Prozent unter dem Schlussstand vom Mittwoch. Der vorherige Freitag, 18. September, war mit 25.304,06 Punkten beendet worden. Damit lag der Leitindex vor dem letzten Handelstag der Woche nur rund 38 Punkte unter dem Niveau, das für eine positive Wochenbilanz überschritten werden müsste. Ob dies gelingt, entscheidet sich erst im regulären Handel am Freitag.
Ein wichtiger Faktor für den DAX am Freitag ist erneut der Ölpreis. Die Nordseesorte Brent verbilligte sich im frühen Handel um 0,82 Prozent auf 105,73 Dollar je Barrel, während US-Öl der Sorte WTI um 1,65 Prozent auf 93,05 Dollar nachgab. Die Angaben beziehen sich auf 4.12 Uhr MESZ am Freitag und auf Reuters-Marktdaten.
Damit korrigierten die Ölpreise einen Teil der kräftigen Gewinne vom Donnerstag. Brent hatte am Vortag rund 3,4 Prozent zugelegt. Die Entwicklung ist für Aktienmärkte derzeit besonders relevant, weil dauerhaft hohe Energiepreise den Inflationsdruck verstärken können. Das wiederum beeinflusst die Erwartungen an die Geldpolitik und die Renditen am Anleihemarkt.
Die niedrigeren Notierungen am Freitagmorgen bedeuten allerdings noch keine nachhaltige Entspannung. Die Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Gleichzeitig gibt es Gespräche zwischen den USA und Iran über einen möglichen Weg zu einer Entschärfung des Konflikts und über die für den Ölhandel wichtige Straße von Hormus. Wie weit diese Gespräche tatsächlich führen, war am Freitagmorgen offen.
Der DAX am Freitag steht damit auch unter dem Eindruck der vergangenen Wochen. Nach seinem Rekordhoch von 26.618 Punkten hatte der deutsche Leitindex drei schwächere Wochen hintereinander verbucht. Besonders die Kombination aus hohen Energiepreisen, steigenden Zinsen und geopolitischen Risiken hatte die Risikobereitschaft der Anleger gedämpft.
Auch in der laufenden Woche blieb der Handel wechselhaft. Am Montag sorgten fallende Ölpreise zunächst für Erleichterung. Der DAX stieg auf 25.575 Punkte. Am Dienstag hielt er sich nahezu unverändert bei 25.579 Punkten. Am Mittwoch folgte ein Rückgang auf 25.411 Punkte, bevor der Index am Donnerstag auf 25.266,53 Punkte nachgab. Sämtliche Angaben sind Xetra-Schlussstände der jeweiligen Handelstage.
Damit ist die Ausgangslage für Freitag ungewöhnlich knapp. Schon eine vergleichsweise kleine Aufwärtsbewegung gegenüber dem Donnerstagsschluss würde ausreichen, um den DAX über den Schlussstand des vergangenen Freitags zu bringen. Daraus lässt sich jedoch keine Aussage darüber ableiten, wie der Handel tatsächlich enden wird.
Gegen eine uneingeschränkt freundliche Ausgangslage spricht die Entwicklung an den internationalen Anleihemärkten. Die Renditen lang laufender US-Staatsanleihen sind zuletzt deutlich gestiegen. Hintergrund sind unter anderem wieder stärkere Inflationssorgen und Erwartungen, dass die US-Notenbank ihre Geldpolitik weiter straff halten könnte.
Steigende Renditen können Aktien belasten, weil festverzinsliche Anlagen im Vergleich attraktiver werden und zugleich die Finanzierungskosten für Unternehmen steigen. Gerade hoch bewertete Unternehmen reagieren häufig empfindlich auf Veränderungen der langfristigen Zinsen. Dieser Effekt ist derzeit nicht nur in den USA, sondern auch an anderen großen Kapitalmärkten zu beobachten.
Von den US-Börsen kamen für den europäischen Handel keine eindeutigen Vorgaben. Der S&P 500 beendete den Donnerstag bei 7.704,13 Punkten und damit 0,02 Prozent schwächer. Der Nasdaq Composite legte dagegen um 0,01 Prozent auf 26.939,37 Punkte zu. Der Dow Jones verlor 0,31 Prozent auf 51.349,98 Punkte. Es handelt sich um die Schlussstände des US-Handels am 24. September nach Reuters-Daten.
Auch in Asien zeigte sich am Freitagmorgen kein einheitliches Bild. Der japanische Nikkei legte zu, während Hongkong und Australien schwächer tendierten. Mehrere wichtige asiatische Märkte blieben wegen Feiertagen geschlossen. Damit fehlt dem europäischen Handel zusätzlich eine klare internationale Richtungsvorgabe.
Im weiteren Tagesverlauf rücken zudem Wirtschaftsdaten in den Mittelpunkt. Für 8 Uhr ist das deutsche Konsumklima für Oktober angekündigt. Am Nachmittag folgen in den USA unter anderem Daten zum Auftragseingang langlebiger Güter. Später steht der Konsumklimaindex der Universität Michigan auf dem Kalender.
Für den deutschen Aktienmarkt dürfte damit nicht allein der Ölpreis entscheidend sein. Energiepreise, Anleiherenditen, Konjunkturdaten und geopolitische Nachrichten können den Handel jederzeit beeinflussen. Nach drei Verlustwochen ist die rechnerische Hürde für eine positive Wochenbilanz zwar niedrig. Ob der DAX sie überwindet, ist vor Beginn des Xetra-Handels offen.
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