DAX-Konzerne erzielen Rekordgewinn, doch Beschäftigung sinkt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Deutschlands größte Börsenkonzerne haben im zweiten Quartal 2026 zusammen so viel operativen Gewinn erzielt wie noch nie in einem zweiten Quartal. Gleichzeitig ging die Zahl der Beschäftigten in den im DAX notierten Unternehmen gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Zahlen zeigen jedoch kein einheitliches Bild der deutschen Wirtschaft. Während Finanzkonzerne, Unternehmen aus dem Rüstungssektor und Profiteure des weltweiten Ausbaus von Rechenzentren ihre Geschäfte deutlich ausweiten konnten, steht insbesondere die Automobilindustrie weiter unter erheblichem Anpassungsdruck.

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Nach einer Analyse der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY stieg das kumulierte Ergebnis vor Zinsen und Steuern, kurz EBIT, im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp 16 Prozent beziehungsweise rund sieben Milliarden Euro auf 52,6 Milliarden Euro. Damit wurde der bisherige Höchstwert aus dem zweiten Quartal 2024 um rund zehn Prozent übertroffen. Zugleich stieg der Gesamtumsatz der untersuchten Unternehmen um 4,6 Prozent auf rund 463 Milliarden Euro und erreichte ebenfalls einen Rekordwert.

Rekordgewinn wird von mehreren starken Branchen getragen

Hinter der Gesamtsumme stehen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen und Branchen. Von den 38 Unternehmen, die EY in die Umsatzanalyse einbezog, steigerten 31 ihre Erlöse. Beim operativen Ergebnis meldeten 29 Unternehmen einen Zuwachs, während elf Unternehmen einen Rückgang verzeichneten. Besonders stark entwickelte sich Rheinmetall. Der Rüstungskonzern erhöhte seinen Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal nach der EY-Auswertung um rund 69 Prozent. Airbus folgte mit einem Plus von 28 Prozent.

Auch die Finanzbranche trug erheblich zum Ergebnis bei. Ihr kumuliertes EBIT erreichte 13,5 Milliarden Euro und lag damit zehn Prozent über dem Vorjahreswert. Zu den Unternehmen mit den höchsten operativen Quartalsgewinnen gehörten die Deutsche Telekom mit 6,9 Milliarden Euro, die Allianz mit 4,9 Milliarden Euro, Volkswagen mit 3,5 Milliarden Euro und Siemens mit 3,4 Milliarden Euro. Besonders große prozentuale Gewinnsteigerungen verzeichneten Bayer und Vonovia.

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Autoindustrie entwickelt sich gegen den DAX-Trend

Der Gesamtanstieg darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass Teile der klassischen deutschen Industrie weiterhin schwach abschneiden. Besonders deutlich zeigt sich das in der Automobilbranche. Die im DAX vertretenen Autokonzerne verzeichneten im zweiten Quartal zusammen einen Umsatzrückgang von 1,2 Prozent. Ihr operatives Ergebnis sank gegenüber dem Vorjahreszeitraum um zwölf Prozent.

Bei BMW verringerte sich das operative Ergebnis nach der EY-Auswertung um 39 Prozent. Bei Volkswagen und Daimler Truck betrug der Rückgang jeweils neun Prozent. Belastend wirken unter anderem schwächere Absatzmärkte, der intensive internationale Wettbewerb und die hohen Kosten für den technologischen Umbau der Branche. Die Unterschiede zwischen den Branchen erklären damit einen großen Teil des scheinbaren Widerspruchs zwischen Rekordgewinn und gleichzeitig sinkender Beschäftigung.

41.000 Beschäftigte weniger als ein Jahr zuvor

Zum 30. Juni 2026 beschäftigten die untersuchten DAX-Konzerne zusammen rund 3,49 Millionen Menschen. Das waren nach der EY-Auswertung etwa 41.000 Beschäftigte beziehungsweise 1,2 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Zahl bedeutet allerdings nicht, dass innerhalb eines Jahres 41.000 Beschäftigte entlassen wurden. Veränderungen der Konzernstruktur, Verkäufe und Abspaltungen können die ausgewiesenen Beschäftigtenzahlen ebenfalls verändern.

Von 37 DAX-Unternehmen mit entsprechenden Angaben erhöhten 21 ihre Beschäftigtenzahl, während sie bei 16 Unternehmen zurückging. Den stärksten prozentualen Zuwachs verzeichnete Rheinmetall mit 24 Prozent, gefolgt von Scout24 mit 18 Prozent. Besonders starke Rückgänge wiesen Continental mit 21 Prozent und BASF mit 14 Prozent aus. Bei Continental nennt die EY-Auswertung ausdrücklich eine Abspaltung als wesentlichen Faktor. Die Beschäftigtenentwicklung ist daher nicht bei jedem Konzern unmittelbar mit einem klassischen Stellenabbau gleichzusetzen.

Beschäftigungsrückgang in der Autoindustrie besonders groß

Unabhängig von solchen Konzernveränderungen zeigen auch amtliche Daten einen deutlichen Beschäftigungsrückgang in Teilen der deutschen Industrie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes waren Ende des ersten Halbjahres 2026 in der deutschen Automobilindustrie rund 691.500 Menschen beschäftigt. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Seit Beginn der vergleichbaren Reihe im Jahr 2005 wurde in der Branche kein niedrigerer Beschäftigtenstand gemessen.

Besonders stark fiel der Rückgang bei Herstellern von Teilen und Zubehör für Kraftwagen aus. Dort sank die Beschäftigtenzahl binnen eines Jahres um 7,6 Prozent auf 219.500. Bei Herstellern von Kraftwagen und Kraftwagenmotoren ging sie um 6,1 Prozent auf 429.200 zurück. Im Verarbeitenden Gewerbe insgesamt sank die Zahl der Beschäftigten in Betrieben mit mindestens 50 Beschäftigten innerhalb eines Jahres um 144.100 beziehungsweise 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen.

DAX-Geschäfte sind stärker international geprägt

Die Zahlen machen zugleich deutlich, dass die Geschäftsentwicklung der DAX-Konzerne nur eingeschränkt mit der konjunkturellen Lage in Deutschland gleichgesetzt werden kann. Viele der Unternehmen erwirtschaften einen erheblichen Teil ihrer Umsätze und Gewinne im Ausland. Bereits im ersten Quartal 2026 hatte sich diese unterschiedliche Entwicklung gezeigt. Damals waren die Umsätze der DAX-Unternehmen gegenüber dem Vorjahresquartal insgesamt um 3,7 Prozent gesunken, während das operative Ergebnis um 4,4 Prozent gestiegen war. Besonders die Finanzbranche hatte zu diesem Gewinnanstieg beigetragen.

Im zweiten Quartal kamen weitere Wachstumsimpulse hinzu. Investitionen in Künstliche Intelligenz, Rechenzentren und Energieinfrastruktur sorgten bei Unternehmen aus Energietechnik, Elektronik, Halbleitertechnik, Maschinenbau und Infrastruktur für zusätzliche Nachfrage. Auch Banken und Versicherungen erzielten hohe Ergebnisse. Damit konzentriert sich ein erheblicher Teil des Wachstums auf Unternehmen und Branchen, die von internationaler Nachfrage oder besonderen Marktbedingungen profitieren.

Rekordzahlen verdecken stark unterschiedliche Entwicklungen

Die Entwicklung der DAX-Konzerne mit Rekordgewinn und Stellenabbau lässt sich deshalb nicht auf eine einfache Gegenüberstellung von steigenden Gewinnen und gestrichenen Arbeitsplätzen reduzieren. Der operative Gewinn von 52,6 Milliarden Euro betrifft das zweite Quartal 2026, während die Beschäftigtenzahl einen Stichtagsvergleich zum 30. Juni darstellt. Hinzu kommen Veränderungen in Konzernstrukturen, die einzelne Beschäftigtenzahlen erheblich beeinflussen können.

Gleichzeitig ist der Beschäftigungsrückgang in wichtigen deutschen Industriebranchen unabhängig davon deutlich messbar. Vor allem die Automobilindustrie verliert Arbeitsplätze, während andere Bereiche wie Rüstung, Finanzwirtschaft sowie Unternehmen im Umfeld von KI und Energieinfrastruktur wachsen. Der Rekordwert des DAX beschreibt damit vor allem die finanzielle Stärke einer Gruppe international tätiger Großkonzerne. Er steht nicht für eine gleichmäßige Erholung der deutschen Industrie oder des Arbeitsmarktes.

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