Deutsche Unternehmen fahren neue Investitionen in den USA stark zurück

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Deutsche Unternehmen haben ihre Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten deutlich zurückgefahren. Im ersten Halbjahr 2026 flossen nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft, kurz IW, noch 4,3 Milliarden Euro aus Deutschland in den US-Markt. Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres entspricht das einem Rückgang um fast zwei Drittel. Im Vergleich mit dem ersten Halbjahr 2024 liegt das Investitionsvolumen sogar knapp 80 Prozent niedriger. Grundlage der Berechnung sind Daten der Deutschen Bundesbank.

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Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits 2025 sichtbar geworden war. Allerdings bedeutet der Rückgang nicht, dass deutsche Unternehmen den US-Markt generell meiden. Die Zusammensetzung der Kapitalströme zeigt vielmehr ein differenziertes Bild: Bereits in den Vereinigten Staaten tätige Unternehmen investieren dort weiterhin erwirtschaftete Gewinne. Deutlich schwächer fällt dagegen die Bereitschaft aus, zusätzliches neues Eigenkapital zu binden.

Nur noch 4,3 Milliarden Euro im ersten Halbjahr

Die deutschen Direktinvestitionen in den USA lagen nach der IW-Auswertung von Januar bis Juni 2026 auf dem niedrigsten Niveau seit 2023. Zum Vergleich: In den fünf Jahren vor Beginn der Corona-Pandemie investierten deutsche Unternehmen im ersten Halbjahr durchschnittlich 15,8 Milliarden Euro in den Vereinigten Staaten. Das war fast viermal so viel wie im aktuellen Untersuchungszeitraum.

Ein Vergleich über mehrere Jahre ist allerdings nur eingeschränkt möglich. Direktinvestitionen können von einzelnen großen Transaktionen, Unternehmensübernahmen, konzerninternen Krediten oder der Rückführung von Kapital stark beeinflusst werden. Zudem waren die Jahre zwischen 2020 und 2023 durch die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie geprägt. In einzelnen Zeiträumen kam es dabei sogar zu Nettoabflüssen von Kapital.

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Rückgang hatte bereits 2025 begonnen

Die Abschwächung setzte bereits im vergangenen Jahr ein. Für den Zeitraum von Februar bis November 2025 hatte das IW deutsche Investitionen in den USA von rund 10,2 Milliarden Euro ermittelt. Im entsprechenden Vorjahreszeitraum waren es noch knapp 19 Milliarden Euro. Das entsprach einem Rückgang von etwa 45 Prozent. Gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024 lag das Investitionsvolumen rund ein Viertel niedriger.

Das aktuell genannte Minus von fast zwei Dritteln bezieht sich dagegen auf das erste Halbjahr 2026 gegenüber dem ersten Halbjahr 2025. Die Zahlen zeigen damit eine weitere deutliche Abschwächung. Gleichzeitig warnt die Struktur der Kapitalströme vor einer zu einfachen Interpretation als Rückzug aus den Vereinigten Staaten.

Bestehende US-Standorte bleiben für Unternehmen wichtig

Das IW untersuchte auch, wie sich die Investitionsströme zusammensetzen. Für 2025 fielen sowohl konzerninterne Direktinvestitionskredite als auch reinvestierte Gewinne vergleichsweise hoch aus. Schwächer entwickelte sich dagegen das Eigenkapital im engeren Sinne. Dabei wird betrachtet, wie viel Kapital durch neue Beteiligungen hinzukommt und wie viel durch die Auflösung oder Verringerung bestehender Beteiligungen abfließt.

Für die wirtschaftliche Bewertung ist diese Unterscheidung erheblich. Unternehmen, die bereits Produktionsstätten, Vertriebsorganisationen oder Tochtergesellschaften in den USA besitzen, verwenden einen Teil ihrer dort erwirtschafteten Gewinne weiterhin für ihre amerikanischen Aktivitäten. Die Zahlen sprechen deshalb nicht für einen vollständigen Bedeutungsverlust des US-Marktes. Zurückhaltender sind Unternehmen offenbar bei Entscheidungen, die zusätzliches und langfristig gebundenes Kapital erfordern.

IW sieht Handelspolitik als wichtigen Unsicherheitsfaktor

Das Institut bringt die schwächere Investitionstätigkeit insbesondere mit der Unsicherheit über die amerikanische Handels- und Zollpolitik in Verbindung. Seit dem Beginn der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump im Januar 2025 haben die Vereinigten Staaten ihre Handelspolitik gegenüber zahlreichen Partnern stärker auf Zölle und bilaterale Vereinbarungen ausgerichtet. Für international tätige Unternehmen verändern solche Entscheidungen die Kalkulation von Produktionsstandorten, Lieferketten und langfristigen Investitionen.

Investitionsentscheidungen unterscheiden sich dabei grundsätzlich vom kurzfristigen Warenhandel. Neue Fabriken, Produktionslinien oder Beteiligungen werden häufig über viele Jahre geplant und finanziert. Veränderungen bei Zöllen, regulatorischen Rahmenbedingungen oder Handelsvereinbarungen können deshalb einen größeren Einfluss auf neue Projekte haben als auf bereits bestehende Standorte. Die Einschätzung, dass die amerikanische Handelspolitik ein wesentlicher Grund für die Zurückhaltung ist, stammt vom IW. Aus den Bundesbankdaten allein lässt sich kein einzelner Auslöser für den Rückgang ableiten.

USA bleiben zentraler Markt für die deutsche Industrie

Trotz der schwächeren Kapitalströme haben die Vereinigten Staaten für deutsche Unternehmen weiterhin große wirtschaftliche Bedeutung. Zahlreiche deutsche Industrieunternehmen verfügen dort über eigene Werke, Tochtergesellschaften und Vertriebsstrukturen. Besonders eng sind die Wirtschaftsbeziehungen in Bereichen wie Automobilindustrie, Maschinenbau, Chemie und weiteren industriellen Branchen.

Auch der Warenhandel geriet 2025 unter Druck. Nach einer früheren IW-Auswertung gingen die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten zwischen Februar und Oktober 2025 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 8,6 Prozent zurück. Bei Kraftfahrzeugen und Fahrzeugteilen fiel das Minus mit knapp 19 Prozent besonders deutlich aus. Maschinenexporte sanken demnach um rund zehn Prozent, bei chemischen Erzeugnissen betrug der Rückgang ebenfalls mehr als zehn Prozent.

Investitionsdaten zeigen Zurückhaltung statt vollständigen Rückzug

Die Entwicklung zeigt damit vor allem eine wachsende Vorsicht bei neuen Investitionsentscheidungen. Einerseits ist das Volumen neuer deutscher Kapitalflüsse in die Vereinigten Staaten erheblich gesunken. Andererseits investieren Unternehmen, die bereits im Land aktiv sind, weiterhin dort erzielte Gewinne. Der amerikanische Markt hat für diese Unternehmen deshalb erkennbar nicht grundsätzlich an Bedeutung verloren.

Für die weitere Entwicklung dürften die Rahmenbedingungen im transatlantischen Handel eine wichtige Rolle spielen. Die derzeitigen Zahlen belegen zunächst einen starken Rückgang neuer Kapitalströme: Mit 4,3 Milliarden Euro erreichten die deutschen Direktinvestitionen in den USA im ersten Halbjahr 2026 nur noch einen Bruchteil des Niveaus, das vor der Pandemie in vergleichbaren Sechsmonatszeiträumen üblich war.

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