DAX startet schwach in die Woche: Ölpreis-Schock und Iran-Krieg belasten deutsche Aktien

Der Kurs der Super Micro Computer Aktie fällt nach dem EY-Rücktritt um 30 %. Ursachen und Auswirkungen für Anleger.
Foto: Sergei Tokmakov,

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Der deutsche Aktienmarkt ist mit deutlichen Verlusten in die neue Woche gestartet. Belastet wird das Umfeld vor allem durch die weitere Eskalation im Krieg mit Iran, die anhaltende Unsicherheit rund um die Straße von Hormus und erneut steigende Ölpreise. Für Anleger wächst damit die Sorge, dass höhere Energiekosten, neue Inflationsrisiken und eine schwächere Investitionsbereitschaft die Konjunktur treffen könnten. Europas Leitbörsen gerieten am Montag entsprechend unter Druck, der breite STOXX Europe 600 fiel laut Reuters auf den tiefsten Stand seit vier Monaten.

Im Fokus stehen dabei auch mehrere große deutsche Titel. Besonders aufmerksam verfolgen Anleger zum Wochenstart die Entwicklung bei Aixtron, MTU Aero Engines, Rheinmetall, Salzgitter, SAP, Siemens, Siemens Energy und Vonovia. Zwar stehen nicht alle Werte aus denselben Gründen unter Druck, doch die Marktbewegung folgt einem gemeinsamen Muster: Steigende Energiepreise und geopolitische Risiken erhöhen die Nervosität, während konjunktursensible Branchen und zinsempfindliche Geschäftsmodelle besonders anfällig reagieren.

Straße von Hormus wird für die Börse zum zentralen Risiko

Die Straße von Hormus ist für die Finanzmärkte derzeit der entscheidende Belastungsfaktor. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Transitrouten für Öl- und Gaslieferungen weltweit. Reuters berichtet, dass Goldman Sachs seine Prognose für den durchschnittlichen Brent-Preis 2026 inzwischen auf 85 Dollar je Barrel angehoben hat. Für März und April rechnet die Bank sogar mit durchschnittlich 110 Dollar. Im Risikofall seien noch deutlich höhere Ausschläge möglich.

Für Deutschland ist das besonders brisant. Viele Industrieunternehmen leiden empfindlich unter hohen Energie- und Rohstoffkosten. Reuters beschreibt die Lage als neuen Rückschlag für Europas industrielles Herzland. Vor allem energieintensive und exportorientierte Unternehmen geraten unter Druck, weil sich höhere Kosten, Lieferprobleme und zurückgestellte Investitionen direkt auf Margen und Wachstumsaussichten auswirken können.

Siemens liefert ein direktes Warnsignal aus der Industrie

Besonders aufhorchen lässt ein aktuelles Signal von Siemens. Konzernchef Roland Busch sagte Reuters zufolge, dass Kunden wegen des Iran-Kriegs neue Investitionen zurückhalten. Als Gründe nannte er steigende Preise für Energie und Rohstoffe sowie die Unsicherheit rund um Lieferwege und Kostenentwicklung. Damit liefert Siemens selbst einen konkreten Hinweis darauf, wie stark die geopolitische Lage inzwischen auf industrielle Entscheidungen durchschlägt.

Für den DAX ist das bedeutsam, weil Siemens als Industriekonzern eine Art Seismograf für die Investitionsneigung vieler Kunden gilt. Wenn Unternehmen Projekte verschieben, trifft das nicht nur einzelne Aufträge, sondern kann auf breiter Front die Erwartungen an Wachstum und Gewinnentwicklung dämpfen. Gerade in einem ohnehin angespannten Marktumfeld verstärken solche Aussagen den Verkaufsdruck zusätzlich.

Bei Rheinmetall, MTU und Aixtron kommen eigene Belastungsfaktoren hinzu

Bei Rheinmetall zeigt sich, dass selbst vermeintliche Krisengewinner in einem nervösen Markt nicht automatisch zulegen. Zwar profitiert der Rüstungskonzern grundsätzlich von hohen Verteidigungsausgaben, zuletzt hatten Anleger aber auch auf den Ausblick des Unternehmens geschaut. Reuters hatte Mitte März berichtet, dass ein vorsichtigerer Blick auf Marge und freien Mittelzufluss die Aktie belastete. Das macht den Wert anfälliger für zusätzliche Marktverwerfungen.

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Auch MTU Aero Engines bleibt unter Beobachtung. Das Wartungsgeschäft läuft zwar robust, doch Belastungen rund um den Triebwerksrückruf bei Pratt & Whitney hatten bereits zuvor auf der Aktie gelegen. In einem von Risikoaversion geprägten Markt geraten solche Titel schnell erneut unter Druck, selbst wenn das operative Geschäft nicht grundsätzlich eingebrochen ist.

Bei Aixtron wiederum schauen Anleger schon seit Wochen besonders kritisch auf den Ausblick. Der Technologiekonzern hatte zuletzt zwar ordentliche Zahlen vorgelegt, für die weitere Entwicklung aber eher vorsichtige Signale gesendet. In Kombination mit einem schwachen Gesamtmarkt reicht das, um Verkaufsdruck zusätzlich zu verstärken.

Salzgitter, SAP, Siemens Energy und Vonovia reagieren unterschiedlich

Salzgitter zählt zu den Werten, bei denen sich Konjunktursorgen besonders schnell im Kurs niederschlagen. Stahlhersteller sind stark abhängig von Energiepreisen, Industrienachfrage und Investitionsklima. Genau diese drei Punkte stehen derzeit unter Druck. Damit erklärt sich auch, warum der Titel am Montag besonders stark im Blick der Anleger stand.

SAP gehört dagegen nicht zu den klassischen Energieverlierern. Dennoch kann sich der Softwarekonzern der allgemeinen Marktstimmung nicht entziehen. In Phasen steigender Zins- und Inflationssorgen geraten auch wachstumsstarke Technologiewerte unter Druck, weil ihre Bewertungen sensibler auf veränderte Erwartungen am Kapitalmarkt reagieren.

Siemens Energy bleibt ein Sonderfall. Das Unternehmen profitiert grundsätzlich von der starken Nachfrage nach Netzinfrastruktur und Energietechnik. In einem schwachen Gesamtmarkt schützt das jedoch nicht zwingend vor Kursverlusten, zumal Anleger bei stark gelaufenen Werten oft zuerst Gewinne mitnehmen.

Vonovia wiederum steht exemplarisch für die Zinssensibilität des Immobiliensektors. Erst vor wenigen Tagen hatte Reuters über die Rückkehr des Konzerns in die Gewinnzone berichtet. Dennoch bleibt die Aktie anfällig, wenn steigende Ölpreise neue Inflationssorgen anheizen und damit Hoffnungen auf eine entspanntere Zinsentwicklung dämpfen. Hohe Finanzierungskosten bleiben für Immobilienunternehmen ein zentrales Risiko.

Nervosität dürfte den Markt weiter begleiten

Zum Wochenstart überwiegt damit klar die Unsicherheit. Solange die Lage rund um Iran und die Straße von Hormus angespannt bleibt, dürften Ölpreis, Inflationserwartungen und Konjunktursorgen die Richtung an den Aktienmärkten bestimmen. Für den DAX bedeutet das ein Umfeld, in dem selbst gute Unternehmensnachrichten schnell in den Hintergrund geraten. Entscheidend wird in den kommenden Tagen sein, ob sich die geopolitische Lage entspannt oder ob die Märkte einen länger anhaltenden Energieschock einpreisen müssen.

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