Deutsche Bank startet neuen Anlauf für ihre Kernbank-IT

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Grzegorz Walczak

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Die Deutsche Bank treibt nach den erheblichen Problemen bei der Integration der Postbank eine grundlegende Modernisierung ihrer Privatkunden-IT voran. Die Zahl der Kernbankensysteme soll von derzeit 15 auf zwei moderne, cloudbasierte Plattformen sinken. Für das Deutschlandgeschäft hat die Bank nun das erste dieser Systeme ausgewählt. Die IT-Modernisierung der Deutschen Bank soll ab 2027 auch für Kunden schrittweise sichtbar werden.

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Vault Core wird zentrale Plattform in Deutschland

Künftig soll die Software Vault Core des britischen Finanztechnologieunternehmens Thought Machine als Kernbankplattform für Bank- und Kreditprodukte im deutschen Personal Banking und Wealth Management dienen. Kernbankensysteme wickeln unter anderem Kontoführung, Einlagen und Kreditprodukte technisch im Hintergrund ab.

Die Entwicklungsarbeiten haben nach Angaben der Deutschen Bank bereits begonnen. Noch bis Ende 2026 sind erste Tests vorgesehen. Anschließend sollen Produkte ab 2027 schrittweise auf die neue Plattform übertragen werden. Während der Übergangszeit will die Bank die bisherigen Systeme und Vault Core parallel betreiben.

Die Zusammenarbeit mit Thought Machine ist auf zehn Jahre angelegt. Als Transformations- und Systemintegrationspartner wurde der Stuttgarter IT-Dienstleister GFT ausgewählt. Welche zweite Kernbankplattform neben Vault Core künftig eingesetzt wird, teilte die Deutsche Bank zunächst nicht mit.

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600 Millionen Euro für Technologie und Abläufe

Für die gesamte mehrjährige Transformation der Privatkundenbank plant die Deutsche Bank bis Ende 2028 Investitionen von rund 600 Millionen Euro. Diese Summe entfällt allerdings nicht ausschließlich auf Vault Core. Sie umfasst Investitionen in IT, Betriebsabläufe und künstliche Intelligenz.

Einen gesonderten Preis für die neue Kernbankplattform oder den Vertrag mit Thought Machine nannte die Bank nicht. Das Gesamtprogramm soll nach den Planungen des Konzerns bis 2028 jährliche Einsparungen auf Run-Rate-Basis von rund 300 Millionen Euro ermöglichen.

Die Bank begründet die Neuordnung vor allem mit der hohen Komplexität ihrer bestehenden IT. Fragmentierte Altsysteme sollen ersetzt, Produktentwicklungen beschleunigt und technische Abläufe widerstandsfähiger und skalierbarer werden. Zugleich soll die stärkere Standardisierung den Betrieb vereinfachen.

Postbank-Migration führte 2023 zu erheblichen Problemen

Die neue IT-Strategie folgt auf eine schwierige Phase bei der technischen Integration der Postbank. Deutsche Bank und Postbank hatten ihre Systeme über mehrere Jahre zusammengeführt. Insgesamt wurden rund zwölf Millionen Postbank-Kunden auf die gemeinsame IT-Plattform der Deutschen Bank übertragen.

Die letzte große Migrationsphase wurde im Sommer 2023 abgeschlossen. Danach häuften sich Probleme im Privatkundengeschäft. Betroffen waren unter anderem Online- und Mobile-Banking, die Bearbeitung von Pfändungen und Nachlassfällen, Kontoschließungen sowie Pfändungsschutzkonten. Zugleich entstanden Rückstände in operativen Bereichen und im Kundenservice.

Die Deutsche Bank räumte später selbst ein, dass die Migration zu einem deutlichen Anstieg der Kundenkontakte geführt und dadurch Bearbeitungsrückstände verursacht hatte. Eine Taskforce und zusätzliche Mitarbeiter sollten die offenen Vorgänge abarbeiten.

BaFin setzte Sonderbeauftragten ein

Die Finanzaufsicht BaFin stellte 2023 erhebliche Beeinträchtigungen bei der Abwicklung des Kundengeschäfts fest. Am 29. September 2023 bestellte sie deshalb einen Sonderbeauftragten für die Deutsche Bank. Er sollte insbesondere überwachen, dass offene Kundenaufträge zügig bearbeitet und die Einschränkungen bei Postbank und DSL Bank vollständig beseitigt werden.

Die Maßnahme war aus Verbraucherschutzgründen erfolgt. Der Sonderbeauftragte berichtete der Aufsicht über die Fortschritte der Bank. Das Mandat lief Ende Oktober 2025 aus, nachdem die Rückstände nach Angaben der Bank weitgehend abgebaut worden waren.

Die Beschwerdezahlen stiegen während der Probleme deutlich. Bei der BaFin gingen 2023 insgesamt 27.536 Beschwerden über Kredit- und Finanzdienstleistungsinstitute ein, nach 14.760 im Vorjahr. Die Behörde erklärte, ein wesentlicher Teil des Anstiegs sei auf die Kundenserviceprobleme bei einem einzelnen Institut zurückzuführen, ohne dafür eine separate Postbank-Zahl zu veröffentlichen.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband erfasste von Januar bis September 2023 rund 1.700 Beschwerden von Kunden der Postbank und der DSL Bank. Allein im dritten Quartal waren es mehr als 1.100.

Migration soll diesmal schrittweise erfolgen

Bei dem neuen Technologieprojekt setzt die Deutsche Bank ausdrücklich auf eine stufenweise Umstellung. Bestehende und neue Systeme sollen während der Migration parallel laufen. Damit will die Bank die Betriebsstabilität während des mehrjährigen Umbaus sichern.

Der Umbau geht zugleich weit über eine technische Reparatur der früheren Postbank-Probleme hinaus. Bis 2028 soll die gesamte Kernbankenlandschaft der Privatkundenbank von 15 Systemen auf zwei Plattformen konzentriert werden. Damit beginnt für das deutsche Privatkundengeschäft eine weitere große IT-Migration, diesmal mit einem über mehrere Jahre gestreckten Zeitplan.

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