Versandapotheke Disapo insolvent: Betrieb weitgehend gestoppt

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die Versandapotheke Disapo ist insolvent. Für die disapo.de Apotheke B.V. mit Sitz im niederländischen Heerlen wurde Mitte September ein Insolvenzverfahren eröffnet. Das Unternehmen war vor allem auf Kundinnen und Kunden in Deutschland ausgerichtet. Wenige Tage später wurde auch eine weitere Gesellschaft aus dem Disapo-Umfeld insolvent. Der Online-Shop ist zwar weiterhin erreichbar, Arzneimittel und andere angebotene Produkte lassen sich derzeit jedoch nicht mehr bestellen.

Damit endet vorerst eine Phase mehrfacher Eigentümerwechsel. Noch 2022 hatte der Parfümerie- und Kosmetikkonzern Douglas Disapo übernommen und große Pläne mit dem Geschäft verfolgt. Bereits zwei Jahre später trennte sich Douglas wieder von der Online-Apotheke. Seitdem gehörte Disapo zum niederländischen Digital-Health-Unternehmen MYA Health.

Gericht eröffnet Insolvenzverfahren über Disapo

Das Insolvenzverfahren über die disapo.de Apotheke B.V. wurde am 15. September 2026 vom zuständigen Gericht in Limburg ausgesprochen und am folgenden Tag veröffentlicht. Zum Insolvenzverwalter wurde Thomas Caron bestellt. Disapo hat seinen Sitz in Heerlen nahe der deutschen Grenze.

Nach Angaben der Pharmazeutischen Zeitung waren Bestellungen zuletzt nicht mehr möglich. Der Shop zeigte weiterhin Produkte an, kennzeichnete diese jedoch als nicht verfügbar. Disapo vertrieb aus den Niederlanden unter anderem verschreibungspflichtige und rezeptfreie Arzneimittel, Kosmetik sowie Nahrungsergänzungsmittel für den deutschen Markt.

Regionale Berichte aus den Niederlanden beziffern die zuletzt verbliebene Belegschaft des Kerngeschäfts auf rund 35 Beschäftigte. Das Unternehmen verfügte in Heerlen über ein Logistikzentrum mit einer Fläche von etwa 7.500 Quadratmetern.

Auch zweite Disapo-Gesellschaft insolvent

Am 24. September wurde zudem die Disapo BA B.V. für insolvent erklärt. Auch für diese Gesellschaft wurde Thomas Caron zum Insolvenzverwalter bestellt. Das Verfahren wird ebenfalls vom Gericht in Limburg geführt.

In dieser Gesellschaft waren Berichten zufolge Teile des Geschäfts mit China gebündelt. Dazu gehörte der Handel mit europäischem beziehungsweise deutschem Milchpulver. Ein niederländischer Lokalbericht nennt zuletzt vier Arbeitsplätze in diesem Geschäftsbereich. Eine geplante Übernahme dieser Aktivitäten sei zuvor nicht zustande gekommen.

Zu den vollständigen finanziellen Verhältnissen beider Gesellschaften lagen zunächst keine veröffentlichten Berichte des Insolvenzverwalters vor.

Angaben zu gescheiterter Investorensuche nicht amtlich bestätigt

Vor der Insolvenz soll der damalige Eigentümer MYA Health versucht haben, einen Käufer für Disapo zu finden. Retail-News berichtet von Gesprächen mit Interessenten aus Deutschland und China, die vor einem möglichen Abschluss gescheitert seien. Das Portal nennt außerdem Verbindlichkeiten von rund 2,2 Millionen Euro.

Diese Angaben wurden anschließend von mehreren deutschen Medien aufgegriffen. Ein veröffentlichter Bericht des Insolvenzverwalters, aus dem die Höhe der Verbindlichkeiten oder Einzelheiten der Verkaufsgespräche hervorgehen, lag zunächst jedoch nicht vor. Die genannten 2,2 Millionen Euro lassen sich deshalb derzeit nicht unabhängig aus den veröffentlichten Insolvenzdaten bestätigen.

Nach der Eröffnung des Verfahrens wird weiterhin geprüft, ob sich für Teile des Geschäfts oder Vermögenswerte ein Interessent findet. Dabei spielt nach den bisherigen Berichten insbesondere der große Logistikstandort in Heerlen eine Rolle.

Douglas kaufte Disapo 2022 als Wachstumsprojekt

Die Verbindung zu Douglas reicht bis Anfang 2022 zurück. Damals übernahm der Beauty-Konzern die niederländische Versandapotheke. Disapo erzielte nach damaligen Angaben von Douglas im Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von rund 80 Millionen Euro und beschäftigte etwa 200 Menschen.

Douglas wollte mit der Übernahme sein Geschäft über Parfümerie und Kosmetik hinaus erweitern. Geplant war eine stärkere Verbindung von Beauty- und Gesundheitsprodukten sowie der Einstieg in den wachsenden Online-Apothekenmarkt. Disapo sollte zudem an die Digitalplattform von Douglas angebunden werden.

Die Strategie änderte sich jedoch bereits in den folgenden Jahren. Mit der Wachstumsstrategie Let it Bloom richtete Douglas sein Geschäft wieder stärker auf Premium-Beauty aus. Die Online-Apotheke gehörte damit nicht mehr zum Kern des Konzerns.

Douglas verkaufte Disapo 2024 an MYA Health

Im Juli 2024 kündigte Douglas schließlich den Verkauf von Disapo an MYA Health B.V. an. Der Abschluss der Transaktion erfolgte nach Unternehmensangaben zum 31. Juli 2024. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte Disapo noch etwa 90 Menschen. MYA Health übernahm sämtliche Anteile und Aktivitäten, darunter Lagerbestände, Logistik und geistiges Eigentum.

Dass Douglas bei seinem früheren Apothekenprojekt finanzielle Einbußen hinnehmen musste, geht aus dem Geschäftsbericht des Konzerns hervor. Im Zusammenhang mit der geplanten Veräußerung wurde 2024 eine Wertminderung von 5,5 Millionen Euro verbucht. Zum Bilanzstichtag gehörte Disapo nicht mehr zum Konsolidierungskreis von Douglas.

Die heutige Insolvenz betrifft damit nicht den Douglas-Konzern. Douglas hatte seine Beteiligung bereits mehr als zwei Jahre vor dem aktuellen Insolvenzverfahren vollständig an MYA Health abgegeben.

Zukunft von Disapo noch offen

Wie viel von Disapo nach dem Insolvenzverfahren erhalten werden kann, ist derzeit offen. Fest steht, dass das reguläre Versandgeschäft für deutsche Kundinnen und Kunden weitgehend zum Erliegen gekommen ist. Auch für die zweite Gesellschaft wurde ein Insolvenzverfahren eröffnet.

Weitere Klarheit über Vermögenswerte, Forderungen und Verbindlichkeiten dürfte erst ein Bericht des Insolvenzverwalters bringen. Bis dahin sind insbesondere Angaben zur genauen Verschuldung und zu möglichen früheren Kaufangeboten nur eingeschränkt bestätigt.

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