Deutsche Wirtschaft wächst stärker als noch im Sommer erwartet

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich innerhalb weniger Monate deutlich aufgehellt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung rechnet in seiner am Mittwoch, 2. September 2026, veröffentlichten Herbstprognose damit, dass das preisbereinigte Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr um 1,2 Prozent wächst. Im Sommer hatte das DIW lediglich ein Plus von 0,5 Prozent erwartet. Damit fällt die DIW Wachstumsprognose für Deutschland für 2026 um 0,7 Prozentpunkte höher aus als noch im Juni. Für 2027 erwartet das Institut nun ein Wachstum von 1,0 Prozent, für 2028 von 0,7 Prozent.

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Starke Exporte verändern den Konjunkturausblick

Ein wesentlicher Grund für die kräftige Korrektur ist die Entwicklung des Außenhandels. Die Exporte fielen im ersten Halbjahr stärker aus als zuvor angenommen. Zugleich war der Energiepreisschock infolge des Krieges im Nahen Osten nach Einschätzung des DIW geringer als noch in der Sommerprognose unterstellt. Damals hatte das Institut wegen höherer Öl- und Gaspreise und der erwarteten Belastungen für Konsum und Unternehmen seine Wachstumserwartungen deutlich gesenkt.

Die amtlichen Wirtschaftsdaten stützen das Bild einer robusteren ersten Jahreshälfte. Nach den Ende August veröffentlichten Berechnungen des Statistischen Bundesamtes wuchs das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal 2026 preis-, saison- und kalenderbereinigt um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Im ersten Quartal hatte das Plus nach dem aktuellen Rechenstand bei 0,4 Prozent gelegen. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 war die Wirtschaftsleistung preisbereinigt um 1,0 Prozent höher.

Besonders auffällig war der Außenhandel. Die preisbereinigten Exporte von Waren und Dienstleistungen lagen im zweiten Quartal 3,7 Prozent über dem Niveau des Vorjahresquartals. Die Warenexporte stiegen sogar um 5,0 Prozent. Das Statistische Bundesamt nennt unter anderem chemische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische und optische Produkte als Bereiche mit höheren Ausfuhren. Vor allem der Warenhandel mit anderen Staaten der Europäischen Union entwickelte sich positiv.

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Nagel sieht ebenfalls eine stärkere deutsche Wirtschaft

Die neue Einschätzung des DIW passt in wesentlichen Punkten zu jüngsten Aussagen von Bundesbankpräsident Joachim Nagel. Bei einem Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankgouverneure in Asheville erklärte Nagel am 1. September, die deutsche Wirtschaft habe sich trotz des Krieges im Nahen Osten nicht ausbremsen lassen. Auch er verwies auf die positive Exportentwicklung und die expansive Finanzpolitik als Stützen der Konjunktur.

Nagel geht inzwischen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft 2026 spürbar stärker wachsen dürfte als bislang erwartet. Damit deutet sich auch bei der Bundesbank eine günstigere Einschätzung an als noch im Frühsommer. Ihre im Juni veröffentlichte Deutschland-Prognose hatte für 2026 kalenderbereinigt lediglich 0,5 Prozent reales Wachstum vorgesehen. Ohne Kalenderbereinigung lag die damalige Prognose bei 0,7 Prozent. Die nächste reguläre Prognose kann von diesen Werten abweichen.

Schon im Juli hatte die Bundesbank festgestellt, dass die verfügbaren Indikatoren auf ein höheres konjunkturelles Grundtempo hindeuteten als in der Juni-Prognose erwartet. Neben der Auslandsnachfrage und wachsenden Exporten verwies sie auf die stabilere Konsumentwicklung sowie die unterstützende Wirkung der Finanzpolitik.

Private Investitionen bleiben eine Schwachstelle

Die höhere Prognose bedeutet allerdings nicht, dass die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft überwunden sind. Sowohl das DIW als auch Nagel verweisen auf die weiterhin zurückhaltende Investitionstätigkeit der Unternehmen. Das DIW sieht zudem hohe Gaspreise, strukturelle Probleme insbesondere in Teilen der Industrie sowie eine schwache private Binnennachfrage als Belastungen für die weitere Entwicklung.

Auch die Zusammensetzung des Wachstums ist deshalb von Bedeutung. Die öffentliche Hand spielt eine zunehmend wichtige Rolle. Zusätzliche Ausgaben für Infrastruktur und Verteidigung sowie ein höherer Staatskonsum sollen die Wirtschaftsleistung stützen. Die Bundesbank hatte bereits in ihrer Juni-Prognose kräftige fiskalische Impulse als wesentlichen Motor der erwarteten Erholung bezeichnet. Zugleich zeigt die Entwicklung der Unternehmensinvestitionen, dass ein selbsttragender Aufschwung des privaten Sektors noch nicht gesichert ist.

Das DIW erwartet für 2026 außerdem eine Verbraucherpreisinflation von 2,7 Prozent. Die Arbeitslosenquote nach Definition der Bundesagentur für Arbeit dürfte nach der Herbstprognose im Jahresdurchschnitt bei 6,4 Prozent liegen. Für 2027 erwartet das Institut eine Inflationsrate von 2,6 Prozent und eine Arbeitslosenquote von 6,2 Prozent.

Deutschland wächst, bleibt im europäischen Vergleich aber verhalten

Auch international zeigt sich, dass die deutsche Konjunktur zwar wieder wächst, aber noch keinen außergewöhnlich starken Aufschwung erlebt. Im zweiten Quartal 2026 stieg das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. In der gesamten Europäischen Union lag das Plus bei 0,5 Prozent, im Euroraum bei 0,4 Prozent. Spanien wuchs mit 0,7 Prozent deutlich stärker. Frankreich und Italien kamen jeweils auf 0,2 Prozent.

Das DIW erwartet für die Weltwirtschaft 2026 und 2027 jeweils ein Wachstum von 3,2 Prozent und für 2028 ein Plus von 3,4 Prozent. Damit bleibt das internationale Umfeld insgesamt wachstumsfreundlich, ist aber mit erheblichen Risiken verbunden. Das Institut nennt vor allem eine mögliche weitere Eskalation des Konflikts im Nahen Osten und damit verbundene neue Energiepreisschocks. Auch eine Abschwächung des weltweiten Investitionsbooms rund um Künstliche Intelligenz könnte die internationale Konjunktur belasten.

Für Deutschland fällt der kurzfristige Befund damit deutlich günstiger aus als noch zu Beginn des Sommers. Die starke Aufwärtsrevision des DIW und Nagels optimistischere Einschätzung beruhen vor allem auf tatsächlich besser ausgefallenen Wirtschaftsdaten aus dem ersten Halbjahr. Ob daraus ein länger anhaltender Aufschwung entsteht, hängt jedoch stärker davon ab, ob neben Exporten und staatlichen Ausgaben auch private Investitionen und die Binnennachfrage dauerhaft an Dynamik gewinnen.

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