Milliardenschwerer Zusammenschluss verändert den US-Gasmarkt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

Teilen:

Der amerikanische Energiekonzern EQT übernimmt Range Resources und will damit seine Stellung auf dem US-Erdgasmarkt deutlich ausbauen. Beide Unternehmen haben am Montag, 26. Oktober 2026, eine entsprechende Vereinbarung bekannt gegeben. Durch den Zusammenschluss soll ein Energiekonzern mit einem Unternehmenswert von mehr als 50 Milliarden US-Dollar entstehen. Die Übernahme muss allerdings noch von Aktionären und Behörden genehmigt werden.

Anzeige

EQT bezahlt die Übernahme vollständig mit Aktien

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Aktionäre von Range Resources für jede ihrer bisherigen Aktien 0,987 EQT-Aktien erhalten. Bargeld fließt für die Übernahme grundsätzlich nicht. Nach Abschluss sollen die bisherigen EQT-Aktionäre rund 73 Prozent des gemeinsamen Unternehmens besitzen, während die Range-Anteilseigner auf etwa 27 Prozent kommen.

Der Aktienwert der Übernahme liegt auf Basis der Schlusskurse vom 23. Oktober laut einer Berechnung von Reuters mit LSEG-Daten bei rund 12,8 Milliarden Dollar. Die von den Unternehmen genannten mehr als 50 Milliarden Dollar beziehen sich dagegen auf den erwarteten Gesamtwert des fusionierten Konzerns einschließlich seiner Verschuldung.

Neuer Konzern soll zu den größten Gasproduzenten gehören

EQT und Range Resources fördern hauptsächlich Erdgas im Appalachen-Becken im Osten der Vereinigten Staaten. Durch den Zusammenschluss würden umfangreiche Fördergebiete und bestehende Transportleitungen zusammengeführt.

Anzeige

Nach Unternehmensangaben könnte der gemeinsame Konzern täglich mehr als neun Milliarden Kubikfuß Erdgasäquivalent produzieren. Das entspricht gut 250 Millionen Kubikmetern. Hinzu kämen Förderflächen von rund 1,2 Millionen Hektar und ein Leitungsnetz von ungefähr 6.000 Kilometern. Die Unternehmen beziffern ihre verfügbaren Bohrmöglichkeiten auf einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren.

EQT erwartet außerdem jährliche Einsparungen von rund 325 Millionen Dollar innerhalb von zwei Jahren nach dem Zusammenschluss. Diese Vorteile sollen vor allem aus der gemeinsamen Verwaltung, der Förderung und einer effizienteren Vermarktung entstehen. Ob die Einsparziele erreicht werden, hängt von der späteren Integration der Unternehmen ab.

LNG-Exporte und Rechenzentren treiben den Gasbedarf

Die geplante Übernahme fällt in eine Phase wachsender Bedeutung von Erdgas für die amerikanische Energieversorgung. Neben der Stromerzeugung spielt der steigende Energiebedarf von Rechenzentren eine wichtige Rolle. Zugleich bauen die Vereinigten Staaten ihre Exporte von verflüssigtem Erdgas, sogenanntem LNG, weiter aus.

Nach Angaben der US-Energiebehörde EIA erreichten die amerikanischen LNG-Exporte in der ersten Jahreshälfte 2026 durchschnittlich 17,4 Milliarden Kubikfuß pro Tag. Das waren 23 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Für EQT bietet die Zusammenführung der Fördergebiete und Transportinfrastruktur die Möglichkeit, größere Gasmengen gemeinsam zu vermarkten und langfristige Lieferverträge abzuschließen. Davon könnte auch das Geschäft mit Abnehmern profitieren, die Erdgas für den internationalen LNG-Markt benötigen.

Eine unmittelbare Erhöhung der amerikanischen LNG-Exporte ist mit der Übernahme jedoch nicht verbunden. Dafür bleiben unter anderem die verfügbaren Transportkapazitäten und Exportterminals entscheidend.

Kartellrechtliche Genehmigungen stehen noch aus

Die Verwaltungsräte beider Unternehmen haben der Vereinbarung bereits einstimmig zugestimmt. Für den Abschluss sind allerdings weitere Schritte erforderlich. Neben den Aktionärsabstimmungen müssen die regulatorischen Voraussetzungen erfüllt werden, darunter die kartellrechtlichen Wartefristen nach amerikanischem Recht. Auch die für den Aktientausch erforderlichen Börsen- und Wertpapierverfahren stehen noch an.

Beide Unternehmen rechnen mit einem Abschluss im ersten Quartal 2027. Anschließend soll das bisherige EQT-Management den gemeinsamen Konzern führen. Der Hauptsitz bleibt in Canonsburg im US-Bundesstaat Pennsylvania. Zwei Vertreter von Range Resources, darunter Vorstandschef Dennis Degner, sollen in das Führungsgremium von EQT einziehen.

Mit der geplanten Übernahme würde die Konzentration unter den amerikanischen Erdgasproduzenten weiter zunehmen. Welche Auswirkungen der Zusammenschluss auf die Gaspreise und den internationalen Handel tatsächlich haben wird, lässt sich aus der Vereinbarung allein noch nicht ableiten.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu