
Am westlichen Bodensee ist ein sehr schwaches Erdbeben registriert worden. Das Beben ereignete sich am frühen Montagmorgen, 24. August 2026, im Landkreis Konstanz nahe Radolfzell. Der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg bestimmte nach manueller Auswertung eine Lokalmagnitude von 0,7. Der Erdbebenherd lag demnach rund 17 Kilometer unter der Erdoberfläche. Für Menschen dürfte die Erschütterung aufgrund ihrer geringen Stärke nicht wahrnehmbar gewesen sein.
Das Erdbeben am Bodensee wurde um 4.58 Uhr Ortszeit registriert. Die genaue vom Landeserdbebendienst bestimmte Herdzeit lag bei 4.58 Uhr und 42,7 Sekunden. Als Koordinaten nennt die Auswertung 47,759 Grad nördlicher Breite und 8,912 Grad östlicher Länge. Das Epizentrum lag damit auf deutscher Seite in der Region zwischen Radolfzell und Singen.
Auch der Schweizerische Erdbebendienst an der ETH Zürich führt das Beben in seinem aktuellen Erdbebenkatalog. Seine manuell überprüfte Auswertung kommt für dasselbe Ereignis auf eine Magnitude von 0,8 und eine Herdtiefe von 19,8 Kilometern. Als Zeitpunkt nennt auch der Schweizer Dienst 4.58 Uhr und 42 Sekunden Ortszeit.
Die leicht unterschiedlichen Werte sind bei seismologischen Messungen kein ungewöhnlicher Befund. Erdbebendienste können abhängig vom verwendeten Messnetz, den einbezogenen Stationen, regionalen Modellen und der Berechnungsmethode zu geringfügig verschiedenen Magnituden oder Herdtiefen kommen. Der Schweizerische Erdbebendienst verwendet für kleine regionale Ereignisse unter anderem eine speziell für sein Messnetz kalibrierte Form der Lokalmagnitude. Auch internationale Erdbebendienste weisen darauf hin, dass Abweichungen um einige Zehntel bei Magnitudenschätzungen üblich sind.
Für die Einordnung auf deutscher Seite ist der Landeserdbebendienst Baden-Württemberg die zuständige Fachstelle. Seine nachträglich manuell geprüfte Auswertung nennt Magnitude 0,7 und eine Tiefe von 17 Kilometern. Das Ereignis fällt damit in eine Größenordnung, die normalerweise nur von empfindlichen Messgeräten erfasst wird. Nach Angaben des Landeserdbebendienstes war bei der geringen Stärke nicht damit zu rechnen, dass Menschen die Erschütterung wahrgenommen haben.
Der Landkreis Konstanz gehört zu den Regionen Baden-Württembergs, in denen regelmäßig kleinere seismische Ereignisse registriert werden. Bereits Anfang August hatte der Landeserdbebendienst zwei schwache Beben bei Hilzingen erfasst. Am 2. August wurde dort ein Ereignis mit Magnitude 1,8 registriert. Rund 30 Wahrnehmungsmeldungen gingen dazu aus Hilzingen, Mühlhausen-Ehingen und Singen ein. Zwei Tage später folgte bei Hilzingen ein weiteres Beben mit Magnitude 1,6, zu dem der Dienst gut 17 Wahrnehmungsmeldungen verzeichnete.
Ein stärkeres Ereignis hatte es im April 2026 in Mühlhausen-Ehingen gegeben. Das Beben vom 15. April erreichte nach Angaben des Landeserdbebendienstes Magnitude 2,5 und wurde von Menschen im Landkreis Konstanz wahrgenommen. Die einzelnen Ereignisse unterscheiden sich jedoch deutlich in Stärke und Lage. Aus ihrem zeitlichen Auftreten allein lässt sich keine Aussage über einen unmittelbaren Zusammenhang ableiten.
Wie groß der Unterschied zwischen einem Mikroerdbeben wie dem aktuellen Ereignis und einem deutlich wahrnehmbaren Beben sein kann, zeigte sich bereits im April 2024. Damals registrierte der Landeserdbebendienst bei Radolfzell ein Beben der Magnitude 2,9 in rund 19 Kilometern Tiefe. Die Erschütterungen wurden bis in den Schwarzwald wahrgenommen.
Auch im Sommer 2023 war die Region zwischen Singen und Radolfzell seismisch auffällig. Am 25. August 2023 ereignete sich dort nach Angaben des Schweizerischen Erdbebendienstes ein Beben der Magnitude 3,4 in etwa zehn Kilometern Tiefe. Es war auch auf Schweizer Seite, insbesondere im Raum Schaffhausen, leicht zu spüren. Der Schweizer Erdbebendienst ordnete das Ereignis damals einer seit mehreren Monaten aktiven Erdbebensequenz im Hegau und am Bodensee zu.
Baden-Württemberg zählt nach Angaben des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau zu den Bundesländern mit vergleichsweise hoher Erdbebenaktivität. Der Landeserdbebendienst überwacht das Gebiet und angrenzende Regionen mit einem Netz aus mehr als 80 Messstationen, zu dem auch Stationen benachbarter Erdbebendienste beitragen. Gebäudeschäden durch Erdbeben sind in Baden-Württemberg zwar selten, nach Einschätzung der Fachbehörde aber grundsätzlich nicht ausgeschlossen.
Der südwestliche Teil des Landes ist von mehreren geologischen Störungszonen geprägt. Nach Angaben des Landesamts ist der Raum zwischen südlichem Oberrheingraben und Bodensee intensiv von Bruchstrukturen durchzogen. Dazu gehört die Freiburg-Bonndorf-Bodensee-Störungszone, die über den Südschwarzwald und den Hegau in Richtung Bodensee verläuft. In dieser Region können sich Spannungen im Untergrund durch kleine Erdbeben bemerkbar machen. Eine Zuordnung des aktuellen Bebens zu einer bestimmten Störung wurde in den veröffentlichten Ereignisdaten nicht vorgenommen.
Die Lage des Bodensees macht die seismologische Überwachung zugleich zu einer grenzüberschreitenden Aufgabe. Deutschland, die Schweiz und Österreich liegen unmittelbar an der Seeregion. Das aktuelle Ereignis befand sich auf deutscher Seite, wurde jedoch auch vom Schweizerischen Erdbebendienst erfasst und ausgewertet. Gerade bei sehr kleinen Beben ermöglichen die engmaschigen regionalen Messnetze eine Erfassung von Erdbewegungen, die an der Oberfläche keinerlei wahrnehmbare Auswirkungen haben.
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