Merz reist mit klarer Sicherheitslinie zum Arktis-Gipfel

Kuba Embargo Trump Demo Havanna 2026
Symbolbild mit KI erstellt

Teilen:

Deutschland geht mit einer deutlich sicherheitspolitisch geprägten Linie in den EU-Arktis-Gipfel im finnischen Rovaniemi. Bundeskanzler Friedrich Merz reist am Sonntag zu dem zweitägigen Treffen, das Finnlands Ministerpräsident Petteri Orpo ausrichtet. Nach Angaben der Bundesregierung soll der Gipfel dazu dienen, den gemeinsamen strategischen Ansatz der Europäischen Union für die Arktis zu stärken. Sicherheit spielt dabei eine zentrale Rolle, zugleich sollen Klimaschutz, wirtschaftliche Entwicklung und die Zusammenarbeit mit den Menschen in der Region Teil des europäischen Ansatzes bleiben.

Arktis-Gipfel beginnt am Sonntag in Rovaniemi

Das Treffen findet am 13. und 14. September in Rovaniemi im Norden Finnlands statt. Neben Merz werden unter anderem Regierungschefs und Staatsoberhäupter aus Finnland, Dänemark, Polen, Estland, Lettland, Litauen und Rumänien erwartet. Frankreich wird durch Außenminister Jean-Noël Barrot vertreten. Für die EU nehmen unter anderem Ratspräsident António Costa und die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas teil.

Finnland hat den Gipfel ausdrücklich vor dem Hintergrund der gewachsenen geopolitischen Bedeutung der Arktis einberufen. Auf dem Programm steht eine Arbeitssitzung zu den aktuellen Entwicklungen, zur Sicherheit und zur künftigen Rolle Europas in der Region. Kallas und mehrere Teilnehmer wollen außerdem den Luftwaffenstützpunkt der finnischen Lapland Air Wing besuchen. Bereits am Sonntag ist ein Arbeitsessen mit dem finnischen Präsidenten Alexander Stubb vorgesehen. Auch die Regierungschefs von Norwegen und Island sollen daran teilnehmen.

Deutschland setzt seit 2024 stärker auf Sicherheit

Für Deutschland ist der stärkere sicherheitspolitische Blick auf die Arktis kein neuer Kurs. Die Bundesregierung hatte ihre Leitlinien für die deutsche Arktispolitik bereits 2024 überarbeitet. Darin stehen Sicherheit und Stabilität in der Region weit oben auf der Prioritätenliste. Deutschland setzt dabei auf eine engere Zusammenarbeit innerhalb der NATO, den Schutz der regelbasierten internationalen Ordnung sowie eine höhere Widerstandsfähigkeit kritischer Infrastruktur.

Diese Linie hat die Bundesregierung 2026 weiter konkretisiert. Vor einer Reise von Außenminister Johann Wadephul nach Norwegen und Finnland erklärte das Auswärtige Amt im Juli, die Sicherheit im Hohen Norden sei unmittelbar mit der Sicherheit Deutschlands verbunden. Deutschland arbeite gemeinsam mit Norwegen und Finnland daran, die Nord- und Ostflanke der NATO zu sichern. Gleichzeitig bleiben Klimaschutz, Forschung, nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung und die Rechte indigener Bevölkerungsgruppen Bestandteile der deutschen Arktispolitik.

EU-Arktisstrategie steht ohnehin vor einer Überarbeitung

Der Gipfel fällt in eine Phase, in der Brüssel die EU-Arktisstrategie bereits grundlegend überprüft. Die bislang maßgebliche Politik stammt aus dem Jahr 2021. Sie konzentrierte sich vor allem auf friedliche internationale Zusammenarbeit, Klima- und Umweltschutz sowie eine nachhaltige Entwicklung der nördlichen Regionen. Sicherheitsfragen waren darin enthalten, Sicherheit und Verteidigung bildeten jedoch keinen eigenständigen Schwerpunkt.

Seitdem hat sich das Umfeld deutlich verändert. Die Europäische Kommission und der Europäische Auswärtige Dienst nennen in den Unterlagen zur laufenden Überarbeitung ausdrücklich die zunehmende militärische Präsenz, hybride Aktivitäten, wirtschaftliche Sicherheitsfragen, neue Transportwege und den wachsenden geopolitischen Wettbewerb. Die neue EU-Politik soll nach bisheriger Planung eine widerstandsfähige, sichere, wirtschaftlich starke und zugleich nachhaltige Arktis in den Mittelpunkt stellen.

Auch das Europäische Parlament hat diesen Kurs bereits unterstützt. Im November 2025 sprach sich eine Mehrheit der Abgeordneten für eine robustere und stärker sicherheitsorientierte europäische Arktispolitik aus. Genannt wurden unter anderem der Schutz von Unterseekabeln und anderer kritischer Infrastruktur, gemeinsame Cyber- und Resilienzstandards, eine engere Abstimmung mit der NATO sowie eine bessere Überwachung des hohen Nordens.

Sieben von acht Arktisstaaten gehören zur NATO

Die sicherheitspolitische Bedeutung der Region hat auch durch die Erweiterung der NATO zugenommen. Seit dem Beitritt Finnlands und Schwedens gehören sieben der acht Staaten des Arktischen Rates dem Bündnis an. Dazu zählen neben den beiden nordischen Ländern die USA, Kanada, Dänemark, Island und Norwegen. Russland ist der einzige Arktisstaat außerhalb der NATO.

Das Bündnis hat seine Aktivitäten im Hohen Norden deshalb ausgebaut. Im Februar 2026 startete die NATO die Initiative Arctic Sentry. Sie bündelt Übungen, Überwachung und weitere militärische Aktivitäten der Verbündeten in der Region. Die Allianz begründet den Schritt mit verstärkten russischen Militäraktivitäten sowie dem wachsenden chinesischen Interesse an der Arktis.

Damit stellt sich für die Europäische Union zunehmend die Frage, wie ihre eigene Rolle die militärische Abschreckung der NATO ergänzen kann. Im Mittelpunkt stehen dabei Bereiche, für die die EU über eigene politische und finanzielle Instrumente verfügt. Dazu zählen der Schutz kritischer Infrastruktur, Cyberabwehr, Satellitenkommunikation, Verkehrsverbindungen, Rohstoffpartnerschaften und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit der nördlichen Regionen.

Grönland rückt stärker in die europäische Arktispolitik

Wie weit der europäische Ansatz inzwischen über klassische Umwelt- und Forschungspolitik hinausgeht, zeigte zuletzt auch die verstärkte Zusammenarbeit mit Grönland. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte Anfang September bei einem Besuch in Nuuk ein zusätzliches Partnerschaftspaket von 200 Millionen Euro für 2026 und 2027 an. Unterstützt werden sollen unter anderem digitale und satellitengestützte Verbindungen, Energieprojekte, kritische Rohstoffe, Bildung, Fischerei und wirtschaftliche Entwicklung.

Der Gipfel in Rovaniemi soll nun verschiedene Stränge dieser Politik zusammenführen. Für Deutschland steht dabei fest, dass die europäische Arktispolitik die veränderte Sicherheitslage stärker berücksichtigen muss. Offiziell bestätigt war vor Beginn des Treffens allerdings keine eigenständige deutsche Forderung nach einem bestimmten neuen EU-Strategiepapier oder konkreten militärischen Maßnahmen. Die Beratungen treffen vielmehr auf einen bereits laufenden europäischen Prozess, in dem Sicherheits- und Resilienzfragen deutlich stärker gewichtet werden als noch in der Arktispolitik von 2021.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu