
Der Fachkräftemangel in Deutschland zieht nach einer längeren Entspannungsphase wieder etwas an. Im Juli 2026 gaben 23,2 Prozent der Unternehmen an, durch fehlende qualifizierte Arbeitskräfte beeinträchtigt zu sein. Im April waren es noch 21,1 Prozent. Damit hat sich die Lage innerhalb eines Quartals zwar sichtbar verschärft, von den extremen Engpässen früherer Jahre ist die deutsche Wirtschaft jedoch weiterhin weit entfernt.
Der aktuelle Anstieg fällt in eine wirtschaftlich ungewöhnliche Phase. Deutschland kämpft weiterhin mit einer schwachen Konjunktur, einer gedämpften Nachfrage und Belastungen in Teilen der Industrie. Normalerweise vermindert eine schwache Wirtschaft die Nachfrage nach zusätzlichem Personal. Dass der Fachkräftemangel in Deutschland dennoch wieder zunimmt, weist deshalb auf strukturelle Probleme am Arbeitsmarkt hin.
Zu Jahresbeginn hatte sich die Situation noch entspannt. Im Januar 2026 meldeten 22,7 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten wegen fehlender qualifizierter Beschäftigter. Im Oktober 2025 waren es noch 25,8 Prozent gewesen. Im April sank der Anteil anschließend weiter auf 21,1 Prozent, bevor er nun im Juli auf 23,2 Prozent stieg.
Damit liegt der aktuelle Wert weiterhin deutlich unter dem langfristigen Durchschnitt der ifo-Erhebung von 31,7 Prozent. Noch größer ist der Abstand zum bisherigen Höchststand. Im Juli 2022 berichteten 49,7 Prozent der Unternehmen von Beeinträchtigungen durch fehlende Fachkräfte. Damals war praktisch jedes zweite befragte Unternehmen betroffen.
Die aktuellen Zahlen zeigen damit keine Rückkehr zu den Engpässen des Jahres 2022. Sie markieren aber eine Richtungsänderung nach mehreren Quartalen, in denen sich der Fachkräftemangel parallel zur schwachen Wirtschaftslage abgeschwächt hatte.
Zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen bestehen weiterhin große Unterschiede. Besonders ausgeprägt sind die Engpässe in Teilen des Dienstleistungssektors. In der Rechts- und Steuerberatung sowie in der Wirtschaftsprüfung berichteten im Juli 64,7 Prozent der Unternehmen von fehlenden Fachkräften. Im April hatte der Anteil noch bei 52,4 Prozent gelegen.
Damit gehören diese Dienstleistungen weiterhin zu den Bereichen mit den größten Schwierigkeiten bei der Personalgewinnung. Schon in früheren ifo-Erhebungen hatte diese Branche regelmäßig deutlich überdurchschnittliche Werte erreicht.
Eine auffällige Entwicklung zeigt sich auch in der Telekommunikation. Dort stieg der Anteil der Unternehmen mit Fachkräfteproblemen von 16,3 Prozent im April auf 31,1 Prozent im Juli. Innerhalb eines Quartals hat sich der Wert damit annähernd verdoppelt.
Solche Unterschiede verdeutlichen, dass ein gesamtwirtschaftlicher Durchschnitt nur einen Teil der Situation abbildet. Qualifikation, Berufserfahrung und regionale Verfügbarkeit von Bewerbern können je nach Branche erheblich voneinander abweichen.
Auch das Verarbeitende Gewerbe meldet wieder häufiger Schwierigkeiten bei der Personalsuche. Im Juli waren 18,7 Prozent der Industrieunternehmen durch fehlende Fachkräfte beeinträchtigt. Das waren 4,5 Prozentpunkte mehr als im April.
Der Anteil bleibt dennoch deutlich niedriger als in früheren Jahren. Im Januar hatten noch 16,6 Prozent der Industrieunternehmen einen Fachkräftemangel gemeldet. Besonders geringe Werte waren damals unter anderem im Automobilsektor und bei Herstellern elektrischer Ausrüstungen verzeichnet worden.
Die Entwicklung der Industrie muss zugleich vor dem Hintergrund der anhaltend niedrigen Auslastung und der schwachen Auftragslage betrachtet werden. Anfang 2026 berichtete mehr als ein Drittel der Industrieunternehmen über unzureichende Aufträge. Gleichzeitig planten viele Betriebe weiterhin Stellenabbau. Fachkräftemangel und Personalabbau können daher gleichzeitig auftreten, weil nicht zwingend dieselben Berufe und Qualifikationen betroffen sind.
Der deutsche Arbeitsmarkt zeigt damit zunehmend ein Nebeneinander unterschiedlicher Entwicklungen. Während Unternehmen in einigen Bereichen Stellen reduzieren, bleiben bestimmte Qualifikationen knapp. Entscheidend ist nicht allein die Zahl der verfügbaren Arbeitskräfte, sondern auch, ob deren Ausbildung und Berufserfahrung zu den offenen Stellen passen.
Diese Diskrepanz zeigt sich ebenfalls in der Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit. Für 2024 wurden bundesweit 163 Berufsgattungen als Engpassberufe eingestuft. Besonders betroffen waren unter anderem Pflege- und Gesundheitsberufe, Bau- und Handwerksberufe, der Berufskraftverkehr, Kinderbetreuung und Sozialpädagogik. Engpässe bestanden außerdem in Teilen der IT, der Bauplanung und der Gastronomie.
Damit kann eine steigende Arbeitslosigkeit mit einem anhaltenden oder sogar zunehmenden Fachkräftemangel zusammenfallen. Ein Beschäftigter aus einer schrumpfenden Industriebranche kann beispielsweise nicht ohne Weiteres eine offene Stelle in der Pflege, Steuerberatung oder Softwareentwicklung übernehmen.
Neben der konjunkturellen Entwicklung wird der Arbeitsmarkt zunehmend von der Altersstruktur der Bevölkerung geprägt. Die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer erreichen in den kommenden Jahren nach und nach das Rentenalter.
Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes werden bis 2040 rund 13,3 Millionen Erwerbspersonen das gesetzliche Rentenalter von 67 Jahren überschritten haben. Das entspricht etwa 30 Prozent der Erwerbspersonen, die dem deutschen Arbeitsmarkt im Jahr 2025 zur Verfügung standen.
Jüngere Jahrgänge sind zahlenmäßig kleiner und können die ausscheidenden Beschäftigten nicht vollständig ersetzen. Besonders relevant ist das für Berufe, in denen bereits heute viele ältere Menschen arbeiten und zugleich Nachwuchskräfte fehlen.
Der demografische Effekt bedeutet allerdings nicht, dass in sämtlichen Berufen gleichzeitig ein Mangel entstehen muss. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Automatisierung und Veränderungen einzelner Geschäftsmodelle können den Personalbedarf in bestimmten Tätigkeiten reduzieren. Gleichzeitig können neue Qualifikationsanforderungen entstehen.
Der aktuelle Wert von 23,2 Prozent zeigt deshalb eine zweigeteilte Entwicklung. Gegenüber dem Rekordniveau aus dem Jahr 2022 hat sich die Situation deutlich entspannt. Gleichzeitig beginnt der Anteil der Unternehmen mit Fachkräfteproblemen wieder zu steigen, obwohl die wirtschaftliche Dynamik weiterhin begrenzt ist.
Sollte die Konjunktur stärker anziehen und Unternehmen ihre Produktion oder Dienstleistungen ausweiten, könnte auch der Personalbedarf steigen. Dann würde sich zeigen, wie groß die strukturelle Fachkräftelücke tatsächlich ist.
Die aktuelle Entwicklung macht bereits deutlich, dass der Fachkräftemangel nicht allein ein Problem besonders guter Konjunkturphasen ist. Der Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung, die Alterung vieler Belegschaften und die fehlende Passung zwischen offenen Stellen und verfügbaren Qualifikationen bleiben auch bei schwachem Wachstum zentrale Herausforderungen für den deutschen Arbeitsmarkt.
Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu