
Ein Cybervorfall beschäftigt die Verantwortlichen des Fehmarnbelt-Tunnels zwischen Deutschland und Dänemark. Betroffen ist ein Konsortium, das wesentliche Teile des 18 Kilometer langen Ostseetunnels errichtet. Nach Medieninformationen sollen zentrale IT-Systeme ausgefallen und Bauarbeiten beeinträchtigt worden sein. Wie groß der Schaden tatsächlich ist, blieb zunächst offen.
Die staatliche dänische Projektgesellschaft Femern A/S hat am Dienstag, 13. Oktober 2026, einen Cybervorfall bei einem ihrer wichtigsten Auftragnehmer bestätigt. Betroffen ist Femern Link Contractors, kurz FLC. Das internationale Baukonsortium ist unter anderem für die Herstellung der Tunnelelemente sowie den Bau des Absenktunnels und der Tunnelportale zuständig.
In einer offiziellen Mitteilung erklärte Jens Villemoes, Pressechef des staatlichen Infrastrukturunternehmens Sund & Bælt, dass FLC die Projektgesellschaft über den Vorfall informiert habe. Beide Seiten stünden im Austausch. Weitere Informationen könnten zunächst nicht mitgeteilt werden.
Welche IT-Systeme betroffen sind und auf welche Weise der Vorfall ausgelöst wurde, ging aus der Mitteilung nicht hervor. Auch zur technischen Art des Angriffs machte die Projektgesellschaft keine Angaben.
Nach Informationen der dänischen Regionalzeitung Lolland-Falsters Folketidende soll der Cybervorfall zentrale Computersysteme des Baukonsortiums beeinträchtigt haben. Die Störungen hätten sich auf die Arbeiten an der Großbaustelle bei Rødbyhavn ausgewirkt.
Demnach sollen elektronische Zugangskarten zeitweise nicht funktioniert haben. Beschäftigte seien angewiesen worden, Computer und WLAN-Verbindungen nicht zu benutzen. Mehrere am Tunnelbau beteiligte Arbeitsschiffe sollen stillgelegen haben.
Die Probleme sollen bereits am Montag, 12. Oktober, aufgetreten sein. Eine offizielle Bestätigung des genauen Beginns lag zunächst nicht vor. Ebenso blieb unklar, wie viele Baustellenbereiche tatsächlich betroffen waren und ob der gesamte Baubetrieb zeitweise eingestellt werden musste.
Die Projektgesellschaft bestätigte die einzelnen Störungen zunächst nicht.
Auch zu den möglichen Folgen für die Datensicherheit gab es am Dienstag noch keine gesicherten Angaben. Offen war insbesondere, ob Unbefugte Zugriff auf vertrauliche Unternehmensdaten, technische Unterlagen oder personenbezogene Informationen erhalten haben.
Eine Bestätigung für einen Datenabfluss lag zunächst nicht vor. Ebenso wenig wurde offiziell mitgeteilt, ob Schadsoftware eingesetzt wurde oder ob es sich um einen Erpressungsangriff mit sogenannter Ransomware handelte.
Behördliche Angaben zu einem möglichen Ermittlungsverfahren lagen zunächst ebenfalls nicht vor. Wer für den Cybervorfall verantwortlich sein könnte, war nicht bekannt. Die genauen Hintergründe blieben offen.
Femern Link Contractors übernimmt entscheidende Arbeiten an der künftigen festen Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark. Das Konsortium verantwortet die Herstellung der großen Betonelemente, die im Meeresboden abgesenkt und anschließend miteinander verbunden werden.
Zu FLC gehören mehrere europäische Bauunternehmen. Darunter befinden sich die deutschen Firmen Wayss & Freytag Ingenieurbau und Max Bögl. Weitere beteiligte Unternehmen sind unter anderem Vinci Construction Grands Projets aus Frankreich, Per Aarsleff aus Dänemark sowie Unternehmen aus Belgien und den Niederlanden.
Der Cybervorfall betrifft damit einen Auftragnehmer mit internationaler Unternehmensstruktur. Ob einzelne Mitgliedsunternehmen außerhalb des gemeinsamen Bauprojekts ebenfalls von IT-Störungen betroffen sind, war zunächst nicht bestätigt.
Der Cybervorfall trifft das Tunnelprojekt in einer Phase, in der die Bauarbeiten ohnehin hinter dem ursprünglichen Zeitplan zurückliegen. Zunächst war vorgesehen, die feste Verbindung zwischen Deutschland und Dänemark im Jahr 2029 fertigzustellen.
Bereits im Mai 2026 hatte Sund & Bælt jedoch mitgeteilt, dass sich der Tunnelbau um etwa zwei Jahre verzögert habe. Zu den Gründen zählen Schwierigkeiten mit dem Spezialschiff, das die vorgefertigten Tunnelelemente auf dem Meeresboden positioniert. Hinzu kommen Vorgaben für Arbeiten in deutschen Gewässern sowie Verzögerungen bei der deutschen Schienenanbindung.
Die Verantwortlichen arbeiten deshalb an einem Konzept, bei dem zunächst der Straßentunnel freigegeben werden soll. Die Eisenbahnverbindung soll später folgen. Einen angepassten Eröffnungstermin wollte Sund & Bælt auf Grundlage der Erfahrungen beim Absenken der ersten Tunnelelemente festlegen.
Ob der Cybervorfall zu weiteren Verzögerungen führt, war am Dienstag nicht bekannt. Eine entsprechende Bewertung der Projektgesellschaft lag zunächst nicht vor.
Trotz der bestehenden Verzögerungen erreichte das Projekt Ende September einen weiteren Baufortschritt. Nach Angaben von Femern A/S wurde am 28. September das vierte große Tunnelelement erfolgreich abgesenkt. Damit befanden sich knapp 900 Meter des geplanten 18 Kilometer langen Tunnels an ihrem vorgesehenen Platz.
Insgesamt besteht das Bauwerk aus 89 vorgefertigten Betonelementen. Davon sind 79 Standardelemente mit einer Länge von jeweils 217 Metern. Hinzu kommen zehn kürzere Spezialelemente mit zusätzlichen Räumen für technische Anlagen.
Der nächste größere Arbeitsschritt ist das Absenken des ersten Spezialelements. Dafür wird ebenfalls das Spezialschiff IVY eingesetzt. Ob die gemeldeten IT-Störungen diese Arbeiten beeinträchtigen, blieb zunächst offen.
Der Fehmarnbelt-Tunnel entsteht zwischen Puttgarden auf der deutschen Ostseeinsel Fehmarn und Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland. Das Bauwerk soll eine vierspurige Autobahn und eine zweigleisige Eisenbahnstrecke aufnehmen.
Nach der Fertigstellung soll die Fahrt durch den Tunnel mit dem Zug rund sieben Minuten und mit dem Auto etwa zehn Minuten dauern. Die Zugreise zwischen Hamburg und Kopenhagen soll sich dadurch auf ungefähr zweieinhalb Stunden verkürzen.
Die Verbindung gehört zum europäischen Verkehrsnetz und soll den Personenverkehr sowie den Gütertransport zwischen Skandinavien und Mitteleuropa verbessern. Die Europäische Union unterstützt das Vorhaben finanziell.
Für das grenzüberschreitende Bauprojekt ist eine enge Abstimmung zwischen den beteiligten Unternehmen erforderlich. Welche konkreten Folgen der bestätigte Cybervorfall für diese Zusammenarbeit und den weiteren Bauablauf hat, war am 13. Oktober zunächst nicht geklärt.
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