Feiertage bremsen die Wirtschaft, aber der Effekt ist begrenzt

Aktienhandel: Kurstafel mit Kursverläufen an der Börse
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Die Debatte über die Abschaffung gesetzlicher Feiertage bekommt neue Nahrung. Eine Untersuchung des ZEW Mannheim zeigt, dass ein zusätzlicher arbeitsfreier Feiertag die deutsche Wirtschaftsleistung zwar messbar verringert. Der Effekt fällt nach den Berechnungen jedoch begrenzter aus, als einfache Rechnungen über einen vollständig verlorenen Arbeitstag vermuten lassen.

Je nach zugrunde gelegter Annahme entspricht der jährliche Effekt eines zusätzlichen Feiertags etwa 0,055 bis 0,28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das ZEW geht davon aus, dass der tatsächliche Wert zwischen diesen beiden Größen liegen dürfte. Unternehmen reagieren demnach auf ausgefallene Arbeitszeit unter anderem mit zusätzlichen Arbeitsstunden und einer Verschiebung von Produktion.

Damit erhält eine seit Monaten geführte wirtschaftspolitische Diskussion eine neue empirische Grundlage. Mehrere Ökonomen und Wirtschaftsvertreter hatten 2025 dafür plädiert, einen Feiertag zu streichen, um das Arbeitsvolumen zu erhöhen und die Wirtschaftsleistung zu stärken. Das ifo Institut hatte den möglichen zusätzlichen wirtschaftlichen Output damals auf etwa acht Milliarden Euro im Jahr geschätzt.

ZEW untersucht Feiertage als natürliches Experiment

Für seine Untersuchung nutzte ZEW-Forscher Eduard Brüll eine Besonderheit des deutschen Kalenders. Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, entsteht für viele Betriebe kein zusätzlicher arbeitsfreier Tag, weil sonntags ohnehin weitreichende Beschäftigungsbeschränkungen gelten.

Fällt derselbe Feiertag dagegen unter der Woche, entfällt in vielen Unternehmen ein regulärer Arbeitstag. Dieser Unterschied ermöglicht es, Monate und Jahre miteinander zu vergleichen und den wirtschaftlichen Effekt eines zusätzlichen freien Tages näher einzugrenzen.

Grundlage waren monatliche Daten des Statistischen Bundesamtes aus dem Verarbeitenden Gewerbe. Berücksichtigt wurden alle 16 Bundesländer im Zeitraum von 2005 bis 2019. Die Daten enthalten Angaben zu Umsätzen, Beschäftigung und geleisteten Arbeitsstunden.

Das Ergebnis zeigt einen messbaren Unterschied. In Monaten, in denen ein Feiertag auf einen Sonntag fiel und damit keinen zusätzlichen Arbeitstag kostete, lagen die Umsätze je Beschäftigtem im Verarbeitenden Gewerbe im Durchschnitt etwa drei Prozent höher. Auch die geleisteten Arbeitsstunden lagen rund 2,5 Prozent über dem Niveau vergleichbarer Monate mit einem Feiertag an einem Werktag.

Unternehmen holen einen Teil der Produktion nach

Aus den Daten lässt sich allerdings nicht ableiten, dass ein kompletter Arbeitstag wirtschaftlich vollständig verloren geht. Nach Einschätzung des ZEW gleichen Unternehmen einen Teil des Ausfalls aus. Möglich sind zusätzliche Arbeitsstunden an anderen Tagen, organisatorische Anpassungen oder eine zeitliche Verlagerung von Aufträgen.

Genau dieser Effekt ist für die Debatte um die Kosten gesetzlicher Feiertage entscheidend. Eine Rechnung, bei der die Wirtschaftsleistung eines durchschnittlichen Tages vollständig als Verlust angesetzt wird, kann die tatsächlichen Folgen überschätzen.

Das ZEW berechnet deshalb zwei Größenordnungen. Würde der gemessene Effekt auf sämtliche Wirtschaftsbereiche übertragen, ergäbe sich ein gesamtwirtschaftlicher Effekt von rund 0,28 Prozent des BIP. Wird dagegen angenommen, dass der Effekt im Wesentlichen auf das Verarbeitende Gewerbe beschränkt bleibt, liegt die Größenordnung bei etwa 0,06 Prozent. Das Institut hält einen Wert zwischen beiden Szenarien für plausibel.

Hinzu kommt, dass Feiertage nicht in allen Branchen dieselben Folgen haben. In Industrie und Bau können kürzere Produktionszeiten die Leistung unmittelbar begrenzen. In Teilen des Gastgewerbes, im Freizeitbereich oder in anderen konsumnahen Dienstleistungen können Feiertage dagegen zusätzliche Nachfrage auslösen.

Frühere Berechnungen kamen auf Milliardenbeträge

Die politische Debatte war 2025 vor allem durch Berechnungen geprägt worden, nach denen ein zusätzlicher Arbeitstag mehrere Milliarden Euro Wirtschaftsleistung ermöglichen könnte.

Ifo-Präsident Clemens Fuest sprach sich im Mai 2025 dafür aus, einen Feiertag zu streichen. Er bezifferte den möglichen zusätzlichen wirtschaftlichen Output auf rund acht Milliarden Euro jährlich. Hintergrund seiner Argumentation waren vor allem der zunehmende Fachkräftemangel und der zusätzliche Arbeitskräftebedarf durch höhere Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung.

Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Michael Hüther, hatte die Abschaffung eines Feiertags ins Gespräch gebracht. Nach Berechnungen des IW könnte ein zusätzlicher Arbeitstag die Wirtschaftsleistung rechnerisch um bis zu 8,6 Milliarden Euro erhöhen.

Die neue ZEW-Untersuchung zeigt, warum solche Beträge mit Vorsicht interpretiert werden müssen. Entscheidend ist nicht nur, wie viel an einem einzelnen Feiertag produziert worden wäre. Relevant ist auch, welcher Teil dieser Produktion zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird.

Andere Untersuchungen sehen keinen klaren Wachstumseffekt

Auch frühere Analysen kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung untersuchte 2025 mehrere Fälle, in denen Feiertage in einzelnen Bundesländern eingeführt oder abgeschafft wurden.

Die Forschenden fanden dabei keinen eindeutigen empirischen Beleg dafür, dass weniger Feiertage automatisch zu stärkerem Wirtschaftswachstum führen. Unter anderem verglichen sie die wirtschaftliche Entwicklung von Bundesländern nach Änderungen bei Buß und Bettag, Reformationstag, Internationalem Frauentag und Weltkindertag. In mehreren Fällen ließ sich kein messbarer Wachstumsvorteil für Länder erkennen, in denen ein Feiertag entfiel.

Allerdings unterscheidet sich dieser Ansatz von der ZEW-Untersuchung. Während das IMK die gesamtwirtschaftliche Entwicklung einzelner Bundesländer rund um konkrete Feiertagsänderungen betrachtete, isoliert das ZEW anhand von Monatsdaten insbesondere den unmittelbaren Effekt eines zusätzlichen verlorenen Arbeitstags.

Beide Untersuchungen verdeutlichen damit vor allem, dass sich die Wirkung von Feiertagen nicht mit einer einfachen Division der jährlichen Wirtschaftsleistung durch die Zahl der Arbeitstage bestimmen lässt.

Ein Feiertag allein löst Deutschlands Wachstumsprobleme nicht

Auch eine weitere Analyse des Ökonomen Arne Hansen aus dem Jahr 2026 kommt zu dem Ergebnis, dass ein zusätzlicher Arbeitstag grundsätzlich einen positiven Effekt auf die Wirtschaftsleistung haben kann. Der Beitrag im Wirtschaftsdienst beziffert die langfristige Arbeitstage-Elastizität des BIP auf rund 0,3. Die Wirkung unterscheidet sich jedoch erheblich nach Branche und Jahreszeit.

Besonders im Verarbeitenden Gewerbe, im Bau und in Teilen des Handels können zusätzliche Arbeitstage stärker ins Gewicht fallen. In kontinuierlich arbeitenden Bereichen oder Teilen des Dienstleistungssektors fallen die Effekte dagegen geringer aus. Hansen kommt deshalb zu dem Schluss, dass die Abschaffung eines Feiertags einen begrenzten Beitrag zum Produktionspotenzial leisten könnte, aber keine grundlegende wirtschaftliche Trendwende auslösen würde.

Das passt zur aktuellen konjunkturellen Lage. Die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute erwarteten in ihrer Gemeinschaftsdiagnose vom September 2026 für das laufende Jahr ein reales Wirtschaftswachstum von 1,3 Prozent. Gleichzeitig verweisen sie weiterhin auf strukturelle Probleme, darunter hohe Energiepreise und Belastungen für den Wirtschaftsstandort.

Die neue Feiertagsstudie verschiebt damit den Schwerpunkt der Diskussion. Ein zusätzlicher Arbeitstag kann einen messbaren wirtschaftlichen Effekt haben. Die Größenordnung hängt jedoch stark davon ab, welche Wirtschaftsbereiche betrachtet werden und wie Unternehmen ihre Arbeitsabläufe anpassen. Die Vorstellung, ein gestrichener Feiertag führe automatisch zu einem entsprechend großen zusätzlichen Produktionstag, greift nach den vorliegenden Untersuchungen zu kurz.

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