Bericht über Guilfoyle-Aussage löst Debatte in Griechenland aus

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Eine Kimberly Guilfoyle zugeschriebene Äußerung über den Einfluss der USA auf ausländische Regierungen sorgt in Griechenland für politische Diskussionen. Nach einem Bericht des Wall Street Journal soll die US-Botschafterin in Athen bei einem Abendessen im März gesagt haben, die Vereinigten Staaten könnten das, worüber gerade im Zusammenhang mit Rumänien gesprochen worden sei, in jedem gewünschten Land tun. Sie soll hinzugefügt haben, dies sei auch in Griechenland möglich. Guilfoyles Anwalt bestreitet die Darstellung des Gesprächs. Einen öffentlich zugänglichen Mitschnitt des Wortwechsels gibt es nicht.

Das Wall Street Journal veröffentlichte den Bericht am 25. September. Die umstrittene Passage ist Teil einer größeren Recherche über Guilfoyles diplomatische Tätigkeit und Verbindungen im Energiesektor Südosteuropas. Der Zeitung zufolge fand das betreffende Abendessen in Athen statt und wurde von griechischen und amerikanischen Regierungsvertretern besucht.

Wortwechsel soll sich auf Rumänien bezogen haben

Nach Darstellung des Wall Street Journal geriet Guilfoyle bei dem Abendessen mit dem griechischen Umwelt- und Energieminister Stavros Papastavrou aneinander. Thema sei die damals bevorstehende politische Krise in Rumänien und ein möglicher Sturz der Regierung von Ministerpräsident Ilie Bolojan gewesen.

Der Zeitung zufolge sagte Guilfoyle sinngemäß, die USA könnten so etwas in jedem Land tun und auch in Griechenland. Papastavrou soll darauf erwidert haben, die Vereinigten Staaten könnten die von den griechischen Bürgern gewählte Regierung nicht ersetzen. Die Zeitung beruft sich bei ihrer Darstellung auf eine Person, die an dem Abendessen teilgenommen habe, sowie auf weitere Personen, denen anschließend von dem Gespräch berichtet worden sei. Guilfoyles Anwalt widersprach der Charakterisierung dieses Wortwechsels.

Damit ist insbesondere nicht belegt, dass Guilfoyle tatsächlich behauptete, Washington habe die rumänische Regierung gestürzt. Ebenso wenig belegt der Bericht eine amerikanische Beteiligung am späteren Regierungswechsel in Bukarest. Eine unabhängige Bestätigung dafür liegt nicht vor.

Regierung Bolojan fiel durch Abstimmung im Parlament

Die politischen Vorgänge in Rumänien selbst sind dokumentiert. Die Regierung von Ministerpräsident Ilie Bolojan verlor am 5. Mai 2026 ein Misstrauensvotum im Parlament. Für den Antrag stimmten 281 Abgeordnete, erforderlich waren 233 Stimmen. Zuvor hatten die Sozialdemokraten die Regierungskoalition verlassen und gemeinsam mit weiteren Parteien das Misstrauensvotum vorangetrieben.

Der Regierungswechsel erfolgte damit über ein parlamentarisches Verfahren. Belege dafür, dass die USA die Abstimmung organisiert oder den Regierungssturz herbeigeführt hätten, liegen nicht vor.

Die zeitliche Nähe ist dennoch der Grund, weshalb die von der Zeitung geschilderte Unterhaltung Aufmerksamkeit erhält. Das Gespräch in Athen soll mehrere Wochen vor dem Misstrauensvotum stattgefunden haben und sich ausdrücklich auf die politische Entwicklung in Rumänien bezogen haben.

Opposition in Griechenland verlangt Erklärungen

In Griechenland hat der Bericht inzwischen politische Reaktionen ausgelöst. Mehrere Oppositionsparteien fordern von der Regierung von Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis Auskunft über den geschilderten Wortwechsel.

Die linksgerichtete Syriza verlangte nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu eine Klarstellung darüber, ob sich der Vorfall tatsächlich ereignet habe und wie die griechische Regierung darauf reagiert habe. Auch die Partei Neue Linke kritisierte, dass zunächst keine öffentliche Erklärung der Regierung vorgelegen habe.

Auch Berichte griechischer Medien vom Montag, 28. September, nennen Forderungen weiterer Oppositionsparteien nach Antworten. Eine Bestätigung des vom Wall Street Journal beschriebenen Gesprächs durch die griechische Regierung lag zunächst nicht vor.

Damit bleibt auch die Papastavrou zugeschriebene Reaktion Bestandteil der Darstellung des Wall Street Journal. Eine separate öffentliche Bestätigung des Ministers zu diesem konkreten Wortwechsel war zunächst nicht veröffentlicht.

Energiepolitik bildet den Hintergrund des Berichts

Der Bericht des Wall Street Journal beschäftigt sich über den einzelnen Wortwechsel hinaus mit Guilfoyles Rolle bei Energieprojekten in Südosteuropa. Im Mittelpunkt steht unter anderem der sogenannte Vertical Gas Corridor. Über diese Route soll Gas von Griechenland über Bulgarien und Rumänien weiter nach Mittel- und Osteuropa transportiert werden.

Guilfoyle hat die Ausweitung dieser Energieverbindungen öffentlich unterstützt. Die amerikanische Politik verfolgt dabei das Ziel, mehr US-Flüssigerdgas nach Europa zu liefern und die Abhängigkeit der Region von russischem Gas weiter zu reduzieren. Der Wall-Street-Journal-Bericht untersucht zugleich die Rolle privater Geschäftsinteressen rund um solche Projekte.

Guilfoyle ist seit November 2025 US-Botschafterin in Griechenland und die erste Frau auf diesem Posten. Das US-Außenministerium führt sie offiziell als Botschafterin in Athen. In öffentlichen Auftritten hat sie die Beziehungen zwischen Washington und Athen wiederholt als strategische Partnerschaft dargestellt.

Keine öffentliche Bestätigung der zugeschriebenen Aussage

Entscheidend bleibt der unterschiedliche Bestätigungsstand. Gesichert ist, dass das Wall Street Journal die Äußerung unter Berufung auf eigene Quellen veröffentlicht hat. Ebenso bestätigt ist, dass Guilfoyles Anwalt die Darstellung des Wortwechsels bestritten hat.

Nicht gesichert ist dagegen, dass die Äußerung tatsächlich in der berichteten Form gefallen ist. Ein öffentlich zugängliches Tonband, Video oder Wortprotokoll liegt nicht vor. Auch eine direkte öffentliche Erklärung Guilfoyles zu dem konkreten Zitat war zunächst nicht bekannt.

Die US-Botschafterin äußerte sich in den vergangenen Wochen weiterhin öffentlich zu den griechisch-amerikanischen Beziehungen und bezeichnete Griechenland Anfang September als wichtigen Verbündeten und Stabilitätsfaktor in der Region.

Der Bericht hat damit vor allem eine politische Debatte darüber ausgelöst, was bei dem privaten Treffen in Athen tatsächlich gesagt wurde. Während Oppositionsparteien in Griechenland Antworten verlangen, bleibt die zentrale Aussage über den angeblichen Wortwechsel zwischen Guilfoyle und Papastavrou umstritten.

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