Felsstürze am Monte Pelmo und die wachsenden Risiken in den Dolomiten

Ein Schild zeigt Warnung
Symbolbild mit KI erstellt

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Mehrere Felsabbrüche am Monte Pelmo haben im August die Aufmerksamkeit erneut auf die Stabilität hochalpiner Felswände in den Dolomiten gelenkt. Nach wiederholten Abgängen auf der Nordseite des markanten Berges in der italienischen Provinz Belluno wurden gefährdete Bereiche für Wanderer und Bergsteiger gesperrt. Rettungskräfte und Feuerwehr kontrollierten das Gelände teilweise aus der Luft. Nach dem bestätigten Stand wurden bei den jüngsten Ereignissen keine Menschen verletzt.

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Mehrere Felsabbrüche innerhalb weniger Wochen

Am Monte Pelmo hatten sich bereits Ende Juli und Anfang August mehrfach Gesteinsmassen gelöst. Am 9. August kam es nach örtlichen Angaben erneut zu Abbrüchen auf dem Bereich zwischen Passo Staulanza und Forcella Val d’Arcia. Innerhalb kurzer Zeit löste sich dort zweimal Fels aus der Wand. Staubwolken waren aus größerer Entfernung zu erkennen.

Bergrettung und Feuerwehr überprüften anschließend das betroffene Gebiet. Dabei kam auch ein Hubschrauber zum Einsatz. Hinweise auf verschüttete oder verletzte Personen ergaben sich nach den veröffentlichten Angaben nicht.

In den folgenden Tagen wurden weitere Bewegungen am Berg registriert. Die Gemeinde Borca di Cadore ließ deshalb Bereiche unterhalb der Nordwestseite des Pelmo sperren. Die Maßnahme soll verhindern, dass Wanderer und Bergsteiger in Zonen gelangen, die bei weiteren Abbrüchen von Gestein erreicht werden könnten.

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Nicht alle Wege rund um den Pelmo betroffen

Die Sperrungen betreffen nicht sämtliche Wanderwege rund um den Berg. Nach den veröffentlichten Angaben blieben unter anderem Verbindungen zwischen den Hütten Rifugio Venezia und Rifugio Città di Fiume über ausgewiesene Routen nutzbar. Für einzelne Wege und Zugänge gelten jedoch Einschränkungen.

Entscheidend für Wanderer ist deshalb die aktuelle Beschilderung vor Ort. Sperrungen können sich nach Felsstürzen, Starkregen oder weiteren geologischen Veränderungen kurzfristig ändern. Ein Weg, der auf einer älteren Karte oder in einer Navigations-App eingezeichnet ist, muss nicht zwangsläufig begehbar sein.

Auch der italienische Alpenverein CAI empfiehlt, vor einer Bergtour die tatsächliche Begehbarkeit eines Weges, die Wetterentwicklung, Schwierigkeit, Länge und Höhenunterschied sowie mögliche ausgesetzte Abschnitte zu prüfen. Digitale Karten und GPS-Daten können bei der Orientierung helfen, ersetzen nach Einschätzung des Verbandes aber nicht aktuelle Informationen über die Verhältnisse im Gelände.

Warum Felsstürze in den Alpen häufiger werden können

Felsstürze in den Dolomiten sind grundsätzlich kein neues Phänomen. Frost, Niederschlag, geologische Klüfte, Erosion und Temperaturschwankungen verändern Gebirgswände seit jeher. Der Klimawandel verändert jedoch wichtige Bedingungen, die die Stabilität hochgelegener Felsregionen beeinflussen.

Eine zentrale Rolle spielt Permafrost. Damit wird Untergrund bezeichnet, dessen Temperatur mindestens zwei Jahre in Folge unter null Grad Celsius liegt. Er kommt in den Alpen vor allem in großen Höhen sowie an besonders kalten und schattigen Felswänden vor.

Der Weltklimarat IPCC hält fest, dass sich Permafrost in europäischen Hochgebirgen in den vergangenen Jahrzehnten erwärmt und teilweise abgebaut hat. Für Regionen mit degradierendem Permafrost sieht der IPCC belastbare Hinweise darauf, dass sich häufiger Fels aus steilen Wänden löst.

Wasser kann zusätzlich in Risse und Klüfte eindringen. Schmilzt dort Eis, das zuvor zur Stabilität des Gesteins beigetragen hatte, können einzelne Blöcke oder größere Felspartien instabiler werden. Sommerliche Hitzeperioden können solche Prozesse beschleunigen.

Einzelne Felsstürze haben meist mehrere Ursachen

Aus dem langfristigen Zusammenhang folgt allerdings nicht, dass sich jeder einzelne Felssturz unmittelbar auf den Klimawandel zurückführen lässt. Für eine solche Feststellung wären Untersuchungen der jeweiligen Felswand, ihrer geologischen Struktur und der Temperatur- und Wasserverhältnisse notwendig.

Auch am Pelmo müssten die Ursachen konkreter Abbrüche deshalb jeweils geologisch untersucht werden. Hitze oder auftauender Permafrost kommen als mögliche Einflussfaktoren infrage, dürfen ohne entsprechende behördliche oder wissenschaftliche Untersuchung aber nicht als alleinige Ursache eines bestimmten Ereignisses gelten.

Neben langfristiger Erwärmung können beispielsweise intensive Niederschläge, Wasser in Felsspalten, natürliche Verwitterung oder bereits vorhandene Klüfte zur Destabilisierung beitragen.

Bergwanderer sollten Sperrungen strikt beachten

Für Menschen, die in den kommenden Wochen in den Dolomiten unterwegs sind, ergeben sich daraus vor allem praktische Konsequenzen. Offizielle Wegsperrungen sollten nicht umgangen werden. Vor Tourbeginn empfiehlt sich eine Kontrolle der regionalen Wettervorhersage und der aktuellen Hinweise von Gemeinden, Hütten, Bergrettung oder Alpenvereinen.

Nach heftigen Gewittern und Starkregen ist besondere Vorsicht erforderlich. Der CAI warnt unter anderem vor gefährdeten Bachläufen, Rinnen und Wegen, die durch Muren oder Hangbewegungen beschädigt worden sein können. Ein früher Start kann im Sommer außerdem helfen, große Hitze und die häufig am Nachmittag auftretenden Gewitter zu vermeiden.

Die Ereignisse am Pelmo zeigen zugleich, wie schnell sich Bedingungen im Hochgebirge verändern können. Selbst bekannte und regelmäßig begangene Routen können nach einem Felssturz oder Unwetter kurzfristig unpassierbar werden. Wer in den Dolomiten unterwegs ist, sollte deshalb aktuelle Informationen stärker gewichten als gespeicherte Routendaten oder ältere Tourenbeschreibungen.

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