Fiege-Insolvenz in Unna: 1.250 Arbeitsplätze nach Galeria-Pleite betroffen

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die erneute Insolvenz der Warenhauskette Galeria hat weitreichende Folgen für einen ihrer wichtigsten Logistikpartner. Der Logistikdienstleister Fiege hat für seine Betreibergesellschaften am Standort Unna ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Rund 1.250 Beschäftigte sind davon betroffen. Das Unternehmen will den Standort erhalten und sucht deshalb nach zusätzlichen Kunden. Die Belieferung der Galeria-Warenhäuser ist zunächst bis zum 31. Dezember 2026 gesichert. Wie es danach weitergeht, ist offen.

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Die Entwicklung zeigt, wie stark die wirtschaftlichen Schwierigkeiten großer Handelsunternehmen auch ihre Dienstleister treffen können. Das Logistikzentrum in Unna arbeitet bislang ausschließlich für Galeria. Die weitere Auslastung hängt deshalb unmittelbar davon ab, wie sich der insolvente Warenhauskonzern entwickelt und welchen Umfang seine Logistik künftig haben wird.

Fiege-Standort Unna übernimmt zentrale Galeria-Logistik

Das Logistikzentrum in Unna ist ein wichtiger Bestandteil der Warenversorgung von Galeria. Von dort aus werden sämtliche 83 Warenhäuser der Kette in Deutschland beliefert. Fiege verantwortet dabei sowohl den operativen Lagerbetrieb als auch die Organisation der Transporte zu den Filialen. Die Immobilie selbst wird von Galeria gemietet.

Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen besteht bereits seit mehreren Jahren. Im Januar 2025 hatten Galeria und Fiege ihre Partnerschaft neu aufgestellt und ausgeweitet. Seitdem steuert Fiege die gesamte Logistik für die Warenhauskette über das zentrale Lager in Unna. Dazu gehören neben der Lagerverwaltung auch die Organisation und Durchführung der Transporte.

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Die damalige Neuordnung sollte die Warenbestände und logistischen Abläufe bündeln und effizienter gestalten. Auch das Lagerverwaltungssystem und die Anbindung an andere Systeme sollten modernisiert werden. Für den Logistikdienstleister bedeutete die Vereinbarung eine langfristig angelegte Zusammenarbeit mit einem großen Handelsunternehmen. Durch die erneute Insolvenz von Galeria steht diese Geschäftsgrundlage nun unter Druck.

Erneute Galeria-Insolvenz löst Probleme bei Fiege aus

Ausgangspunkt der aktuellen Entwicklung ist der Insolvenzantrag von Galeria vom 2. Oktober 2026. Die Warenhauskette beantragte beim Amtsgericht Düsseldorf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Es handelt sich bereits um die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Warenhäusern soll zunächst weiterlaufen.

Für Galeria geht es darum, die wirtschaftlichen Voraussetzungen für eine Fortführung des Unternehmens zu schaffen. Welche Warenhäuser dauerhaft erhalten bleiben können, ist noch nicht entschieden. Bereits vor dem erneuten Insolvenzantrag hatte das Unternehmen angekündigt, die wirtschaftliche Tragfähigkeit zahlreicher Standorte zu überprüfen.

Die Entwicklung betrifft auch die Logistik. Wenn Galeria künftig weniger Warenhäuser betreibt oder seine Warenversorgung verändert, kann sich dadurch der Bedarf an Lagerflächen, Personal und Transportleistungen verringern. Für Fiege in Unna ist diese Abhängigkeit besonders ausgeprägt, weil das Logistikzentrum ausschließlich für die Warenhauskette arbeitet.

Damit hängt die wirtschaftliche Zukunft des Standorts nicht allein von Entscheidungen des Logistikunternehmens ab. Auch der weitere Verlauf des Insolvenzverfahrens bei Galeria und dessen künftige Geschäftsstruktur spielen eine wesentliche Rolle.

Vereinbarung sichert Logistikbetrieb bis Ende Dezember

Trotz des Insolvenzverfahrens soll die Warenversorgung der Galeria-Filialen zunächst gesichert bleiben. Fiege und Galeria haben eine Fortführungsvereinbarung geschlossen, die den Betrieb des Logistikzentrums und die vereinbarten Dienstleistungen bis zum 31. Dezember 2026 absichert.

Damit besteht für die kommenden Wochen eine Grundlage, um Lagerbetrieb und Transporte fortzusetzen. Gleichzeitig verschafft die Vereinbarung den Beteiligten Zeit, um über die weitere Zusammenarbeit zu entscheiden. Sie stellt allerdings keine langfristige Beschäftigungsgarantie dar.

Fiege will den Standort nach eigenen Angaben erhalten und möglichst viele der rund 1.250 Arbeitsplätze sichern. Das Unternehmen steht dazu im Austausch mit Galeria. Parallel werden gezielt mögliche neue Auftraggeber angesprochen.

Mit zusätzlichen Kunden könnte das Logistikzentrum künftig breiter aufgestellt werden. Allerdings weist Fiege darauf hin, dass die Gewinnung neuer Kunden angesichts der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anspruchsvoll sei und Zeit benötige. Ob entsprechende Verträge zustande kommen, war zunächst nicht bekannt.

Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung soll Handlungsspielraum erhalten

Für den Standort Unna hat Fiege ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eingeleitet. Dabei handelt es sich um eine gesetzlich vorgesehene Form der Unternehmenssanierung. Anders als bei einem regulären Insolvenzverfahren bleibt die Geschäftsführung bei gerichtlich angeordneter Eigenverwaltung grundsätzlich selbst für die Verwaltung des Unternehmens verantwortlich.

Die Eigenverwaltung erfolgt unter der Aufsicht eines Sachwalters. Dieser überwacht das Verfahren und achtet auf die Interessen der Gläubiger. Die rechtlichen Grundlagen sind in der Insolvenzordnung geregelt. Das Verfahren soll ermöglichen, einen wirtschaftlich tragfähigen Weg für die Fortsetzung eines Unternehmens zu entwickeln.

Für Fiege bedeutet dieser Schritt, dass die betroffenen Gesellschaften am Standort Unna ihre wirtschaftliche Situation innerhalb eines geregelten Insolvenzverfahrens bearbeiten können. Der laufende Betrieb muss deshalb nicht automatisch eingestellt werden.

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung bedeutet allerdings auch nicht, dass die Sanierung bereits erfolgreich abgeschlossen ist. Entscheidend bleibt, ob für den Standort eine dauerhaft tragfähige wirtschaftliche Grundlage geschaffen werden kann.

Rund 1.250 Beschäftigte bangen um ihre Arbeitsplätze

Für die Belegschaft in Unna bringt das Insolvenzverfahren erhebliche Unsicherheit. Rund 1.250 Menschen arbeiten an dem Standort. Wie viele Arbeitsplätze langfristig bestehen bleiben können, ist bislang nicht geklärt. Eine vollständige Schließung des Logistikzentrums ist ebenso wenig beschlossen wie der Abbau sämtlicher Stellen.

Die Löhne und Gehälter sollen im Rahmen des eingeleiteten Verfahrens vorläufig durch Insolvenzgeld abgesichert werden. Diese Leistung der Bundesagentur für Arbeit dient dazu, ausstehendes Arbeitsentgelt bei einer Insolvenz für einen gesetzlich begrenzten Zeitraum zu ersetzen.

Grundsätzlich umfasst das Insolvenzgeld die letzten drei Monate des Arbeitsverhältnisses vor dem maßgeblichen Insolvenzereignis, sofern entsprechende Ansprüche auf Arbeitsentgelt bestehen. Die Leistung soll verhindern, dass Beschäftigte unmittelbar die finanziellen Folgen ausbleibender Lohnzahlungen tragen müssen. Sie bietet jedoch keine dauerhafte Absicherung der Arbeitsplätze.

Nach Angaben von Fiege wurden die Beschäftigten und die zuständigen Arbeitnehmervertretungen über die Entscheidung informiert. Gespräche mit den Betriebsräten seien aufgenommen worden. Das Unternehmen bezeichnete die Zusammenarbeit als konstruktiv und kündigte an, über wesentliche Entwicklungen zu informieren.

Insolvenz betrifft nicht die gesamte Fiege-Gruppe

Das Insolvenzverfahren ist auf die betroffenen Gesellschaften am Standort Unna beschränkt. Andere Niederlassungen der Fiege-Gruppe sind nach Unternehmensangaben nicht betroffen. Damit handelt es sich nicht um eine Insolvenz des gesamten Logistikunternehmens.

Fiege ist ein international tätiges Familienunternehmen mit Hauptsitz in Greven. Nach eigenen Angaben beschäftigt die Gruppe rund 21.000 Menschen an 131 Standorten in 15 Ländern. Das Unternehmen gehört damit zu den größeren europäischen Logistikdienstleistern.

Die wirtschaftlichen Probleme in Unna stehen im Zusammenhang mit der besonderen Kundenstruktur des dortigen Betriebs. Während die Unternehmensgruppe zahlreiche Standorte und unterschiedliche Geschäftsbereiche betreibt, ist das Galeria-Logistikzentrum bislang vollständig von einem Auftraggeber abhängig. Die Insolvenz der Warenhauskette hat deshalb für diesen Standort besonders weitreichende Konsequenzen.

Zukunft des Logistikzentrums hängt von Galeria und neuen Kunden ab

Für die nächsten Wochen ist die Fortführung des Logistikbetriebs vereinbart. Bis Ende Dezember sollen die Dienstleistungen für Galeria weiter erbracht werden. Danach hängt die Entwicklung unter anderem davon ab, welche Vereinbarungen zwischen den Unternehmen getroffen werden und ob Fiege zusätzliche Auftraggeber gewinnen kann.

Das Unternehmen verfolgt weiterhin das Ziel, den Standort in Unna und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Gleichzeitig ist noch offen, welchen Umfang die Warenversorgung von Galeria nach der laufenden Sanierung haben wird.

Damit stehen zwei wirtschaftliche Entwicklungen in engem Zusammenhang: die Zukunft der Warenhauskette und die weitere Nutzung des Logistikzentrums. Für die rund 1.250 Beschäftigten ist die Fortführungsvereinbarung zunächst eine vorübergehende Absicherung des Betriebs. Eine langfristige Lösung für den Standort ist damit noch nicht gefunden.

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