Flughafen Stuttgart drohen 2026 wieder rote Zahlen nach kurzer Rückkehr in die Gewinnzone

Mittendrin Flughafen Frankfurt – Terminal 3 Testbetrieb mit Komparsen
Mittendrin Flughafen Frankfurt heute um 21:00 Uhr im HR (Foto: Symbolbild)

Teilen:

Der Flughafen Stuttgart rechnet für das laufende Jahr mit sinkenden Passagierzahlen und einem möglicherweise negativen Geschäftsergebnis. Damit könnte der größte Flughafen Baden-Württembergs bereits ein Jahr nach seiner Rückkehr in die Gewinnzone erneut Verluste schreiben. Flughafenchef Ulrich Heppe verweist auf die schwache Wirtschaft, internationale Krisen und hohe Kosten für den Luftverkehr in Deutschland.

Anzeige

Flughafenchef Ulrich Heppe erwartet leichtes Minus

Der Sprecher der Geschäftsführung der Flughafen Stuttgart GmbH, Ulrich Heppe, geht für 2026 von einem leicht negativen Ergebnis aus. Das erklärte er in einem Interview mit der Schwäbischen Zeitung, über das die Deutsche Presse-Agentur am Samstag, 31. Oktober 2026, berichtete.

Auch bei den Passagierzahlen erwartet der Flughafenchef einen Rückgang. Bereits im Januar hatte die Flughafengesellschaft ihre Prognose für das laufende Jahr auf rund 9,4 Millionen Fluggäste beziffert. Gegenüber den knapp 9,57 Millionen Reisenden des Vorjahres wäre das ein Rückgang um rund zwei Prozent.

Wie hoch ein möglicher Jahresverlust ausfallen könnte, ist bislang nicht beziffert. Heppe hatte bereits bei der Vorstellung der Geschäftszahlen im April auf die schwierigen Aussichten für 2026 hingewiesen. Die aktuellen Aussagen bestätigen damit einen wirtschaftlichen Trend, vor dem die Geschäftsführung schon seit mehreren Monaten warnt.

Anzeige

Nach dem ersten Gewinn seit 2019 droht erneut ein Rückschlag

Die erwartete Entwicklung fällt besonders ins Gewicht, weil der Flughafen Stuttgart erst 2025 wieder schwarze Zahlen geschrieben hatte.

Die Betreibergesellschaft erzielte im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 2,1 Millionen Euro. Im Jahr 2024 hatte sie noch einen Verlust von 6,1 Millionen Euro ausgewiesen.

Der Umsatz lag 2025 bei 290,8 Millionen Euro, nach 278,2 Millionen Euro im Vorjahr. Gleichzeitig stieg die Zahl der Passagiere um 4,8 Prozent auf 9.569.617. Damit gelang dem Flughafen erstmals seit 2019 wieder ein positives Jahresergebnis.

Allerdings blieb der Gewinn im Verhältnis zum Umsatz gering. Schon vergleichsweise moderate Veränderungen bei Einnahmen und Kosten können deshalb Auswirkungen auf das Jahresergebnis haben.

Hohe Kerosinpreise und Standortkosten belasten den Flughafen

Als wesentliche Belastungsfaktoren nennt Heppe die geopolitischen Spannungen, steigende Kerosinpreise und die schwache wirtschaftliche Entwicklung. Besonders die Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt erschwere die wirtschaftliche Planung.

Hinzu kämen die hohen staatlich verursachten Standortkosten in Deutschland. Nach Darstellung des Flughafenchefs seien diese am Standort Stuttgart gegenüber 2019 um 126 Prozent gestiegen. Die vom Flughafen selbst verursachten Kosten hätten im gleichen Zeitraum lediglich um zwölf Prozent zugenommen.

Heppe sieht darin einen Wettbewerbsnachteil gegenüber Flughäfen in anderen europäischen Ländern. Die hohen Belastungen erschwerten es, internationale Fluggesellschaften für neue Verbindungen von und nach Deutschland zu gewinnen.

Für den Flughafen bedeutet das ein schwieriges Marktumfeld. Die wirtschaftliche Entwicklung hängt nicht nur von den Reisenden ab, sondern auch davon, welche Strecken Fluggesellschaften anbieten und zu welchen Kosten sie diese betreiben können.

Schwäche im deutschen Luftverkehr hält an

Die Entwicklung in Stuttgart steht im Zusammenhang mit der allgemeinen Lage des deutschen Luftverkehrs.

Nach Angaben des Flughafenverbands ADV wurden von Januar bis August 2026 an deutschen Flughäfen rund 141,83 Millionen Passagiere gezählt. Das waren 0,4 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Gegenüber dem gleichen Zeitraum des Jahres 2019 lag das Passagieraufkommen sogar 14,9 Prozent niedriger. Auch die Zahl der gewerblichen Starts und Landungen blieb deutlich hinter dem Niveau vor der Corona-Pandemie zurück.

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt stellte für den Sommer 2026 ebenfalls eine unterschiedliche Entwicklung der internationalen Luftverkehrsmärkte fest. Während das weltweite Flugangebot im August leicht zunahm, blieb Deutschland unter dem Vorjahresniveau.

Die Probleme beschränken sich damit nicht auf Stuttgart. Allerdings unterscheiden sich die wirtschaftlichen Voraussetzungen der einzelnen Flughäfen erheblich.

Stuttgart liegt weiter deutlich unter dem Niveau von 2019

Auch mehrere Jahre nach der Corona-Pandemie hat der Flughafen Stuttgart sein früheres Passagieraufkommen nicht wieder erreicht.

Im Jahr 2019 nutzten rund 12,7 Millionen Menschen den Flughafen. Selbst mit den für 2026 erwarteten 9,4 Millionen Reisenden würde Stuttgart noch rund ein Viertel unter diesem Wert liegen.

Hinzu kommt eine Veränderung bei den Reisegewohnheiten. Nach früheren Angaben von Heppe ist insbesondere der touristische Verkehr von Bedeutung, während die Nachfrage nach Geschäftsreisen stagniert.

Gerade für einen Flughafen in einer wirtschaftlich stark von Industrieunternehmen geprägten Region wirkt sich die schwache Konjunktur damit auf das Geschäft aus.

Flughafen setzt auf Kostendisziplin

Die Flughafengesellschaft hat bereits Maßnahmen zur Begrenzung ihrer Ausgaben eingeleitet. Nach Angaben der Geschäftsführung wurde Ende 2025 ein internes Sparprogramm aufgesetzt. Damit sollen Abläufe effizienter gestaltet und die Kosten besser kontrolliert werden.

Gleichzeitig hält der Flughafen an langfristigen Investitionsvorhaben fest. Dazu gehören die Modernisierung der Infrastruktur und Maßnahmen zur Verringerung der Treibhausgasemissionen. Bis 2040 strebt die Flughafengesellschaft einen im Betrieb netto treibhausgasneutralen Airport an.

Damit steht das Unternehmen vor der Aufgabe, kurzfristig seine wirtschaftliche Stabilität zu sichern und zugleich Investitionen für die kommenden Jahre vorzubereiten.

Auch die Aussichten für 2027 bleiben unsicher

Für 2027 hält Heppe eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage für möglich. Eine verlässliche Prognose wollte der Flughafenchef allerdings noch nicht abgeben.

Entscheidend dürften aus seiner Sicht insbesondere die weitere geopolitische Entwicklung, die Kerosinpreise und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sein.

Für 2026 zeichnet sich nach den aktuellen Erwartungen der Geschäftsführung dagegen ein schwieriges Geschäftsjahr ab. Ob der Flughafen Stuttgart tatsächlich wieder einen Verlust ausweisen wird und wie hoch dieser ausfällt, wird sich erst mit dem Jahresabschluss zeigen.

Mit MS-Aktuell immer ohne Paywall lesen
Bei Google bevorzugen

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu