
Der verletzte Kapitän des Flydubai-Flugs FZ1073 von Dubai nach Tel Aviv hat erstmals selbst ausführlicher über den Angriff im Cockpit gesprochen. Smit Machchhar schilderte am Freitag in einem Videogespräch mit Indiens Premierminister Narendra Modi, wie er nach schweren Verletzungen versuchte, die Cockpittür zu öffnen und Hilfe zu holen. Die Maschine mit 174 Menschen an Bord war am Mittwoch, 30. September, nach einem Zwischenfall im Cockpit nach Tabuk in Saudi-Arabien umgeleitet worden und dort sicher gelandet.
Der Co-Pilot soll Machchhar während des Fluges mit einem Messer angegriffen haben. Während der Auseinandersetzung verlor die Boeing 737 innerhalb weniger Sekunden mehrere Tausend Meter an Höhe. Andere Besatzungsmitglieder und Menschen an Bord griffen anschließend ein. Weitere Flydubai-Piloten, die sich an Bord befanden, übernahmen das Flugzeug und brachten es nach Saudi-Arabien.
Machchhar wird inzwischen in einem Krankenhaus in Abu Dhabi behandelt. In dem am Freitag veröffentlichten Gespräch mit Modi sagte er, dass er nach dem Angriff am Boden des Cockpits gelegen habe und zahlreiche Verletzungen gehabt habe. Gleichzeitig habe er erkannt, dass das Flugzeug stark an Höhe verlor.
Nach seiner Darstellung konzentrierte er sich darauf, die Tür des Cockpits zu erreichen und zu öffnen. Dadurch konnten weitere Personen hineingelangen und eingreifen. Machchhar sagte, ihm sei in diesem Moment bewusst gewesen, dass neben seinem eigenen Leben auch die Menschen an Bord in Gefahr waren.
Die indische Regierung veröffentlichte das knapp zehnminütige Gespräch. Modi würdigte die Entscheidungen des Kapitäns und erklärte, dessen Handeln habe zahlreiche Menschenleben geschützt. Machchhar war nach dem Zwischenfall zunächst in Saudi-Arabien medizinisch versorgt und anschließend nach Abu Dhabi gebracht worden.
Die Behörden der Vereinigten Arabischen Emirate haben eine eigene Untersuchung des Vorfalls eingeleitet. Generalstaatsanwalt Hamad Saif Al Shamsi setzte dafür ein spezialisiertes Ermittlerteam ein. Untersucht werden sollen die Umstände und Motive sowie die Frage, ob der Vorfall mit terroristischen Aktivitäten oder Absichten zusammenhing und ob es eine vorherige Planung oder Anweisung gab.
Damit ist die behördliche Untersuchung der Hintergründe noch nicht abgeschlossen. Auch zu einer möglichen Beteiligung weiterer Personen oder Staaten gibt es bislang keine gesicherten Erkenntnisse.
Eine deutlichere politische Einordnung kam am Freitag von Anwar Gargash, dem diplomatischen Berater des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate. Er bezeichnete den Vorfall öffentlich als terroristischen Akt und würdigte zugleich das Verhalten des indischen Kapitäns. Gargash warnte allerdings auch vor vereinfachenden Erklärungen und Verschwörungstheorien.
Beim Flydubai-Flug nach Tel Aviv bleibt damit zwischen der politischen Bewertung des Vorfalls und den noch laufenden strafrechtlichen Ermittlungen zu unterscheiden. Die emiratische Staatsanwaltschaft hatte ausdrücklich angekündigt, auch einen möglichen terroristischen Hintergrund erst anhand der Ermittlungen zu prüfen.
US-Präsident Donald Trump hat unterdessen einen möglichen Zusammenhang mit dem Iran angedeutet. Auf die Frage, ob er über entsprechende Verbindungen informiert worden sei, sagte Trump am Donnerstag in Washington, nach dem, was er höre, könne dies der Fall sein. Zugleich erklärte er, die Untersuchungen liefen noch.
Belege für eine Beteiligung des Iran legte Trump nicht vor. Eine unabhängige Bestätigung für eine Verbindung des Co-Piloten zu iranischen Stellen lag am Freitag ebenfalls nicht vor. Trump drohte dem Iran mit einer harten Reaktion für den Fall, dass eine Beteiligung nachgewiesen werde.
Auch Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte sich zu möglichen Hintermännern geäußert, erklärte jedoch zunächst, es sei zu früh, eine Verbindung zum Iran oder zu anderen Akteuren festzustellen. Die genauen Hintergründe des Angriffs blieben damit offen.
Der Vorfall hat auch Folgen für den Flugverkehr. Flydubai setzte seine Verbindungen nach Israel zunächst aus. Die Strecke zwischen Dubai und Tel Aviv hat seit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten und Israel eine besondere Bedeutung für den Reiseverkehr zwischen beiden Ländern.
Nach dem Zwischenfall rückte zugleich die Sicherheit im Cockpit in den Mittelpunkt. Von den Behörden soll unter anderem geklärt werden, wie es zu dem Angriff kommen konnte und welche Abläufe während des starken Höhenverlusts eine Rolle spielten.
Fest steht bislang, dass die Maschine sicher in Tabuk landete und eine Katastrophe verhindert wurde. Die Frage, weshalb der Co-Pilot den Kapitän angriff und ob hinter dem Vorfall ein terroristischer Plan oder weitere Beteiligte standen, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen. Für Trumps Vermutung einer iranischen Verbindung lagen zunächst keine öffentlich belegten Nachweise vor.
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