Frankfurter Buchmesse öffnet: Tschechien prägt die 78. Ausgabe

Das Bild zeigt eine Lupe, die etwas sucht und symbolisiert eine Internetsuche
Symbolbild mit KI erstellt

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Die Frankfurter Buchmesse 2026 ist eröffnet. Nach dem Festakt am Dienstagabend beginnt an diesem Mittwoch der reguläre Messebetrieb in Frankfurt am Main. Bis Sonntag wird die 78. Ausgabe der internationalen Bücherschau zum Treffpunkt für Verlage, Autoren, Agenturen, Buchhändler und Kreativbranchen aus zahlreichen Ländern. Im Mittelpunkt steht in diesem Jahr Tschechien als Ehrengast. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt eine Ankündigung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer: Gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft soll künftig ein „Literarisches Wort des Jahres“ ausgezeichnet werden. Die erste Kür ist für das kommende Jahr geplant.

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Offizielle Eröffnung am Dienstagabend in Frankfurt

Der Festakt zur Eröffnung fand am Dienstag, 6. Oktober, im Congress Center der Messe Frankfurt statt. Zum Programm gehörten unter anderem Reden von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer, dem tschechischen Kulturminister Oto Klempíř, Frankfurts Oberbürgermeister Mike Josef und dem hessischen Kulturminister Timon Gremmels. Auch EU-Kulturkommissar Glenn Micallef war angekündigt. Die tschechischen Autorinnen Marie Iljašenko und Radka Denemarková gestalteten den Abend literarisch mit. Anschließend wurde auch der Ehrengast-Pavillon eröffnet.

Während der Rede des tschechischen Kulturministers kam es zu Zwischenrufen und Pfiffen im Saal. Denemarkovás Auftritt wurde dagegen mit starkem Applaus aufgenommen. Buchmessendirektor Juergen Boos vollzog bei der Zeremonie den symbolischen Akt zur Eröffnung.

Tschechien bringt 75 Autoren nach Frankfurt

Der Ehrengast Tschechien tritt unter dem Motto „Ein Land an der Küste“ auf. Die literarische Anspielung greift eine Vorstellung aus William Shakespeares „Wintermärchen“ auf, in dem Böhmen entgegen der tatsächlichen Geografie am Meer liegt. Der eigens gestaltete Pavillon übersetzt diese Idee in eine künstliche Küstenlandschaft mit großen hellen Elementen, einem Leuchtturm und interaktiven Installationen.

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75 tschechische Autorinnen und Autoren sind für das Ehrengastprogramm nach Frankfurt eingeladen. Vertreten sind Belletristik, Lyrik, Sachbuch, Kinder- und Jugendliteratur, Comics und Theater. Seit 2024 sind im Zusammenhang mit dem Ehrengastauftritt weit über 100 tschechische Bücher in deutscher Übersetzung erschienen. Rund um die Messe sind außerdem mehr als 100 literarische und kulturelle Veranstaltungen vorgesehen.

Weimer kündigt Literarisches Wort des Jahres an

Eine der konkretesten kulturpolitischen Neuerungen des Eröffnungsabends betrifft die deutsche Sprache. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer kündigte eine neue Auszeichnung mit dem Namen „Literarisches Wort des Jahres“ an. Das Projekt soll gemeinsam mit der Grimmelshausen-Gesellschaft und weiteren Partnern entwickelt werden. Eine Jury soll dafür sowohl ältere Literatur als auch Neuerscheinungen nach bemerkenswerten Wortschöpfungen durchsuchen.

Der Vorschlag ist als positives Gegenstück zum etablierten „Unwort des Jahres“ gedacht. Einen Preisträger oder ein ausgewähltes Wort für 2026 gibt es allerdings nicht. Nach den bislang veröffentlichten Angaben soll das erste „Literarische Wort des Jahres“ erst 2027 gekürt werden. Details zur endgültigen Zusammensetzung der Jury und zum genauen Auswahlverfahren wurden zunächst nicht genannt.

KI, Meinungsfreiheit und Rechtehandel prägen die Messe

Neben Literatur und Neuerscheinungen stehen bei der Frankfurter Buchmesse erneut grundlegende Veränderungen der Medienbranche auf dem Programm. Bei der Eröffnungspressekonferenz rückten Buchmessendirektor Juergen Boos, Börsenvereinsvorsteher Sebastian Guggolz und die US-Historikerin Jill Lepore insbesondere Publikationsfreiheit, Demokratie und den gesellschaftlichen Umgang mit Technologie in den Mittelpunkt.

Im Fachprogramm spielen Künstliche Intelligenz, Urheberrecht, digitale Vertriebswege sowie der internationale Rechte- und Lizenzhandel eine wichtige Rolle. Hinzu kommen Audioangebote und die Verbindung von Büchern mit Film, Serien, Comics und Games. Allein das kulturpolitische Programm „Frankfurt Calling“ umfasst nach Angaben der Messe 120 Veranstaltungen an elf Orten. Insgesamt weist der Veranstaltungskalender mehr als 3.000 Termine aus.

Neues Hallenkonzept soll die Messe übersichtlicher machen

2026 tritt auch eine neue Hallenstruktur in Kraft. Publikumsorientierte Themen wurden verstärkt in den unteren Ebenen rund um die Agora gebündelt. Fachbereiche mit stärkerem B2B-Schwerpunkt, darunter Rechtehandel und internationale Branchenangebote, liegen überwiegend auf anderen Ebenen. Damit sollen sich die Wege von Fachpublikum und privaten Besuchern stärker voneinander unterscheiden.

Kinder- und Jugendmedien, Comics, Manga, Hörbücher und publikumsstarke Genres erhalten zugleich eigene oder neu geordnete Bereiche. Die Messe reagiert damit auch auf ihren Wandel vom klassischen Branchentreffen hin zu einer Veranstaltung, bei der neben Rechtegeschäften und Verlagskontakten große Autorenauftritte, Signierstunden und Fan-Communities eine zunehmende Rolle spielen.

Publikum darf ab Freitag auf das Messegelände

An diesem Mittwoch und Donnerstag steht zunächst das Fachgeschäft im Vordergrund. Fachbesucher können am Mittwoch und Donnerstag jeweils von 9 bis 18.30 Uhr auf das Gelände. Am Freitag, 9. Oktober, öffnet die Frankfurter Buchmesse ab 11 Uhr auch für Privatbesucher. Am Samstag gelten für das Publikum Öffnungszeiten von 9 bis 18.30 Uhr, am Sonntag von 9 bis 17.30 Uhr. Die Messe weist darauf hin, dass die Kontingente für Privatbesuchertickets begrenzt sind.

Zum Publikumsprogramm gehören Lesungen, Gespräche und Signierstunden sowie Veranstaltungen zu Krimi, Romance, Romantasy, Kinderbüchern, Manga und Comics. Angekündigt sind unter anderem Cornelia Funke, Colson Whitehead, Sven Regener, Gisèle Pelicot und zahlreiche weitere internationale Gäste. Die Frankfurter Buchmesse läuft bis Sonntag, 11. Oktober.

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