
Die angeschlagene Warenhauskette Galeria sucht nach ihrer vierten Insolvenz innerhalb von sechs Jahren erneut nach Investoren. Gleichzeitig sollen sämtliche 83 verbliebenen Warenhäuser auf ihre wirtschaftliche Zukunft untersucht werden. Der vorläufige Insolvenzverwalter Frank Kebekus hält weitere Filialschließungen für wahrscheinlich. Konkrete Entscheidungen über einzelne Standorte gibt es bislang nicht. Für Kunden bleibt die Lage ebenfalls angespannt, weil Geschenkgutscheine derzeit nicht eingelöst werden können.
Die Galeria-Insolvenz 2026 hat am 2. Oktober mit einem erneuten Antrag beim Amtsgericht Düsseldorf begonnen. Drei Tage später ordnete das Gericht ein vorläufiges Insolvenzverfahren an und bestellte Rechtsanwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter. Der Geschäftsbetrieb in den 83 Warenhäusern wird zunächst fortgesetzt. Wie viele Standorte langfristig erhalten bleiben, ist allerdings offen.
Kebekus will jedes einzelne Warenhaus auf seine wirtschaftliche Tragfähigkeit untersuchen. Darüber wurden die Beschäftigten am Freitag, 16. Oktober, in einer Informationsversammlung unterrichtet. In einem Interview mit dem ZDF machte der Insolvenzverwalter deutlich, dass er mit Einschnitten rechnet. „Dass am Ende vermutlich nicht alle 83 Standorte fortgesetzt werden können, das wird wahrscheinlich so sein“, erklärte Kebekus. Welche Filialen betroffen sein könnten und wann darüber entschieden wird, blieb zunächst offen.
Parallel zur Überprüfung des Filialnetzes hat die Suche nach neuen Eigentümern begonnen. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus dem Unternehmensumfeld wird der Prozess von der Unternehmensberatung Roland Berger begleitet. Gesucht werden ein oder mehrere Investoren, die Galeria übernehmen und die weitere Sanierung finanzieren könnten. Konkrete Namen möglicher Interessenten oder ein Zeitplan für einen Verkauf wurden zunächst nicht bekannt.
Eine weitere zentrale Aufgabe ist die Finanzierung des laufenden Warenhausgeschäfts. Kebekus führte dazu Gespräche mit der US-Investmentgesellschaft Gordon Brothers, die Galeria bereits im Juni eine Kreditlinie von bis zu 160 Millionen Euro bereitgestellt hatte. Die Finanzierung ist durch Warenbestände abgesichert. Im Gespräch ist nun eine zusätzliche Finanzierung während des Insolvenzverfahrens, die insbesondere den Warenbezug und den laufenden Betrieb stabilisieren soll. Eine abschließende Einigung war bis Montag, 19. Oktober, zunächst nicht bestätigt.
Für die rund 11.250 Beschäftigten wurde unterdessen eine wichtige Zwischenlösung erreicht. Die Bundesagentur für Arbeit übernimmt das Insolvenzgeld für den gesetzlich vorgesehenen Zeitraum von maximal drei Monaten. Damit die Beschäftigten ihr Geld zeitnah erhalten, soll die Auszahlung über eine Bank vorfinanziert werden. Der Gesamtbetriebsrat zeigte sich nach den Gesprächen mit Kebekus vorsichtig optimistisch und forderte Eigentümer, die langfristig in das Unternehmen investieren.
Neben den Beschäftigten sind auch Kunden unmittelbar von der Insolvenz betroffen. Die Warenhäuser bleiben zwar geöffnet, Geschenkgutscheine werden derzeit jedoch nicht akzeptiert. Auch bei einzelnen Waren gibt es Einschränkungen. In mehreren Filialen wurden Verkaufsbereiche abgesperrt, weil Lieferanten angesichts des Insolvenzverfahrens die Bezahlung ihrer Waren absichern wollen.
Für Besitzer bereits gekaufter Gutscheine ist die weitere Entwicklung unklar. Kebekus erklärte im ZDF, dass die Probleme mit den Gutscheinen und den Warenbeständen möglichst schnell gelöst werden sollen. Einen konkreten Termin für die Wiederaufnahme der Gutscheinannahme nannte er nicht. Auch am Montag, 19. Oktober, gab es zunächst keine bestätigte allgemeine Freigabe.
Nach Angaben der Verbraucherzentralen verlieren Gutscheininhaber durch einen Insolvenzantrag nicht automatisch ihre Ansprüche. Kommt es jedoch zur Eröffnung des Insolvenzverfahrens und bleibt eine Einlösung ausgeschlossen, können die Forderungen grundsätzlich zur Insolvenztabelle angemeldet werden. Ob Kunden dann Geld zurückerhalten, hängt von der verfügbaren Insolvenzmasse ab. Eine vollständige Erstattung ist nicht garantiert. Betroffene sollten ihre Gutscheine und entsprechende Kaufbelege deshalb aufbewahren.
Für Galeria ist es bereits das vierte Insolvenzverfahren seit 2020. Weitere Insolvenzanträge folgten 2022 und 2024. Im Zuge der bisherigen Sanierungen wurden zahlreiche Warenhäuser geschlossen und Arbeitsplätze abgebaut. Seit Sommer 2024 gehört die verbliebene Warenhauskette der US-Investmentgesellschaft NRDC und einer Beteiligungsfirma des Unternehmers Bernd Beetz.
Die Schwierigkeiten reichen über die aktuelle Finanzierungslage hinaus. Große Verkaufsflächen, hohe Betriebskosten und der Wettbewerb mit spezialisierten Einzelhändlern sowie dem Onlinehandel erschweren das traditionelle Warenhausgeschäft. Der Handelsexperte Johannes Berentzen von der Handelsberatung BBE schätzt allein den Investitionsbedarf für Gebäudetechnik und Innenausstattung auf rund eine Milliarde Euro. Zusätzliche Mittel wären seiner Einschätzung nach für den Ausbau des Onlinegeschäfts erforderlich.
Damit steht Galeria erneut vor einer grundlegenden Neuordnung. Die Investorensuche, die Finanzierung des Weihnachtsgeschäfts und die wirtschaftliche Bewertung der 83 Warenhäuser werden darüber entscheiden, in welchem Umfang die Kaufhauskette fortgeführt werden kann. Bislang ist weder ein Käufer benannt noch eine endgültige Entscheidung über die Zukunft einzelner Filialen getroffen worden.
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