Nach der Insolvenz: Alle sieben Gartencenter Augsburg bleiben erhalten

Ein multikulturelles Restaurant an der Wolbecker Straße in Münster schließt nach acht Jahren. Warum das Konzept endet – und wie es am Standort weitergeht.
Symbolbild: Evan Wise

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Die insolvente Gartencenter-Kette Augsburg bekommt eine neue Eigentümerstruktur. Eine Beteiligungsgesellschaft der Familie Semer übernimmt das Unternehmen mit allen sieben Märkten zum 1. September 2026 vollständig. Nach Angaben aus dem laufenden Sanierungsverfahren sollen sämtliche Standorte weitergeführt und rund 360 Arbeitsplätze einschließlich der Ausbildungsplätze erhalten werden.

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Die Märkte befinden sich in Schwerte, Castrop-Rauxel, Hagen, Unna, Bochum, Krefeld und Iserlohn. Zusammen verfügen sie über eine Verkaufsfläche von rund 35.000 Quadratmetern. Auch die Unternehmensverwaltung bleibt bestehen, zieht im Zuge der Übernahme allerdings von Schwerte nach Dortmund.

Die Übernahme von Gartencenter Augsburg soll rechtlich und wirtschaftlich mit der erwarteten Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung am 1. September wirksam werden. Ein Kaufpreis wurde in der Mitteilung zur Fortführung des Unternehmens nicht genannt.

Beteiligungsgesellschaft der Familie Semer übernimmt die Kette

Bei der Käuferseite handelt es sich nicht um einen völlig neuen Akteur im Umfeld der Gartencenter. Die Familie Semer ist seit Jahren mit der Hellweg-Gruppe verbunden. Gartencenter Augsburg war bereits 2013 nach einem früheren Insolvenzverfahren von einer Tochtergesellschaft der Hellweg-Gruppe übernommen worden.

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Nun soll eine Beteiligungsgesellschaft der Familie Semer die Gartencenter als Ganzes fortführen. Markus Semer wird in der Mitteilung zur Übernahme als geschäftsführender Gesellschafter genannt. Vorgesehen ist, am bisherigen Geschäftsmodell der Gartencenter festzuhalten. Auch das Sortiment und die bestehenden Geschäftsbeziehungen sollen nach den Angaben aus dem Sanierungsverfahren fortgeführt werden.

Für Kunden bedeutet die Vereinbarung damit zunächst vor allem Kontinuität. Schließungen einzelner Gartencenter im Zuge der Übertragung sind nicht vorgesehen. Die sieben Märkte sollen geöffnet bleiben. Eine sichtbare organisatorische Veränderung betrifft dagegen die Zentrale, die künftig in Dortmund statt in Schwerte angesiedelt werden soll.

Insolvenzverfahren begann Ende Juni

Gartencenter Augsburg hatte Ende Juni 2026 beim Amtsgericht Essen die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung beantragt. Das Gericht ordnete die vorläufige Eigenverwaltung an. Anders als bei einer klassischen Regelinsolvenz blieb die Geschäftsführung damit grundsätzlich handlungsfähig, während ein gerichtlich bestellter Sachwalter das Verfahren im Interesse der Gläubiger überwacht.

Als Hintergrund für den Insolvenzantrag nannte das Unternehmen ein anhaltend schwieriges Marktumfeld. Konkret wurden gestiegene Einkaufspreise, höhere Mieten, die Konsumzurückhaltung und weitere inflationsbedingte Kostensteigerungen angeführt. Diese Faktoren hätten die wirtschaftliche Situation zusätzlich belastet.

Der Geschäftsbetrieb lief während der Sanierung weiter. Parallel wurde ein strukturierter Investorenprozess gestartet. Die nun vereinbarte Gesamtlösung unterscheidet sich damit von einer Aufteilung, bei der einzelne Standorte an unterschiedliche Käufer gehen oder geschlossen werden. Bei Gartencenter Augsburg sollen das Filialnetz und die Belegschaft vollständig erhalten bleiben.

Sieben Märkte und rund 360 Beschäftigte betroffen

Gartencenter Augsburg blickt auf eine mehr als 60-jährige Geschichte zurück. Das erste Gartencenter wurde 1965 in Schwerte eröffnet. Namensgeber war der Unternehmensgründer Hans Augsburg. Heute konzentriert sich das Unternehmen mit seinen sieben großflächigen Märkten auf Nordrhein-Westfalen und insbesondere das Ruhrgebiet sowie angrenzende Regionen.

Nach Angaben aus dem Sanierungsverfahren beschäftigt die Kette rund 360 Menschen. Darin eingeschlossen sind auch Auszubildende. Die angekündigte Fortführung aller Arbeitsplätze ist deshalb ein wesentlicher Bestandteil der Übernahmelösung.

Die Zahl von sieben Standorten und rund 360 Beschäftigten ist ebenso bestätigt wie der vorgesehene Übernahmetermin. Nicht veröffentlicht wurden dagegen finanzielle Einzelheiten der Transaktion. Auch konkrete Investitionssummen für die Zeit nach dem Eigentümerwechsel wurden bislang nicht beziffert.

Deutscher Gartenmarkt steht unter Druck

Die wirtschaftlichen Probleme von Gartencenter Augsburg treffen auf ein schwieriges Umfeld für den stationären Gartenfachhandel. Nach Zahlen des Industrieverbands Garten erreichte der deutsche Gartenmarkt 2025 ein Volumen von rund 19,7 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr entsprach das nominal einem Minus von 0,6 Prozent.

Hinter diesem vergleichsweise kleinen Rückgang stehen deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Produktgruppen und Vertriebswegen. Besonders klassische Fachgartencenter, Gärtnereien und der Blumenfachhandel mussten nach den Branchendaten Umsatzverluste hinnehmen. Gleichzeitig verschieben sich Ausgaben teilweise zu anderen Vertriebskanälen wie Supermärkten, Discountern und weiteren Handelsformaten.

Auch der Onlinehandel mit Gartenprodukten wächst wieder. Für 2025 beziffert der Industrieverband Garten den entsprechenden Umsatz auf rund 1,28 Milliarden Euro, ein nominales Plus von 3,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Onlineanteil bleibt im Gartenmarkt zwar deutlich kleiner als im gesamten deutschen Einzelhandel, erhöht aber den Wettbewerbsdruck auf klassische stationäre Anbieter.

Für Gartencenter Augsburg beginnt mit dem 1. September deshalb nicht nur eine neue gesellschaftsrechtliche Phase. Die neue Eigentümerstruktur muss das Unternehmen in einem Markt stabilisieren, in dem Konsumzurückhaltung, Kostensteigerungen und Veränderungen beim Einkaufsverhalten gerade traditionelle Fachanbieter besonders fordern.

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