Bundesregierung plant neue Gasreserve: Haushalte sollen mitzahlen

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Die Bundesregierung will Deutschland besser gegen schwere Störungen der Gasversorgung absichern. Dafür plant das Bundeswirtschaftsministerium unter Katherina Reiche (CDU) eine strategische Gasreserve. Ein neuer Gesetzentwurf sieht vor, zusätzliche Gasmengen für außergewöhnliche Krisensituationen einzulagern. Finanziert werden soll die Reserve durch eine Umlage auf den Gasverbrauch. Für private Haushalte könnten dadurch jährliche Mehrkosten von bis zu 7,20 Euro entstehen. Die neue Regelung soll frühestens 2027 greifen.

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Neue Gasreserve soll Versorgung in Krisen sichern

Das Bundeswirtschaftsministerium hat am 13. Oktober 2026 einen Referentenentwurf zur Einführung einer nationalen Gasreserve in die Abstimmung gegeben. Ziel ist es, Deutschland bei größeren Ausfällen von Gasimporten oder wichtigen Versorgungsanlagen zusätzliche Handlungsmöglichkeiten zu verschaffen. Die Reserve ist insbesondere für außergewöhnliche Ereignisse wie Sabotage, den Ausfall von Pipelines oder schwere Störungen der Infrastruktur vorgesehen.

Nach den bisherigen Planungen soll die strategische Gasreserve rund 24 Terawattstunden Erdgas umfassen. Das entspricht etwa zehn Prozent der deutschen Gasspeicherkapazität. Die Menge soll nach Berechnungen des Ministeriums beispielsweise ausreichen, um den Ausfall der wichtigsten deutschen Gasimportinfrastruktur über einen Zeitraum von 30 Tagen auszugleichen.

Der Entwurf nennt weitere mögliche Krisenszenarien. Dazu gehören ein vollständiger Ausfall norwegischer Pipelineimporte für 20 Tage sowie eine Unterbrechung der deutschen Flüssigerdgasimporte über LNG-Terminals für 40 Tage. Die Reserve soll damit zusätzliche Sicherheit schaffen, ohne die reguläre Gasbeschaffung durch Unternehmen zu ersetzen.

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Die endgültige Größe ist allerdings noch nicht gesetzlich festgelegt. Sie soll anhand einer Risikobewertung der Bundesnetzagentur bestimmt werden.

Neue Gasumlage könnte Haushalte bis zu 7,20 Euro kosten

Für den Aufbau und Betrieb der Reserve rechnet das Bundeswirtschaftsministerium in den ersten zehn Jahren mit jährlichen Kosten zwischen 247 und 308 Millionen Euro. Der Gesetzentwurf sieht vor, diese Ausgaben über eine neue Umlage auf den Gasverbrauch zu finanzieren.

Nach den Berechnungen des Ministeriums würde die Umlage voraussichtlich zwischen 0,29 und 0,36 Euro je Megawattstunde liegen. Bei einem typischen Haushalt in einem Mehrfamilienhaus mit 13.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch entspräche das zusätzlichen Kosten von etwa 3,77 bis 4,68 Euro im Jahr. Für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden wären es 5,80 bis 7,20 Euro.

Die tatsächliche Belastung steht noch nicht fest. Sie hängt unter anderem von den Beschaffungskosten, den benötigten Speicherkapazitäten und dem Gasverbrauch ab. Nach dem Entwurf soll die Umlage jährlich neu berechnet werden.

Zuständig für den Aufbau wäre der Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe. Das Unternehmen soll Speicherkapazitäten buchen, Gas beschaffen und die Reserve verwalten. Die Umlage würde zunächst bei den sogenannten Bilanzkreisverantwortlichen erhoben, die sie an ihre Kunden weitergeben könnten.

Bisherige Gasspeicherumlage wurde erst Anfang 2026 abgeschafft

Die Pläne sind auch deshalb politisch umstritten, weil die Bundesregierung die bisherige Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026 abgeschafft hatte. Mit diesem Schritt sollten private Haushalte und Unternehmen bei den Energiekosten entlastet werden.

Die geplante neue Umlage verfolgt allerdings einen anderen Zweck. Während die bisherige Regelung unter anderem Kosten der staatlich veranlassten Speicherbefüllung abdeckte, soll die neue Reserve ausschließlich bei außergewöhnlichen Versorgungsproblemen eingesetzt werden.

Zugleich ist vorgesehen, die bisherigen gesetzlichen Vorgaben zur Befüllung der Gasspeicher zum 31. März 2027 auslaufen zu lassen. Die Verantwortung für die gewöhnliche Wintervorsorge soll weiterhin bei den Gasunternehmen liegen.

Ein Zugriff auf die strategische Reserve wäre nach dem Entwurf erst nach Ausrufung der Notfallstufe des Gasnotfallplans möglich. Über den tatsächlichen Einsatz würde dann die Bundesnetzagentur als Bundeslastverteiler entscheiden.

Gasspeicher in Deutschland nur zu 60,5 Prozent gefüllt

Die Diskussion über eine zusätzliche Gasreserve fällt in eine Phase vergleichsweise niedriger Speicherfüllstände. Nach der Lagebewertung der Bundesnetzagentur vom 16. Oktober 2026 waren die deutschen Erdgasspeicher zu 60,5 Prozent gefüllt. Das entspricht rund 149,62 Terawattstunden. Bei dieser Angabe hat die Behörde einen Datenfehler der europäischen Speicherplattform AGSI+ bereits berücksichtigt.

Damit liegen die Füllstände deutlich unter den Vergleichswerten früherer Jahre. Für die meisten deutschen Speicher gilt derzeit zum 1. November eine gesetzliche Mindestfüllung von 80 Prozent. Für einzelne Speicher bestehen abweichende Vorgaben.

Trotz der niedrigen Bestände bewertet die Bundesnetzagentur die Versorgungssituation weiterhin als stabil. Eine angespannte Gasversorgung hält sie nach aktuellem Erkenntnisstand für wenig wahrscheinlich. Entscheidend sei nicht allein die gespeicherte Gasmenge, sondern auch die Verfügbarkeit von Pipelineimporten, LNG-Lieferungen und anderen Versorgungsmöglichkeiten.

Nach Behördenangaben wurden zwischen dem 8. und 14. Oktober insgesamt 17,1 Terawattstunden Erdgas über Pipelines sowie 1,6 Terawattstunden über deutsche LNG-Terminals importiert. Die Importströme gelten weiterhin als stabil.

Iran-Krieg erhöht den Druck auf den internationalen Gasmarkt

Die geplante Krisenvorsorge steht auch im Zusammenhang mit der angespannten geopolitischen Lage. Der Iran-Krieg hat den internationalen Energiemarkt erheblich beeinflusst und insbesondere den Handel mit Flüssigerdgas belastet. Einschränkungen bei Lieferungen aus der Golfregion haben den Wettbewerb um verfügbare LNG-Mengen verstärkt.

Deutschland ist von solchen Entwicklungen auch dann betroffen, wenn Gas nicht unmittelbar aus den betroffenen Staaten bezogen wird. Veränderungen auf dem Weltmarkt können die europäischen Großhandelspreise beeinflussen und damit die Beschaffung für deutsche Energieversorger verteuern.

Die Bundesnetzagentur weist in ihrer aktuellen Lagebewertung darauf hin, dass Auswirkungen auf die Endkundenpreise unter anderem von der Dauer des Konflikts, den Beschaffungsstrategien der Versorger und den bestehenden Verträgen abhängen.

Die neue Gasreserve soll allerdings nicht zur Regulierung oder Senkung der Marktpreise eingesetzt werden. Ihr Zweck ist die Absicherung gegen außergewöhnliche physische Versorgungsstörungen.

Energieverbände unterstützen Reserve, kritisieren aber Details

Aus der Energiewirtschaft kommt grundsätzlich Zustimmung zum Aufbau einer zusätzlichen Krisenreserve. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bewertet den vorgelegten Entwurf als geeignete Grundlage, fordert aber eine stärkere Einbeziehung der Gasmarktunternehmen bei der Beschaffung.

Auch die Finanzierung ist umstritten. Der BDEW hält eine Finanzierung aus dem Bundeshaushalt für sachgerechter, da die zusätzliche Versorgungssicherheit nicht ausschließlich Gaskunden, sondern der gesamten Volkswirtschaft zugutekomme.

Die Initiative Energien Speichern (INES) begrüßt den gesetzlichen Vorstoß ebenfalls, fordert jedoch klarere politische Vorgaben. Nach Auffassung des Verbandes sollten Bundestag und Bundesrat darüber entscheiden, wie groß die Reserve sein soll, bis wann sie aufgebaut wird und wie lange sie bestehen bleibt.

Kritik an der Umlage hatte es bereits innerhalb der Regierungskoalition gegeben. Vertreter von Union und SPD hatten sich im Sommer dagegen ausgesprochen, die Kosten erneut auf Verbraucher und Unternehmen abzuwälzen. Wirtschaftsministerin Reiche hatte zwischenzeitlich auch eine Haushaltsfinanzierung oder eine Kombination unterschiedlicher Finanzierungsmodelle angesprochen.

Erste Umlageperiode für Oktober 2027 vorgesehen

Der Referentenentwurf befindet sich noch im Gesetzgebungsverfahren. Verbände können bis zum 19. Oktober 2026 Stellung nehmen. Ein endgültiger Kabinettsbeschluss und die parlamentarische Verabschiedung stehen noch aus.

Das Wirtschaftsministerium hatte im Sommer angekündigt, erste Speicherkapazitäten für den Winter 2026/2027 sichern und im Sommer 2027 mit der Befüllung beginnen zu wollen. Die Beschaffung soll über mehrere Jahre verteilt werden, damit der zusätzliche Bedarf die Gaspreise möglichst wenig beeinflusst.

Die erste Umlageperiode ist nach dem aktuellen Entwurf für den 1. Oktober 2027 vorgesehen. Ein verbindlicher Termin, an dem die gesamte strategische Gasreserve vollständig aufgebaut sein muss, ist bislang nicht festgelegt.

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