Deutschlands Gasspeicher starten mit niedrigem Stand in den Winter

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Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Deutschland geht mit deutlich niedrigeren Gasreserven als in den vergangenen Jahren auf die Heizperiode 2026/27 zu. Die deutschen Gasspeicher waren zum jüngsten Datenstand Ende September zu rund 57 Prozent gefüllt. Damit liegt der Füllstand erheblich unter dem Niveau, das vor früheren Wintern erreicht wurde. Einen akuten Versorgungsengpass sieht die Bundesnetzagentur dennoch nicht. Die Behörde bewertet die Gasversorgung weiterhin als stabil und die Versorgungssicherheit als gewährleistet. Für Verbraucher ist neben der gespeicherten Gasmenge vor allem die Preisentwicklung relevant, denn am europäischen Großhandelsmarkt kostet Erdgas derzeit deutlich mehr als vor einem Jahr.

Deutsche Gasspeicher derzeit nur zu rund 57 Prozent gefüllt

Die von Gas Infrastructure Europe über die Plattform AGSI+ erfassten deutschen Speicher kamen am 25. September auf einen Füllstand von rund 57 Prozent. In ihnen lagerten damit etwa 141 Terawattstunden Arbeitsgas. Insgesamt verfügen die erfassten deutschen Anlagen über eine Arbeitsgaskapazität von knapp 250 Terawattstunden. Die deutsche Gasversorgung hängt allerdings nicht allein davon ab, wie viel Erdgas in den Speichern liegt. Kontinuierliche Importe über Pipelines und LNG-Terminals spielen inzwischen eine wesentlich größere Rolle als noch während der Energiekrise 2022.

Der Abstand zum Vorjahr ist deutlich. Anfang September 2025 waren die Speicher nach Angaben der Initiative Energien Speichern, kurz INES, zu rund 71 Prozent gefüllt. Anfang September 2026 waren es lediglich rund 53 Prozent. Mitte September vergangenen Jahres lag der Speicherstand bereits bei knapp 76 Prozent. Die deutsche Gasspeicher vor dem Winter sind damit 2026 erheblich schwächer gefüllt als ein Jahr zuvor.

INES sieht technisch noch Spielraum bei der Befüllung

INES hatte Anfang September darauf hingewiesen, dass der damalige Speicherstand für diese Jahreszeit der niedrigste seit Beginn der rund 15 Jahre umfassenden Vergleichsreihe war. Nach den Modellrechnungen des Verbands wäre technisch bis zum 1. November ein Füllstand von ungefähr 77 Prozent erreichbar. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine deutlich stärkere Nutzung der gebuchten Speicherkapazitäten. Dabei handelt es sich um eine Modellrechnung und nicht um eine Prognose für den tatsächlich erreichbaren Speicherstand.

Für die meisten deutschen Speicher gilt zum 1. November eine gesetzliche Füllstandsvorgabe von 80 Prozent. Für mehrere Anlagen, darunter Rehden, gelten abweichend niedrigere Vorgaben von 45 Prozent. Zum 1. Februar 2027 liegt die reguläre Vorgabe bei 30 Prozent. Die Bundesnetzagentur richtet ihr laufendes Monitoring derzeit ausdrücklich auch auf dieses Februarziel aus.

TTF-Gaspreis bleibt auf hohem Niveau

Parallel zu den niedrigen Speicherständen haben sich die Preise auf dem europäischen Gasmarkt deutlich erhöht. Der November-Kontrakt für niederländisches TTF-Erdgas, die zentrale europäische Referenz für den Gasgroßhandel, schloss am 25. September bei rund 72,89 Euro je Megawattstunde. Am 24. September hatte der Schlusskurs noch bei rund 74,80 Euro gelegen. Auch die kurzfristigen Tagesmarktpreise bewegten sich am 25. September in einer Größenordnung von rund 75 Euro je Megawattstunde.

Damit kostet Gas am Großhandelsmarkt wesentlich mehr als vor einem Jahr. Die Preise hatten im September zeitweise sogar die Marke von 80 Euro je Megawattstunde überschritten. Zu den Belastungsfaktoren gehören die angespannte Lage auf dem internationalen LNG-Markt und geopolitische Risiken. Gerade Flüssigerdgas wird weltweit gehandelt. Veränderungen der Liefermöglichkeiten oder eine steigende Nachfrage in Asien können deshalb auch den europäischen Markt beeinflussen.

Norwegen bleibt wichtigster Gaslieferant Deutschlands

Deutschland verfügt inzwischen über deutlich mehr Bezugswege als während der Energiekrise 2022. Norwegen ist der wichtigste Lieferant. Im Jahr 2025 kamen 44 Prozent der deutschen Gasimporte aus Norwegen. Weitere große Mengen gelangten über die Niederlande und Belgien nach Deutschland. Über die deutschen LNG-Terminals wurden 2025 rund 106 Terawattstunden eingeführt. Ihr Anteil an den gesamten deutschen Gasimporten lag bei 10,3 Prozent. Mehr als 90 Prozent der direkten LNG-Lieferungen an deutsche Terminals stammten aus den USA.

Auch 2026 blieb Norwegen der zentrale Pipeline-Lieferant. Daten für die ersten Monate des Jahres zeigen zudem einen wachsenden Beitrag der deutschen LNG-Infrastruktur. Neben den direkten deutschen Terminals gelangt Flüssigerdgas indirekt über Anlagen in Nachbarstaaten und anschließend über das europäische Pipeline-Netz nach Deutschland. Diese breitere Importstruktur ist ein wesentlicher Grund dafür, warum ein niedriger Speicherstand nicht automatisch mit einer unmittelbar drohenden Mangellage gleichgesetzt werden kann.

Bundesnetzagentur sieht derzeit kein Mengenproblem

Die Bundesnetzagentur bewertet die Versorgungssicherheit trotz der niedrigen Speicherstände derzeit als gewährleistet. Nach ihrer Einschätzung ist die Gasversorgung stabil. Die Behörde verweist darauf, dass Deutschland heute stärker über Pipelinegas und LNG versorgt werden kann und die Speicher deshalb nicht dieselbe Funktion wie zu Beginn der Energiekrise haben. Die Lage wird dennoch fortlaufend überwacht.

Wie stark die Speicher im Winter beansprucht werden, hängt unter anderem von den Temperaturen, dem Gasverbrauch von Haushalten und Industrie, der Stromerzeugung aus Gaskraftwerken sowie der Verfügbarkeit von Importen ab. Ein besonders kalter Winter würde den Verbrauch erhöhen. Mildere Temperaturen oder ein geringerer industrieller Bedarf könnten dagegen die Speicherentnahme reduzieren. Welcher Verlauf tatsächlich eintritt, lässt sich Ende September nicht verlässlich feststellen.

Hohe Großhandelspreise können Verbraucher erreichen

Für Haushalte bedeutet ein höherer TTF-Preis nicht automatisch eine sofortige Erhöhung der Gasrechnung. Energieversorger beschaffen Gas zu unterschiedlichen Zeitpunkten und teilweise langfristig im Voraus. Zudem setzen sich Endkundenpreise aus Beschaffungskosten, Netzentgelten, Steuern, Abgaben und den Kosten des Versorgers zusammen.

Dauerhaft hohe Großhandelspreise können allerdings die Beschaffungskosten der Anbieter erhöhen und damit später auch neue Tarife oder Vertragsverlängerungen verteuern. Wie stark und wie schnell sich der aktuelle Preisanstieg auf einzelne Haushalte auswirkt, hängt vom jeweiligen Anbieter und Vertrag ab. Sicher ist deshalb derzeit vor allem: Deutschland startet mit vergleichsweise niedrigen Speicherständen und einem deutlich erhöhten Gaspreisniveau in die Heizperiode. Eine akute Gasmangellage stellt die Bundesnetzagentur dagegen derzeit nicht fest.

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