
Die Europäische Zentralbank hat ihren Einlagenzins auf 2,50 Prozent angehoben. Für Sparer bedeutet das allerdings nicht automatisch, dass auch die Verzinsung auf Tagesgeld und Festgeld im gleichen Umfang steigt. Eine aktuelle Auswertung des Verbraucherportals Biallo zeigt erhebliche Unterschiede zwischen Banken und Bankengruppen. Besonders bei vielen Sparkassen und Volksbanken bleiben die Standardzinsen für bestehende Kunden deutlich hinter dem Niveau des EZB-Einlagenzinses zurück. Höhere EZB-Zinsen kommen bei Sparern damit bislang sehr unterschiedlich an.
Der EZB-Rat beschloss am 10. September 2026, die drei maßgeblichen Leitzinsen um jeweils 0,25 Prozentpunkte anzuheben. Seit dem 16. September liegt der Einlagenzins bei 2,50 Prozent. Der Hauptrefinanzierungssatz stieg auf 2,65 Prozent, die Spitzenrefinanzierungsfazilität auf 2,90 Prozent. Hintergrund der Entscheidung war vor allem der erneut gestiegene Inflationsdruck im Euroraum.
Die jährliche Inflationsrate im Euroraum lag im August 2026 nach den endgültigen Daten von Eurostat bei 3,2 Prozent. Im Juli waren es noch 2,9 Prozent. Einen wesentlichen Beitrag zum Anstieg leisteten die höheren Energiepreise. Die EZB erwartet in ihrer September-Projektion für das Gesamtjahr 2026 eine durchschnittliche Inflationsrate von 3,0 Prozent. Für 2027 werden 2,5 Prozent und für 2028 noch 2,1 Prozent erwartet. Das mittelfristige Inflationsziel der Notenbank liegt bei zwei Prozent.
Für Bankkunden zeigt sich bisher nur eine begrenzte Weitergabe der höheren Zinsen. Nach einer Biallo-Auswertung mit Stand 15. September lag der durchschnittliche Standardzins für Tagesgeld bei Sparkassen bei 0,46 Prozent pro Jahr. Genossenschaftsbanken kamen im Mittel auf 0,53 Prozent. Überregional tätige Banken zahlten durchschnittlich 1,40 Prozent. Grundlage waren Tagesgeldangebote für einen Anlagebetrag von 10.000 Euro.
Damit erreichten die durchschnittlichen Standardzinsen von Sparkassen nicht einmal ein Fünftel des aktuellen EZB-Einlagenzinses. Bei Genossenschaftsbanken lag das Verhältnis nur wenig höher. Allerdings unterscheiden sich die Konditionen einzelner Institute erheblich. Vor allem Neukundenaktionen können deutlich über den Durchschnittswerten liegen.
Die jüngere Auswertung vom 23. September zeigt zudem, dass auch überregionale Banken die jüngste EZB-Erhöhung bislang nur teilweise an Bestandskunden weiterreichen. Etwa jede dritte untersuchte überregionale Bank hatte ihre Tagesgeldzinsen für bestehende Kunden angehoben. Im Durchschnitt stiegen die entsprechenden Zinssätze um 0,10 Prozentpunkte. Die EZB hatte ihren Einlagenzins dagegen um 0,25 Prozentpunkte erhöht.
Deutlich höher liegen derzeit zahlreiche zeitlich begrenzte Angebote für Neukunden. Im Biallo-Tagesgeldvergleich waren am 26. September Aktionszinsen von bis zu 4,25 Prozent zu finden. Revolut wurde mit bis zu 4,25 Prozent für vier Monate aufgeführt, die Renault Bank direkt mit 4,10 Prozent und die Bigbank mit 4,15 Prozent. Entscheidend ist dabei, dass solche Aktionszinsen meist nur für einen begrenzten Zeitraum und häufig ausschließlich für neue Kunden gelten. Anschließend fällt die Verzinsung in der Regel auf den jeweiligen Basiszins zurück.
Auch bei dauerhaft beziehungsweise für Bestandskunden geltenden Konditionen bestehen große Unterschiede. In der Biallo-Auswertung vom 23. September gehörten Angebote mit rund 2,25 bis 3,00 Prozent zu den höheren Zinssätzen für bestehende Kunden. Damit lagen sie erheblich über den Durchschnittswerten vieler regionaler Institute, erreichten teilweise aber auch mehr als den aktuellen EZB-Einlagenzins.
Anders sieht die Situation beim Festgeld aus. Dort haben Sparkassen und Genossenschaftsbanken ihre Konditionen stärker angehoben. Für einjährige Anlagen lag der durchschnittliche Zinssatz bei Sparkassen Mitte September bei 2,03 Prozent und bei Genossenschaftsbanken bei 2,11 Prozent. Überregionale Anbieter kamen im Mittel auf 2,45 Prozent. Bei längeren Laufzeiten verkleinerte sich der Abstand weiter. Für fünf Jahre lagen die Durchschnittszinsen bei Sparkassen bei 2,50 Prozent, bei Genossenschaftsbanken bei 2,51 Prozent und bei überregionalen Banken bei 2,67 Prozent.
Einzelne regionale Institute boten deutlich höhere Festgeldzinsen. Für bestimmte Laufzeiten wurden Mitte September Werte von mehr als drei Prozent erreicht. Solche Spitzenangebote sind jedoch nicht mit den Durchschnittszinsen des gesamten Marktes gleichzusetzen und können an Mindestanlagen, bestimmte Laufzeiten oder weitere Bedingungen gebunden sein.
Der Einlagenzins der EZB ist kein vorgeschriebener Zinssatz für private Sparkonten. Er bezeichnet den Zinssatz, den Banken für bestimmte kurzfristige Einlagen beim Eurosystem erhalten. Wie viel davon ein Kreditinstitut seinen Kunden zahlt, entscheidet es selbst. Dabei spielen unter anderem der Finanzierungsbedarf der Bank, vorhandene Kundeneinlagen, Wettbewerb, Laufzeiten und die jeweilige Geschäftsstrategie eine Rolle.
Deshalb können sich Sparzinsen auch innerhalb derselben Bankengruppe erheblich unterscheiden. Sparkassen und Volksbanken sind zudem keine jeweils einheitlichen Banken mit identischen Konditionen. Viele Institute entscheiden ihre Zinssätze eigenständig. Eine einzelne Sparkasse kann deshalb erheblich mehr oder weniger zahlen als der Durchschnitt der Sparkassen insgesamt.
Für die Einordnung der nominalen Zinsen spielt weiterhin die Inflation eine zentrale Rolle. Bei einer Inflationsrate von zuletzt 3,2 Prozent im Euroraum verliert Geld real an Kaufkraft, wenn die Verzinsung darunter liegt und sich die Preise entsprechend weiterentwickeln. Ein Tagesgeldzins von beispielsweise 0,5 Prozent gleicht eine solche Preissteigerung nicht aus. Auch Zinssätze oberhalb von zwei Prozent garantieren deshalb keine positive reale Rendite.
Die Zinslandschaft hat sich seit den EZB-Erhöhungen dennoch deutlich verändert. Während manche Bestandskunden weiterhin weniger als ein Prozent erhalten, liegen einzelne Tagesgeldangebote bei mehr als zwei Prozent und befristete Neukundenaktionen sogar oberhalb von vier Prozent. Bei Festgeld fallen die Unterschiede zwischen regionalen und überregionalen Banken geringer aus. Für Verbraucher bedeutet das vor allem, dass der EZB-Einlagenzins von 2,50 Prozent allein wenig darüber aussagt, welcher Zinssatz tatsächlich auf einem Sparprodukt gutgeschrieben wird.
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