
Religion galt unter jungen Menschen lange als wenig zeitgemäß. Doch einige Angehörige der Generation Z beschäftigen sich wieder intensiv mit Glauben, Gebeten und christlichen Gemeinschaften. Die ARTE-Reportage „Re: Die Gen Z entdeckt den Glauben“ begleitet am Montag, 2. November 2026, drei junge Menschen in Berlin, die in ihrer Religion Orientierung und Sicherheit finden. Dabei geht es nicht nur um persönliche Erfahrungen, sondern auch um den Einfluss sozialer Medien, gesellschaftliche Krisen und unterschiedliche Vorstellungen davon, wie der christliche Glaube heute gelebt werden kann.
Im Mittelpunkt der Gesellschaftsreportage stehen Lorenzo, Leni und Noa. Alle drei leben in Berlin und beschreiben ihren Glauben als wichtigen Bestandteil ihres Lebens. Ihre Erfahrungen unterscheiden sich allerdings deutlich.
Der 17-jährige Lorenzo ist nach Angaben von ARTE ohne seinen Vater aufgewachsen. Der christliche Glaube helfe ihm dabei, mit dieser familiären Situation umzugehen. Für ihn ist Religion damit auch eine persönliche Stütze, die ihm Kraft im Alltag gibt.
Die 18-jährige Leni beschreibt das Gebet als Möglichkeit, sich jemandem anzuvertrauen. Sie empfindet Gott als Gegenüber, das ihr zuhört und sie annimmt. Bei der 22-jährigen Noa steht dagegen die Überzeugung im Vordergrund, dass ihr Leben durch den Glauben einen Sinn erhält.
Gemeinsam ist den drei jungen Menschen nach Darstellung der Reportage, dass sie durch ihre Religion Zuversicht und ein Gefühl von Sicherheit erfahren. Die Dokumentation zeigt damit unterschiedliche persönliche Wege zum Glauben, ohne diese Erfahrungen als repräsentativ für eine ganze Generation darzustellen.
Die Reportage beschäftigt sich auch mit den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen junge Menschen heute aufwachsen. Die Corona-Pandemie, der Klimawandel und die Sorge vor Kriegen gehören zu den Entwicklungen, die ARTE als mögliche Hintergründe einer stärkeren Beschäftigung mit religiösen Fragen beschreibt.
Neben der Suche nach Orientierung spielt Gemeinschaft eine wichtige Rolle. Kirchengemeinden können jungen Menschen Räume bieten, in denen sie Kontakte knüpfen, sich engagieren und gemeinsame Überzeugungen entwickeln.
Gleichzeitig hat sich verändert, wie religiöse Inhalte vermittelt werden. Christliche Influencer präsentieren ihren Glauben auf Plattformen wie Instagram oder TikTok und erreichen damit auch Menschen außerhalb traditioneller kirchlicher Strukturen.
Religiöse Symbole, persönliche Glaubensgeschichten und Gespräche über Bibeltexte werden so Bestandteil digitaler Alltagskommunikation. Damit entstehen zusätzliche Möglichkeiten, sich mit Religion auseinanderzusetzen, ohne zunächst eine Kirche besuchen zu müssen.
Wie stark solche digitalen Angebote tatsächlich zu einer dauerhaften religiösen Bindung beitragen, lässt sich aus einzelnen Erfahrungen allerdings nicht ableiten.
Die Entwicklung unter jungen Menschen ist nicht mit einer allgemeinen Rückkehr zur Religion gleichzusetzen. Die Shell Jugendstudie 2024 zeichnet ein deutlich differenzierteres Bild.
Für die Untersuchung wurden 2.509 Menschen im Alter zwischen 12 und 25 Jahren befragt. Demnach bezeichneten 35 Prozent den Glauben an Gott als eher wichtig oder wichtig. Im Jahr 2019 waren es 32 Prozent. Im längerfristigen Vergleich zeigt sich allerdings kein kontinuierlicher Anstieg. Bereits 2002 lag der entsprechende Anteil bei 37 Prozent.
Anteil der 12- bis 25-Jährigen, die den Glauben als eher wichtig oder wichtig einstufen, in Prozent. Quelle: Shell Jugendstudie 2024.
Weitere Ergebnisse verdeutlichen die Veränderungen. Laut Jugendstudie gehören nur noch etwa die Hälfte der jungen Menschen einer der beiden großen christlichen Kirchen an. Im Jahr 2002 waren es noch rund zwei Drittel.
Auch die Gebetspraxis hat sich verändert. Während 2002 noch 29 Prozent der Befragten angaben, niemals zu beten, waren es 2024 bereits 49 Prozent. Mindestens einmal wöchentlich beteten bei der jüngsten Erhebung 18 Prozent.
Die Zahlen verdeutlichen, dass religiöses Interesse und institutionelle Kirchenbindung nicht zwangsläufig dieselbe Entwicklung nehmen. Einzelne Formen des Glaubens können an Sichtbarkeit gewinnen, während die traditionelle Bindung an große Kirchen insgesamt zurückgeht.
Die ARTE-Reportage behandelt neben den persönlichen Erfahrungen auch mögliche problematische Entwicklungen. Dabei geht es insbesondere um die Art und Weise, wie religiöse Überzeugungen in sozialen Medien vermittelt werden.
Kritiker befürchten laut der Sendungsbeschreibung, dass stark vereinfachte religiöse Botschaften komplexe gesellschaftliche Fragen auf eindeutige Antworten reduzieren könnten. Auch die politische Einflussnahme religiöser Bewegungen, beispielsweise in den Vereinigten Staaten, wird thematisiert.
Die Dokumentation stellt diesen Entwicklungen kirchliche Angebote gegenüber, die unterschiedliche Auslegungen religiöser Texte zulassen und zur kritischen Beschäftigung mit Glaubensinhalten ermutigen wollen.
Dazu gehören die Baptisten aus Berlin-Schöneberg sowie der evangelische Pfarrer Viktor Weber aus Berlin-Spandau. Beide werden von ARTE im Zusammenhang mit einem liberalen Religionsverständnis vorgestellt.
Im Zentrum steht dabei die Vorstellung, dass religiöse Zugehörigkeit nicht zwangsläufig mit einer uneingeschränkten Übernahme bestimmter Glaubenssätze verbunden sein muss. Jugendliche sollen sich vielmehr auch mit Widersprüchen, unterschiedlichen Bibelauslegungen und eigenen Zweifeln auseinandersetzen können.
Damit beleuchtet die Reportage unterschiedliche Entwicklungen innerhalb des Christentums: den Wunsch nach klaren Glaubensüberzeugungen einerseits und die Offenheit für eine kritisch reflektierte Religiosität andererseits.
Die Debatte über die Religiosität der Generation Z reicht über das Christentum hinaus. Die Shell Jugendstudie zeigt, dass sich die religiöse Zusammensetzung junger Menschen in Deutschland über die vergangenen Jahrzehnte deutlich verändert hat.
Der Anteil muslimischer Jugendlicher stieg nach den Ergebnissen der Untersuchung zwischen 2002 und 2024 von vier auf zwölf Prozent. Gleichzeitig gehört inzwischen fast ein Drittel der jungen Menschen keiner Religionsgemeinschaft an.
Auch innerhalb der verschiedenen Religionsgemeinschaften bestehen Unterschiede bei der Bedeutung persönlicher Glaubensüberzeugungen. Unter den muslimischen Befragten bezeichneten 79 Prozent den Glauben an Gott als wichtig. Bei evangelischen Jugendlichen waren es 35 Prozent, bei katholischen Jugendlichen 38 Prozent.
Diese Unterschiede machen deutlich, dass die Generation Z keine einheitliche Haltung zu religiösen Fragen vertritt. Neben einer stärkeren persönlichen Beschäftigung mit Glaubensinhalten bestehen langfristige Entwicklungen hin zu religiöser Vielfalt und einer geringeren Bindung an traditionelle Kirchen.
Die Reportage „Re: Die Gen Z entdeckt den Glauben“ wird am Montag, 2. November 2026, um 19:40 Uhr auf ARTE ausgestrahlt. Die Sendung endet laut Programmplanung um 20:15 Uhr. Es handelt sich um eine deutsche Produktion aus dem Jahr 2026, die vom RBB stammt.
Die deutsche TV-Erstausstrahlung erfolgt am 2. November. Eine Wiederholung ist für Dienstag, 3. November 2026, um 11:25 Uhr vorgesehen.
Die eigentliche Dokumentation hat eine Länge von rund 31 Minuten. Sie gehört zur Reihe „ARTE Re:“, die sich mit gesellschaftlichen Entwicklungen und Lebenswirklichkeiten in Europa beschäftigt.
Wer die Sendung unabhängig vom Fernsehprogramm ansehen möchte, kann sie über die ARTE-Mediathek abrufen. Dort ist die Reportage nach Angaben des Senders bis zum 1. November 2027 verfügbar.
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