
In Ueckermünde in Mecklenburg-Vorpommern wächst der Widerstand gegen die geplante Schließung eines traditionsreichen Industriestandorts. Der Automobilzulieferer Breyden will die Gießerei Ueckermünde zum Ende des Jahres 2026 schließen. Das Unternehmen nennt eine schwierige wirtschaftliche Lage, eine rückläufige Marktentwicklung und eine zu geringe Auslastung als Gründe. Nach Angaben der Geschäftsführung sind 320 Arbeitsplätze betroffen. Der NDR nennt dagegen 290 Beschäftigte. Die genaue Ursache für diese unterschiedliche Zählweise ist bislang nicht geklärt.
Seit Bekanntwerden der Pläne protestieren Beschäftigte und Unterstützer gegen das Aus. Bereits am Samstag, 3. Oktober, kamen nach Angaben des Polizeipräsidiums Neubrandenburg etwa 200 Menschen vor dem Betriebsgelände zusammen. Die kurzfristig angemeldete Versammlung dauerte rund eine halbe Stunde und verlief laut Polizei friedlich. Am Montagabend folgte eine weitere Kundgebung. Dort wurde angekündigt, den Protest mit regelmäßigen Treffen an Montagen fortzuführen.
Die Belegschaft war am Freitag, 2. Oktober, über die geplante Schließung informiert worden. Breyden erklärte, für den Standort habe trotz entsprechender Bemühungen keine wirtschaftlich tragfähige Perspektive entwickelt werden können. Nach Unternehmensangaben sind sämtliche Arbeitsplätze von der Entscheidung betroffen. Gespräche mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan sollen folgen.
Das Werk produziert vor allem Gussteile für die Automobilindustrie, darunter Komponenten für Fahrzeugbremsen. Breyden beschreibt den Standort als seit mehr als 55 Jahren in diesem Bereich tätig. Auf der Unternehmensseite werden mehr als 300 Beschäftigte und eine Produktionskapazität von rund elf Millionen Teilen pro Jahr genannt.
Erst 2025 war der Standort Teil der Breyden-Gruppe geworden. Die Münchner Industriegruppe AEQUITA hatte Mitte des Jahres mehrere deutsche Standorte der MAT-Gruppe übernommen. Seit Dezember 2025 treten die Werke in Ueckermünde, Neunkirchen, Immenhausen und Altenburg unter der Marke Breyden auf.
Besondere Aufmerksamkeit erhält die Entscheidung auch deshalb, weil Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank den Standort erst am 17. September besucht hatte. Blank war an diesem Tag sowohl in der Gießerei in Ueckermünde als auch bei der Silbitz Group im nahe gelegenen Torgelow zu Gast. Im Mittelpunkt standen nach Angaben seines Ministeriums die wirtschaftlichen Herausforderungen der Branche und die Perspektiven der beiden Standorte.
Das Wirtschaftsministerium verwies damals auf hohe Energie- und Materialkosten, eine schwache Investitionsnachfrage und zunehmende internationale Konkurrenz. Zusätzlich müssten Gießereien erhebliche Mittel in energieeffiziente und CO₂ arme Produktionsverfahren investieren. Blank forderte unter anderem wettbewerbsfähige Energiepreise und verlässlichere Investitionsbedingungen für die Industrie. Eine bevorstehende Schließung des Ueckermünder Werkes wurde in der damaligen Mitteilung nicht angekündigt.
Damit lagen zwischen dem Ministerbesuch und der Information der Belegschaft über die Schließungsabsicht nur gut zwei Wochen.
Nach der ersten Versammlung vor dem Werk verlagerte sich der Protest am Montag, 5. Oktober, unter anderem an den alten Bahnhof in Ueckermünde. Für diese Kundgebung wurde eine Beteiligung von rund 100 bis 150 Beschäftigten, Angehörigen und Einwohnern genannt. Eine unabhängige Bestätigung dieser Teilnehmerzahl lag zunächst nicht vor. Bei der Versammlung wurde angekündigt, sich künftig montags um 18 Uhr erneut zu treffen.
Auch die Stadt versucht, auf die Entwicklung zu reagieren. Bereits nach Bekanntwerden der Schließungspläne hatte Bürgermeister Tino Spiegelberg die Einrichtung eines Krisenstabes angekündigt. Betriebsrat und IG Metall wollen nach Angaben des NDR ebenfalls Gespräche mit der Geschäftsführung führen. Der Betriebsrat hat demnach fachliche und rechtliche Unterstützung hinzugezogen.
Inzwischen beschäftigt die geplante Werksschließung auch die Landespolitik. Bei der Kundgebung am Montag wurde angekündigt, dass Ministerpräsidentin Manuela Schwesig am Freitag, 9. Oktober, die Gießerei besuchen wolle. Bis Dienstagmittag war ein entsprechender Termin allerdings noch nicht in der veröffentlichten Wochenübersicht der Landesregierung aufgeführt. Offiziell bestätigt war der Besuch dort zunächst nicht.
Welche Möglichkeiten das Land hat, die Schließungsentscheidung noch zu beeinflussen, ist offen. Breyden hat die wirtschaftliche Entscheidung bereits öffentlich begründet und die Schließung für Ende 2026 angekündigt. Konkrete Zusagen für staatliche Hilfen oder ein alternatives Fortführungskonzept lagen zunächst nicht vor.
Für einen Teil der Beschäftigten könnte sich eine Perspektive wenige Kilometer entfernt ergeben. Die Silbitz Group betreibt in Torgelow eine weitere Eisengießerei und sucht nach eigenen Angaben qualifiziertes Personal. Das Unternehmen will versuchen, Beschäftigte aus Ueckermünde zu übernehmen. Der Standort in Torgelow verfügt nach Unternehmensangaben über Aufträge bis 2030 und produziert unter anderem große Gussteile für Motoren und andere industrielle Anwendungen.
Der Unterschied zwischen den beiden benachbarten Betrieben zeigt zugleich, wie unterschiedlich sich einzelne Bereiche der Gießereiindustrie entwickeln. Während Ueckermünde stark von Aufträgen aus der Automobilindustrie abhängig ist, beliefert Torgelow unter anderem den Maschinenbau, die Windenergiebranche und Hersteller von Großmotoren.
Für Mecklenburg-Vorpommern fällt die angekündigte Schließung in eine Phase, in der die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe bereits zurückgeht. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit gab es im Land im Juli 2026 rund 1.300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe weniger als ein Jahr zuvor. Landesweit lag die Arbeitslosenquote im September bei 7,6 Prozent.
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