Sechs Niederlagen und kein Punkt: Gladbach sucht weiter einen Ausweg

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Borussia Mönchengladbach steckt in einer der schwersten sportlichen Krisen seiner Bundesliga-Geschichte. Nach sechs Spieltagen der Saison 2026/27 steht der fünfmalige deutsche Meister ohne einen einzigen Punkt auf dem letzten Tabellenplatz. Auch der Trainerwechsel zu Alexander Blessin hat bislang keine Ergebnisse gebracht. Mit der sechsten Niederlage zum Saisonauftakt stellt der Traditionsverein einen Bundesliga-Negativrekord ein. Zugleich wächst der Druck auf die Mannschaft und die sportliche Führung.

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Am Sonntag, 18. Oktober 2026, verlor Gladbach das Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim mit 1:2. Wael Mohya erzielte zwischenzeitlich den Ausgleich, doch die Treffer von Bambasé Conté und Alexander Prass sicherten den Gästen den Sieg. Vor 43.702 Zuschauern blieb der erhoffte erste Punktgewinn erneut aus.

Gladbach stellt historischen Bundesliga-Negativrekord ein

Sechs Spiele, sechs Niederlagen: Einen solchen Fehlstart hatten vor Borussia Mönchengladbach erst drei Vereine in der Bundesliga erlebt. Fortuna Düsseldorf verlor 1991/92 die ersten sechs Saisonspiele, dem 1. FSV Mainz 05 widerfuhr dies 2020/21 und dem VfL Bochum 2022/23. Gladbach ist damit der vierte Verein, der mit sechs Niederlagen hintereinander in eine Bundesliga-Saison startet. Der Negativrekord bezieht sich ausdrücklich auf die Zahl der Auftaktniederlagen. Bei der Tordifferenz bleibt der Bochumer Fehlstart von 2022/23 mit minus 14 nach sechs Begegnungen der schlechtere Vergleichswert.

Besonders auffällig ist die defensive Bilanz der Gladbacher. Bereits vor dem Hoffenheim-Spiel hatte die Mannschaft 18 Gegentore in fünf Partien kassiert. Nach der erneuten Niederlage stehen 20 Gegentreffer und lediglich acht eigene Tore zu Buche. Der Rückstand auf die Konkurrenz wächst damit nicht nur durch die fehlenden Punkte. Auch die Tordifferenz von minus zwölf erschwert die Ausgangslage im Tabellenkeller. Schon in den ersten vier Begegnungen hatte Gladbach jeweils mindestens drei Gegentore zugelassen. Die Instabilität in der Defensive war einer der wesentlichen Gründe für die frühzeitige Trennung vom vorherigen Trainer Eugen Polanski.

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Allerdings bedeutet ein derartiger Saisonstart nicht zwangsläufig den Abstieg. Mainz schaffte nach seinen sechs Auftaktniederlagen 2020/21 noch den Klassenerhalt, ebenso Bochum zwei Jahre später. Gladbach selbst erlebte 2015/16 eine bemerkenswerte Aufholjagd. Nach fünf Niederlagen zu Beginn übernahm André Schubert die Mannschaft und führte sie am Saisonende auf den vierten Tabellenplatz. Der Vergleich macht deutlich, dass eine sportliche Wende grundsätzlich möglich ist. Eine Garantie dafür liefert die Vergangenheit allerdings nicht.

Alexander Blessin verliert auch sein zweites Bundesligaspiel

Den ersten Trainerwechsel der Saison vollzog Borussia Mönchengladbach bereits am 13. September 2026. Einen Tag nach der deutlichen 0:5-Niederlage beim SC Freiburg wurde Eugen Polanski von seinen Aufgaben entbunden. Der frühere Gladbacher Profi hatte die Mannschaft im September 2025 zunächst übergangsweise übernommen und später einen Vertrag bis 2028 erhalten. Nach drei Niederlagen zu Beginn der neuen Spielzeit entschied sich die Vereinsführung zur Trennung. Sportchef Rouven Schröder begründete den Schritt damit, dass die Mannschaft trotz guter Vorbereitung und positiver Ansätze nicht die gewünschten Ergebnisse erzielt habe. Zwischenzeitlich betreute Co-Trainer Jan-Moritz Lichte die Mannschaft beim 3:4 gegen Mainz.

Am 22. September verpflichtete der Klub Alexander Blessin als neuen Cheftrainer. Der 53-Jährige unterschrieb einen Vertrag bis 2028. Blessin hatte zuvor unter anderem in Belgien, Italien und beim FC St. Pauli gearbeitet. Mit dem Hamburger Verein sicherte er in der Saison 2024/25 den Bundesliga-Klassenerhalt, konnte den Abstieg in der darauffolgenden Spielzeit jedoch nicht verhindern. In Mönchengladbach soll er insbesondere die defensive Stabilität verbessern und der Mannschaft wieder eine klare Struktur geben. Sein Pflichtspieldebüt beim 1. FC Köln ging am 11. Oktober mit 1:2 verloren. Gegen Hoffenheim folgte nun die zweite Niederlage.

Nach dem verlorenen Derby hatte Blessin zunächst die Einsatzbereitschaft seiner Spieler hervorgehoben. „Wenn die Jungs so weitermachen, bin ich mir sicher, dass die Punkte kommen werden“, erklärte der Trainer laut Vereinsmitteilung. Auch Schröder sah Fortschritte in der Organisation und der Arbeit gegen den Ball, benannte aber Schwächephasen, die Gladbach erneut Punkte gekostet hatten. Die nächste Begegnung brachte nun denselben Ausgang. Nach der Niederlage gegen Hoffenheim appellierte Verteidiger Kevin Diks an die Mannschaft, weiterzuarbeiten und nicht aufzugeben. „Wir müssen weitermachen“, sagte er.

Die Unzufriedenheit ist inzwischen auch im Stadion deutlich zu hören. Schon während des Heimspiels gegen Hoffenheim reagierten Teile des Publikums mit Pfiffen. Zur Halbzeit begleiteten zudem Rufe nach mehr Kampfbereitschaft die Mannschaft auf ihrem Weg in die Kabine. Bereits nach der Niederlage im Rheinderby hatten sich Spieler und Trainer den enttäuschten Anhängern gestellt. Blessin suchte dabei persönlich das Gespräch mit den Fans. Für den neuen Trainer geht es deshalb nicht allein um taktische Verbesserungen, sondern auch darum, das Vertrauen in die Mannschaft durch Ergebnisse zurückzugewinnen.

Kaderumbau und Verletzungen belasten die Borussia

Neben den Ergebnissen rückt zunehmend die Kaderzusammenstellung in den Mittelpunkt. Borussia Mönchengladbach musste im Sommer mehrere bedeutende Abgänge verkraften. Mittelfeldspieler Rocco Reitz wechselte zu RB Leipzig, Innenverteidiger Nico Elvedi schloss sich nach elf Jahren Leeds United an. Auch die Leihe von Yannik Engelhardt endete, während Angreifer Haris Tabaković zu Hoffenheim zurückkehrte. Gerade mit Reitz verlor die Borussia einen Spieler, der in der Vorsaison über längere Zeit eine zentrale Rolle im Mittelfeld übernommen hatte. Elvedis Abgang bedeutete zudem den Verlust eines erfahrenen Stammspielers aus der Defensive.

Der Verein reagierte mit zahlreichen Verpflichtungen. Für das Mittelfeld kamen unter anderem Enzo Leopold von Hannover 96 und Zento Uno aus Japan. Isac Lidberg wechselte vom SV Darmstadt 98 nach Mönchengladbach, Nicolas Kühn wurde von Como ausgeliehen. Für die Abwehr verpflichtete Gladbach unter anderem Jan Leszczyński und holte Ko Itakura von Ajax Amsterdam zurück. Zudem wurde Hugo Bolin nach seiner vorherigen Leihe fest verpflichtet. Die Transfers veränderten mehrere Mannschaftsteile gleichzeitig. Viele Neuzugänge müssen sich an die Bundesliga oder an neue Rollen innerhalb des Teams gewöhnen.

Erschwert wird diese Entwicklung durch zahlreiche Verletzungen. Kapitän Tim Kleindienst fällt nach einem weiteren Muskelfaserriss erneut aus. Auch Franck Honorat, Ko Itakura, Jens Castrop und Enzo Leopold standen zuletzt verletzungsbedingt nicht zur Verfügung. Hinzu kommen personelle Probleme bei jüngeren Spielern wie Fritz Fleck und Jan Leszczyński. Blessin muss deshalb wiederholt Veränderungen vornehmen und kann nicht durchgehend auf dieselbe Besetzung zurückgreifen. In der Pressekonferenz vor dem Hoffenheim-Spiel bezeichnete er Kleindiensts erneuten Ausfall als besonders bitter für den Spieler und den Verein.

Die anhaltende Krise stellt damit auch die Entscheidungen der sportlichen Führung auf den Prüfstand. Rouven Schröder verantwortet als Sportchef die Kaderplanung und war an der Verpflichtung von Blessin beteiligt. Der bisherige Saisonverlauf zeigt, dass weder die Veränderungen im Kader noch die Neubesetzung der Trainerposition die Mannschaft bislang zu einem Punktgewinn geführt haben. Konkrete wirtschaftliche Auswirkungen des Fehlstarts oder zusätzliche personelle Konsequenzen waren am Sonntagabend zunächst nicht bestätigt.

Die nächsten Aufgaben stehen bereits bevor. Am Freitag, 23. Oktober, muss Borussia Mönchengladbach beim VfB Stuttgart antreten. Vier Tage später folgt das Heimspiel gegen den Karlsruher SC in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Für Gladbach bieten beide Begegnungen die Gelegenheit, die Negativserie zu beenden. Nach sechs Niederlagen zum Bundesliga-Start ist der Handlungsspielraum jedoch deutlich kleiner geworden. Während Blessin weiter an der Stabilisierung seiner Mannschaft arbeitet, steht für den gesamten Verein zunehmend der Kampf um den Klassenerhalt im Mittelpunkt.

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