
Borussia Mönchengladbach kämpft nicht nur mit einem sportlichen Fehlstart, sondern auch mit sinkenden Zuschauerzahlen und wachsender Kritik aus der organisierten Fanszene. Beim Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am 18. Oktober 2026 blieben zahlreiche Plätze im Borussia-Park unbesetzt. Einen Tag später erneuerte der FPMG Supporters Club seine Forderung nach Veränderungen an der Vereinsspitze. Gleichzeitig appelliert der Fan-Dachverband an die Anhänger, die Mannschaft gerade in dieser schwierigen Situation weiterhin zu unterstützen.
Die Zuschauerzahlen bei Borussia Mönchengladbach sind im Verlauf der bisherigen Bundesliga-Heimspiele deutlich gesunken. Gegen die SV Elversberg am 5. September kamen nach Angaben der Deutschen Fußball Liga 51.042 Menschen ins Stadion. Für die Begegnung gegen Mainz 05 am 19. September meldete der Verein 50.717 Zuschauer. Beim Heimspiel gegen Hoffenheim am vergangenen Sonntag waren es laut offizieller Borussia-Spielstatistik nur noch 43.702. Der Bundesliga-Liveticker weist für diese Partie abweichend 43.712 Zuschauer aus.
Der ista-Borussia-Park bietet nach Vereinsangaben inzwischen Platz für 54.909 Menschen. Gemessen an der von Borussia veröffentlichten Zuschauerzahl blieben gegen Hoffenheim rechnerisch 11.207 Plätze unbesetzt. Der Durchschnitt der ersten drei Bundesliga-Heimspiele liegt bei 48.487 Besuchern. Die Bild-Zeitung griff diese Entwicklung am Dienstag, 20. Oktober, auf und verwies darauf, dass Borussia zuletzt im Januar 2019 gegen den FC Augsburg eine noch kleinere Bundesliga-Kulisse außerhalb der pandemiebedingten Einschränkungen verzeichnet hatte.
Der Rückgang fällt besonders auf, weil der Verein in den vergangenen Jahren eine hohe Nachfrage nach Eintrittskarten verzeichnete. In der Saison 2024/25 stellte Borussia nach eigenen Angaben mit durchschnittlich 53.101 Zuschauern bei insgesamt 902.717 Besuchern einen Vereinsrekord auf. Auch für die laufende Saison 2026/27 erreichte Mönchengladbach nach einer Vereinsmitteilung vom 29. Juli erneut die selbst festgelegte Obergrenze von 30.000 verkauften Dauerkarten. Ein entsprechender Einbruch beim Dauerkartenabsatz ist damit nicht belegt. Die Zahl der verkauften Saisonkarten und die tatsächliche Besucherzahl an einzelnen Spieltagen sind zudem unterschiedliche Größen.
In dieser Situation hat sich der FPMG Supporters Club e. V., der anerkannte Dachverband der Gladbacher Fans, am 19. Oktober mit einer ausführlichen Stellungnahme zu Wort gemeldet. Bereits im April hatte der Verband eine personelle Neuaufstellung des Präsidiums verlangt. Diese Forderung bekräftigte er angesichts der aktuellen Entwicklung ausdrücklich. Der Verband kritisiert aus seiner Sicht problematische Entscheidungen der vergangenen Jahre, insbesondere das wiederholte Festhalten an sportlich Verantwortlichen. Eine personelle Erneuerung solle nach seinen Vorstellungen nicht bis zum regulären Ende der Präsidiumsperiode im Jahr 2027 aufgeschoben werden.
Im Zentrum der Diskussion steht damit auch Präsident Rainer Bonhof, der das Amt seit März 2024 innehat. Das Fußballportal 90min.de rückte Bonhof in einem Beitrag vom 19. Oktober besonders in den Mittelpunkt der Fankritik und verwies auf die bereits im Frühjahr erhobene Rücktrittsforderung. Der FPMG Supporters Club stellt allerdings klar, dass er keine Machtübernahme durch die organisierte Fanszene oder eine unverhältnismäßig starke Besetzung der Vereinsgremien mit Fanvertretern anstrebt. Vielmehr erwartet der Verband von der bestehenden Führung die Bereitschaft, den Weg für Veränderungen freizumachen.
Die Stellungnahme macht zugleich deutlich, dass die Unzufriedenheit inzwischen auch den Stadionbesuch betrifft. Nach Darstellung des Dachverbands äußern zunehmend Anhänger, vorerst keine Lust auf Spiele oder andere Aktivitäten rund um Borussia zu haben. Eine konkrete Zahl betroffener Fans nennt der Verband nicht. Trotzdem spricht sich der FPMG Supporters Club ausdrücklich gegen einen Rückzug von den Rängen aus. Die Anhänger sollen ihre Mannschaft weiterhin unterstützen und andere Fans zum Stadionbesuch motivieren. Die Kritik an der Vereinsführung und die Unterstützung der Spieler werden damit bewusst voneinander getrennt.
Borussias Vereinsführung hat die schwierige sportliche Situation bereits öffentlich eingeräumt. Präsident Rainer Bonhof erklärte am 6. Oktober auf der offiziellen Vereinsseite, dass der Saisonstart erheblich von den eigenen Erwartungen abweiche. Er verwies auf die Trennung von Trainer Eugen Polanski und betonte, dass eine Verbesserung gemeinsame Anstrengungen, Vertrauen und Geduld erfordere. Diese Aussagen erfolgten vor der jüngsten Stellungnahme des FPMG Supporters Club und sind deshalb keine unmittelbare Antwort auf dessen erneuerte Forderung nach einer Neuaufstellung des Präsidiums. Eine gesonderte öffentliche Reaktion der Vereinsführung auf diese Forderung lag zunächst nicht vor.
Auch Sportchef Rouven Schröder und Trainer Alexander Blessin äußerten sich nach dem Hoffenheim-Spiel zur angespannten Lage. Auf der Vereinswebsite beschrieb Schröder die Enttäuschung über den ausbleibenden Erfolg und forderte Geschlossenheit. Blessin kritisierte unter anderem das zu passive Verhalten seiner Mannschaft in entscheidenden Situationen. Beide konzentrierten sich in ihren öffentlichen Aussagen auf die sportliche Entwicklung. Eine Stellungnahme zu den personellen Forderungen des Fan-Dachverbands war damit nicht verbunden.
Bemerkenswert ist, dass Borussia noch im Frühjahr 2026 an einer Erweiterung der Stadionkapazität arbeitete. Geschäftsführer Markus Aretz begründete die damaligen Umbaupläne mit einer besonders hohen Nachfrage nach günstigeren Stehplatzkarten, vor allem unter jüngeren Anhängern. Inzwischen verfügt das Stadion über zusätzliche Stehplätze. Der Verein steht damit vor einer veränderten Situation: Während die langfristige Nachfrage nach Dauerkarten weiterhin hoch ist, bleiben bei einzelnen Heimspielen inzwischen erheblich mehr Plätze frei.
Sportlich verschärft sich die Situation durch sechs Niederlagen in den ersten sechs Bundesligaspielen. Borussia ist mit null Punkten Tabellenletzter und hat damit einen historischen Fehlstart hingelegt. Die nächste Begegnung steht am Freitag, 23. Oktober, beim VfB Stuttgart an. Für den Fan-Dachverband bleibt der Klassenerhalt die unmittelbare Priorität. Die Forderung nach Veränderungen in der Vereinsführung soll jedoch auch während der laufenden Saison weiterverfolgt werden. Damit steht Borussia Mönchengladbach vor der Aufgabe, sportliche Stabilität zurückzugewinnen und zugleich das Verhältnis zur kritischen organisierten Fanszene zu gestalten.
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