Goldpreis bei 4.749 Dollar: Warum die Zollpause Gold nur kurz bremst – und der nächste Anstieg kommt

Das Paradoxon "Buy on Bad News, Sell on Good News" entschlüsseln wir in diesem Beitrag. Montagseffekt
Quelle: Pixabay, sergeitokmakov

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Der Goldpreis notiert am Donnerstag, 10. April 2026, bei rund 4.749 US-Dollar je Unze – ein leichtes Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortag. Nach dem fulminanten Anstieg auf 4.825 Dollar am Mittwoch, ausgelöst durch die zweiwöchige US-Iran-Waffenruhe, tritt das Edelmetall nun auf der Stelle. Der Grund: Präsident Trump hat am Donnerstag eine 90-tägige Pause bei den reziproken Zöllen für die meisten Länder angekündigt – was die Risikobereitschaft an den Aktienmärkten dramatisch erhöht und kurzfristig Kapital aus dem sicheren Hafen Gold abzieht. Doch wer die Bewegung einordnet, erkennt: Strukturell bleibt Gold so bullisch wie selten zuvor. Im Jahresvergleich steht das Edelmetall 46,7 Prozent im Plus.

Die 90-Tage-Pause: Gut für Aktien, gemischt für Gold

Trumps Ankündigung vom 9. April hat die Märkte auf den Kopf gestellt. Der S&P 500 legte an einem einzigen Tag um fast neun Prozent zu – einer der größten Tagesgewinne in der Geschichte des Index. Für Gold bedeutet das zunächst Gegenwind: Wenn Risikoassets so stark steigen, fließt Kapital aus defensiven Positionen ab. Die Logik dahinter ist simpel – wer Aktien kauft, braucht kurzfristig weniger Absicherung.

Doch der Schein trügt. Die Zollpause gilt ausdrücklich nicht für China. Im Gegenteil: Die US-Zölle auf chinesische Importe wurden auf 125 Prozent angehoben – kurz darauf korrigierte das Weiße Haus auf 145 Prozent. Das bedeutet: Der Handelskrieg ist nicht beigelegt, er wird lediglich umgeleitet. Statt einem globalen Schock droht jetzt ein konzentrierter Wirtschaftskrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Für Gold ist das langfristig ein Treiber, nicht ein Bremsblock.

Vom Allzeithoch zur Korrektur – und was das bedeutet

Gold hatte am 28. Januar 2026 mit 5.589 US-Dollar je Unze ein Allzeithoch markiert. Seitdem befindet sich das Edelmetall in einer Konsolidierungsphase, die Analysten als gesund und strukturell intakt bewerten. Auf dem aktuellen Niveau von 4.749 Dollar steht Gold rund 15 Prozent unter dem Allzeithoch – eine Korrektur, die technisch als klassisches Retracement gilt und die Aufwärtsbewegung nicht infrage stellt.

Die monatliche Performance ist zwar mit minus 8,3 Prozent negativ, aber der Jahresvergleich von plus 46,7 Prozent zeigt, wie stark der strukturelle Aufwärtstrend weiterhin ist. Vergleichbare Korrekturen nach Allzeithochs hat Gold in der Vergangenheit stets als Einstiegsgelegenheit für die nächste Rally-Phase genutzt.

Zentralbanken kaufen – struktureller Boden bleibt fest

Unabhängig von kurzfristigen Kursbewegungen läuft im Hintergrund ein Prozess, der den Goldpreis langfristig stützt wie kaum ein anderer Faktor: Zentralbanken kaufen systematisch Gold. Seit Anfang April summieren sich die ETF-Zuflüsse auf 88 Tonnen – und das in einem Umfeld, das von Unsicherheit geprägt ist. Die Motive sind bekannt: Schwellenländer diversifizieren weg vom US-Dollar, geopolitische Risiken machen Reserven in physischem Gold attraktiv, und Trumps wiederholte Angriffe auf die Unabhängigkeit der Federal Reserve untergraben das Vertrauen in den Dollar als Reservewährung.

Das Ergebnis ist ein struktureller Nachfrageboden, der kurzfristige Preiskorrekturen abfedert. Selbst in Phasen, in denen institutionelle Anleger Gewinne mitnehmen, kaufen staatliche Akteure auf der anderen Seite – eine Konstellation, die für eine anhaltend hohe Bewertung spricht.

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Iran, China und die Zollwirren – das geopolitische Dreieck

Die geopolitische Gemengelage bleibt außergewöhnlich komplex. Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hat die unmittelbaren Kriegsrisiken gedämpft, aber nicht aufgelöst. Waffenstillstände dieses Typs sind temporär – und Marktteilnehmer wissen, dass eine Wiederaufnahme der Feindseligkeiten Gold sofort wieder nach oben katapultieren würde.

Gleichzeitig eskaliert der Handelskonflikt mit China auf ein Niveau, das Ökonomen mit dem Smoot-Hawley-Zollgesetz von 1930 vergleichen – dem Auslöser des Welthandelszusammenbruchs in der Großen Depression. Zölle von 145 Prozent auf chinesische Waren sind faktisch ein Embargo. China hat bereits Gegenzölle angekündigt und in der Vergangenheit bewiesen, dass es bereit ist, Handelskonflikte über lange Zeiträume auszufechten. Die Unsicherheit, die diese Eskalation erzeugt, ist strukturell positiv für Gold.

Was Analysten erwarten: Von 5.055 bis 7.200 Dollar

Die Bandbreite der Analystenmeinungen für den Goldpreis bis Ende 2026 ist bemerkenswert weit – was selbst ein Signal ist. JP Morgan erwartet einen Durchschnittspreis von 5.055 Dollar je Unze für das vierte Quartal 2026. UBS ist deutlich bullischer: Das Schweizer Großhaus hat sein Kursziel auf 6.200 Dollar bis September 2026 angehoben und sieht im Optimismusfall Potenzial bis zu 7.200 Dollar. Wells Fargo erwartet eine Jahresendrally auf 6.100 bis 6.300 Dollar.

Die Begründungen konvergieren: strukturelle Zentralbanknachfrage, Dollar-Schwäche, anhaltende geopolitische Unsicherheit und die Erwartung weiterer Fed-Zinssenkungen. Wer all das zusammenzählt, kommt auf einen Goldpreis, der auf dem aktuellen Niveau nicht hoch, sondern günstig bewertet erscheint.

Was Anleger jetzt wissen müssen

Die Konsolidierung nach dem Allzeithoch bei 5.589 Dollar ist kein Warnsignal – sie ist Teil eines gesunden Aufwärtstrends. Das aktuelle Niveau von rund 4.749 Dollar liegt 15 Prozent unter dem Hoch, aber fast 47 Prozent über dem Vorjahresniveau. Wer Gold als langfristige Absicherung hält, findet solide Argumente für Geduld: Zölle, Geopolitik, Dollarschwäche und Zentralbanknachfrage zeigen alle in die gleiche Richtung.

Die kurzfristige Schwäche nach Trumps Zollpause ist nachvollziehbar – aber begrenzt. Solange der Handelskrieg mit China auf 145-Prozent-Niveau eskaliert, der Iran-Konflikt ungelöst bleibt und die Fed unter politischem Druck steht, bleibt Gold strukturell in einem Bullenmarkt. Der nächste Test liegt beim Widerstand um 5.000 Dollar – danach wäre das Allzeithoch wieder in Reichweite.

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