
Der Energiewende-Projektierer GP Joule aus Reußenköge in Schleswig-Holstein setzt seinen Stellenabbau fort. Rund 100 weitere Arbeitsplätze sollen wegfallen, vor allem in der Verwaltung. Das Unternehmen verweist auf wirtschaftlichen Kostendruck und unsichere energiepolitische Rahmenbedingungen. Bereits zuvor hatte die Unternehmensgruppe ihre Beschäftigtenzahl deutlich reduziert.
Für das Unternehmen ist es nicht die erste Personalreduzierung. Schon 2025 hatte GP Joule nach damaligen Angaben rund 140 Stellen gestrichen. Auch Anfang 2026 waren Beschäftigte betroffen, unter anderem im Bereich der erneuerbaren Wärmeversorgung.
Noch Anfang Oktober bezifferte Geschäftsführer Ove Petersen die Beschäftigtenzahl auf 765. Zuvor hatte die Gruppe knapp 1.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Etwa die Hälfte der zuletzt genannten Belegschaft arbeitete in Schleswig-Holstein.
Mit dem jetzt angekündigten Abbau von weiteren rund 100 Stellen setzt sich die Entwicklung fort. Eine aktuelle Gesamtzahl der Beschäftigten nach Abschluss der neuen Maßnahmen liegt zunächst nicht vor. Auch die genaue Verteilung auf die einzelnen Unternehmensstandorte blieb offen.
Die Unternehmensführung nennt mehrere Ursachen für die Einschnitte. Neben wirtschaftlichen Belastungen verweist GP Joule auf Unsicherheiten bei der künftigen Energiegesetzgebung. Bereits Anfang Oktober erklärte Petersen, dass sich insbesondere die Wasserstoffwirtschaft und die Elektromobilität anders entwickelt hätten als ursprünglich erwartet.
GP Joule ist in mehreren Bereichen der Energiewende aktiv. Dazu gehören die Entwicklung und Errichtung von Windparks und Solaranlagen, die Wärmeversorgung, Batteriespeicher sowie Infrastruktur für Elektrofahrzeuge und Wasserstoff.
Gerade bei langfristigen Energieprojekten spielen gesetzliche Vorgaben eine große Rolle. Unternehmen müssen Investitionen und mögliche Einnahmen über viele Jahre kalkulieren. Änderungen bei Förderbedingungen, Netzanschlüssen oder Vergütungsregelungen können deshalb Auswirkungen auf Finanzierungsentscheidungen haben.
Die Bundesregierung arbeitet an Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes und der Regeln für Stromnetze. Dabei geht es unter anderem darum, wie neue Anlagen in Regionen mit bereits stark belasteten Stromnetzen angeschlossen und betrieben werden können.
Ein zentraler Streitpunkt sind mögliche Einschränkungen bei Entschädigungen für Betreiber von Wind- und Solaranlagen. Solche Zahlungen werden bislang unter bestimmten Voraussetzungen fällig, wenn Anlagen wegen Netzengpässen ihre Stromproduktion reduzieren müssen.
GP Joule gehört zu den Unternehmen, die Änderungen an den geplanten Regelungen verlangen. Im Mai 2026 beteiligte sich die Unternehmensgruppe an einer gemeinsamen Stellungnahme von zwölf Unternehmen aus der Energiebranche, der Industrie und dem Gewerbe.
Die Beteiligten warnten vor zusätzlichen Investitionsrisiken und forderten stattdessen Lösungen, die Stromerzeugung, Speicherung und Verbrauch besser miteinander verbinden. Die Bundesregierung begründet ihre Reformpläne unter anderem mit dem Ziel, Kosten durch überlastete Stromnetze zu begrenzen.
Der Stellenabbau erfolgt in einer Phase grundlegender Veränderungen bei GP Joule. Im Juni 2026 stellte die Unternehmensgruppe eine neue Gesellschafterstruktur vor. Seither konzentriert sie sich verstärkt auf die drei Kernbereiche Projektentwicklung, Anlagenbau sowie Betrieb und Service.
Mehrheitsgesellschafter der GP Joule Holding ist Alexander Lehmann, der bereits seit 2020 beteiligt war. Geschäftsführer Ove Petersen führt das operative Geschäft gemeinsam mit Finanzchef Torben Menke.
Mitgründer Heinrich Gärtner konzentriert sich inzwischen auf die Wärmegesellschaft, an der er die Mehrheit der Anteile übernommen hat. Sie bleibt weiterhin Teil der GP Joule Gruppe.
Das Unternehmen, das 2009 gegründet wurde, hat seine Wurzeln in Reußenköge und im bayerischen Buttenwiesen. Über Tochtergesellschaften und Projektentwicklungsaktivitäten ist die Gruppe auch in anderen europäischen Ländern tätig.
Trotz der Personalreduzierungen arbeitet GP Joule an neuen Energieanlagen. Im Oktober begannen beispielsweise die vorbereitenden Bauarbeiten für einen Windpark in Holzheim im bayerischen Landkreis Dillingen an der Donau.
Dort sind vier Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 28 Megawatt geplant. Die Inbetriebnahme ist für Anfang 2028 vorgesehen. Die Stadtwerke München haben im Oktober 74 Prozent der Anteile an dem Projekt übernommen. Weitere Beteiligungen sind für Kommunen und eine Bürgergenossenschaft vorgesehen.
Das Vorhaben zeigt, dass GP Joule seine Projektentwicklung trotz der Einschnitte fortsetzt. Gleichzeitig verdeutlicht der wiederholte Stellenabbau, wie stark das Unternehmen seine Organisation und Personalkosten an veränderte wirtschaftliche Bedingungen anpasst.
Welche Auswirkungen die jüngsten Personalentscheidungen auf einzelne Geschäftsbereiche und künftige Projekte haben werden, ist bislang nicht im Detail bekannt.
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