
Auf der kroatischen Ferieninsel Brač hat sich ein seit Donnerstag brennendes Feuer in der Nacht zu Sonntag erheblich ausgeweitet. Besonders angespannt war die Lage rund um den Küstenort Milna im Westen der Insel. Nach Angaben des kroatischen Rundfunks HRT wurden rund 700 Menschen aus gefährdeten Bereichen in Sicherheit gebracht, viele von ihnen auf dem Seeweg. Am Sonntagabend waren weiterhin 235 Feuerwehrleute mit 68 Fahrzeugen im Einsatz.
Das Feuer hatte bereits am Donnerstagabend, 10. September, im Bereich von Ložišća begonnen. Die kroatische Feuerwehr registrierte den Einsatz um 22.13 Uhr. Zunächst brannten Gras, niedrige Vegetation und Macchia in schwer zugänglichem Gelände. Wegen starken Windes näherte sich das Feuer in der ersten Nacht den Orten Ložišća und Bobovišća. Wohnhäuser konnten dort nach Angaben der kroatischen Feuerwehr verteidigt werden.
Am Sonntag verschärfte sich die Lage noch einmal deutlich. Starke Bora-Böen fachten das Feuer erneut an und trieben es in Richtung Milna sowie zu den Buchten Duboka und Osibova. Auch ein Ferienresort geriet in Gefahr. Die Feuerwehr begann gegen 23.25 Uhr mit der vorsorglichen Verlegung von Bewohnern und Gästen.
Nach dem aktuellen Stand vom Sonntagabend wurden rund 700 Menschen aus den betroffenen Bereichen evakuiert oder vorsorglich verlegt. HRT nennt dabei etwa 500 Menschen, die über das Meer aus dem weiteren Gebiet um Milna gebracht wurden. Hinzu kamen unter anderem rund 400 Gäste und Beschäftigte eines Resorts. Die Zahlen überschneiden sich teilweise und lassen sich deshalb nicht einfach addieren. In der Gesamtbilanz nennt HRT rund 700 Evakuierte.
An der Aktion beteiligten sich unter anderem die kroatische Polizei, die Marine, die Hafenbehörden sowie private Boote. Menschen wurden nach Supetar, Postira und Bol gebracht und dort untergebracht. Auch die kroatischen Streitkräfte unterstützten den Einsatz mit dem Marineschiff OOB-31 Omiš und zwei Schlauchbooten.
Für Urlauber bedeutete das Feuer vor allem im Westen von Brač erhebliche Einschränkungen. Betroffen waren insbesondere Milna und die umliegenden Buchten sowie touristische Unterkünfte im unmittelbaren Gefahrenbereich. Hinweise auf eine Evakuierung der gesamten Insel oder eine generelle Unterbrechung des Reiseverkehrs lagen am Sonntagabend nicht vor.
Zwei Menschen mussten medizinisch behandelt werden. Eine 76 Jahre alte Frau stürzte während der Evakuierung von einem Boot ins Wasser und wurde zunächst in kritischem Zustand in ein Krankenhaus in Split gebracht. Am Sonntagabend wurde ihr Zustand als stabil beschrieben. Ein 27 Jahre alter Mann wurde wegen Rauchgasen behandelt und konnte anschließend wieder entlassen werden. Todesfälle wurden nicht gemeldet.
Nach Angaben der kroatischen Feuerwehr wurden keine Feuerwehrleute verletzt. Mehrere Gebäude wurden jedoch beschädigt. Bei einem Resort brannten nach Angaben der Einsatzkräfte Nebenbauten. Der überwiegende Teil der unmittelbar bedrohten Gebäude konnte verteidigt werden.
Am Sonntag waren 235 Feuerwehrleute mit 68 Fahrzeugen auf Brač eingesetzt. Die Kräfte kamen nicht nur von der Insel selbst, sondern auch aus Split, Trogir, Kaštela, Solin, Omiš und Makarska sowie aus mehreren anderen kroatischen Regionen. Hinzu kamen staatliche Interventionseinheiten aus Split, Šibenik und Dubrovnik.
Am Morgen unterstützten vier Canadair CL-415 und drei Air Tractor AT-802 die Löscharbeiten aus der Luft. Im Laufe des Tages wurden ein Canadair und ein Air Tractor zu einem neuen Feuer bei Sevid auf dem Festland umgeleitet. Insgesamt hatten die Löschflugzeuge nach Angaben des kroatischen Feuerwehrchefs bis Sonntagnachmittag 977 Einsätze über dem Brandgebiet geflogen und dabei fast 5.000 Tonnen Wasser abgeworfen.
Am Sonntagabend bezeichnete Feuerwehrchef Slavko Tucaković die Situation auf Brač als deutlich besser. Die Arbeiten konzentrierten sich auf die Sicherung und Nachlöscharbeiten. Besonders in den Bereichen Duboka und Osibova blieben Kräfte im Einsatz, weil dort weiterhin Glutnester und eine erneute Ausbreitung möglich waren.
Die Größe des Brandgebiets wurde im Verlauf des Wochenendes mehrfach nach oben korrigiert. Am Samstag war zunächst von rund 1.500 Hektar die Rede gewesen. Nach den jüngsten Schätzungen vom Sonntag sind etwa 4.500 Hektar betroffen. Das entspricht rund 45 Quadratkilometern. Verbrannt sind vor allem Wald, Macchia, Gras und andere mediterrane Vegetation.
Einzelne satellitengestützte Auswertungen kamen am Sonntag sogar auf eine größere Fläche von mehr als 5.000 Hektar. Eine solche Zahl war von den zuständigen Behörden zunächst jedoch nicht als endgültige Schadensbilanz bestätigt.
Brač ist mit knapp 400 Quadratkilometern eine der größten Inseln Kroatiens. Der bislang genannte Flächenschaden entspricht damit mehr als einem Zehntel der gesamten Inseloberfläche.
Während die Lage im Westen der Insel langsam unter Kontrolle gebracht wurde, brach am Sonntagnachmittag ein weiteres Feuer oberhalb von Bol an der Südküste von Brač aus. Gegen 14.30 Uhr wurden erneut Einsatzkräfte und ein Löschflugzeug alarmiert. Am Abend war dieses Feuer nach Angaben von HRT weitgehend unter Kontrolle.
Dabei handelte es sich um einen neuen Brandherd mehrere Kilometer vom großen Brandgebiet bei Ložišća und Milna entfernt. Gleichzeitig mussten kroatische Einsatzkräfte weitere Vegetationsbrände auf dem Festland bekämpfen, darunter einen Brand bei Sevid nahe Trogir. Dadurch wurden Luftfahrzeuge von Brač abgezogen.
Zur Ursache des großen Feuers bei Ložišća lagen bis Sonntagabend keine abschließenden behördlichen Angaben vor. In kroatischen Berichten wurde ein Blitzeinschlag als mögliche Ursache genannt. Eine entsprechende Feststellung der Polizei oder das Ergebnis einer abgeschlossenen Brandortuntersuchung wurde für diesen Brand jedoch zunächst nicht veröffentlicht.
Offiziell bestätigt war zunächst nur, dass der Brand am Donnerstagabend in offenem und schwer zugänglichem Gelände bei Ložišća ausgebrochen war. Die starken und mehrfach wechselnden Winde waren anschließend entscheidend für seine schnelle Ausbreitung. Die genaue Brandursache blieb zunächst offen.
Für Brač war der Sonntag damit vor allem der Tag der bislang größten Evakuierung und der anschließenden Stabilisierung der Lage. Während das Feuer bereits seit Donnerstag brannte, erreichte es erst in der Nacht zu Sonntag die touristisch stärker genutzten Küstenbereiche bei Milna. Am Abend liefen weiter Nachlöscharbeiten, gleichzeitig blieb die Gefahr bestehen, dass Wind verbliebene Glutnester erneut anfacht.
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