Gruber Polstermöbel insolvent: Zukunft des Werks ist offen

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Symbolbild: Evan Wise

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Der oberfränkische Polstermöbelhersteller Gruber aus Sonnefeld im Landkreis Coburg ist insolvent. Das Amtsgericht Coburg hat eine vorläufige Insolvenzverwaltung über das Vermögen der Gruber Polstermöbel GmbH angeordnet. Damit gerät ein traditionsreicher Hersteller in wirtschaftliche Schwierigkeiten, der seine Polstermöbel nach eigenen Angaben vollständig am deutschen Stammsitz produziert. Ob das Unternehmen seinen Betrieb fortführen kann, war am Dienstag zunächst offen. Eine endgültige Schließung ist bislang nicht amtlich bestätigt.

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Amtsgericht ordnet vorläufige Insolvenzverwaltung an

Das Verfahren läuft beim Amtsgericht Coburg unter dem Aktenzeichen IN 207/26. Aus der veröffentlichten gerichtlichen Bekanntmachung geht hervor, dass Gruber einen Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das eigene Vermögen gestellt hat. Am 21. August 2026 um 11 Uhr ordnete das Gericht zur Sicherung des Unternehmensvermögens die vorläufige Insolvenzverwaltung an. Verfügungen des Unternehmens sind dem Beschluss zufolge nur noch mit Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters wirksam.

Als vorläufiger Insolvenzverwalter wurde Rechtsanwalt Klaus-Christof Ehrlicher aus Coburg bestellt. Ehrlicher ist Fachanwalt für Insolvenzrecht und gehört der Kanzlei Linse und Ehrlicher Rechtsanwaltsgesellschaft an.

Ein reguläres Insolvenzverfahren ist damit noch nicht eröffnet. In der jetzigen Phase werden insbesondere die wirtschaftliche Situation und die vorhandene Insolvenzmasse geprüft. Konkrete Termine für eine Verfahrenseröffnung, einen Berichtstermin oder die Anmeldung von Forderungen waren zunächst nicht veröffentlicht. Ebenso lagen keine belastbaren Angaben dazu vor, ob bereits nach Investoren oder anderen Fortführungslösungen gesucht wird.

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Auch zu den konkreten Ursachen der Insolvenz von Gruber Polstermöbel lagen zunächst keine bestätigten Angaben des Unternehmens oder des vorläufigen Insolvenzverwalters vor. Die schwierige Lage der Möbelbranche lässt deshalb keine Rückschlüsse auf die individuellen Gründe des Insolvenzantrags zu.

Gruber produziert Polstermöbel vollständig in Sonnefeld

Gruber gehört zu den traditionsreichen Möbelherstellern Oberfrankens. Die Unternehmensgeschichte reicht nach Angaben der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel bis 1927 zurück. Das Unternehmen stellt Sofas, Sessel und weitere Polstermöbel her und wirbt mit einer vollständigen Fertigung am Standort Sonnefeld. Auch die Deutsche Gütegemeinschaft Möbel führt Gruber als Hersteller mit Produktion in Deutschland.

Zur aktuellen Größe der Belegschaft liegen unterschiedliche öffentliche Angaben vor. Gruber selbst erklärte auf seiner Internetseite, soziale Verantwortung für fast 100 Mitarbeiter zu tragen. Eine bayerische Firmendatenbank nennt dagegen 150 Beschäftigte am Standort, wobei die Aktualität dieser Zahl nicht eindeutig feststellbar ist. Für die derzeit vom Insolvenzverfahren betroffene Beschäftigtenzahl liegt deshalb zunächst keine amtlich bestätigte exakte Angabe vor.

Gerade die vollständige Produktion in Deutschland unterscheidet Gruber von zahlreichen Anbietern, die zumindest Teile ihrer Fertigung in Länder mit niedrigeren Produktionskosten verlagert haben. Für deutsche Hersteller bringt dieses Modell zugleich eine stärkere Abhängigkeit von heimischen Energie-, Personal- und Beschaffungskosten mit sich.

Deutsche Polstermöbelhersteller verlieren deutlich Umsatz

Die Insolvenz fällt in eine schwierige Phase für die deutsche Möbelindustrie. Nach Angaben der Branchenverbände sank der Umsatz der deutschen Möbelindustrie 2025 im dritten Jahr in Folge. Die Unternehmen erzielten rund 15,8 Milliarden Euro und damit 3,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Besonders schwach entwickelte sich das Inlandsgeschäft mit einem Minus von 4,4 Prozent.

Für die Polstermöbelhersteller fiel der Rückgang noch stärker aus. Ihr Umsatz sank 2025 um 7,2 Prozent auf 873 Millionen Euro. Auch Anfang 2026 setzte sich die Schwäche fort. Im ersten Quartal dieses Jahres lagen die Umsätze der deutschen Polstermöbelindustrie nach Angaben der Möbelverbände mit rund 221 Millionen Euro neun Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Bei Wohn-, Ess- und Schlafzimmermöbeln betrug das Minus 7,7 Prozent.

Die Möbelverbände verweisen unter anderem auf die zurückhaltende Konsumstimmung und den schwachen Wohnungsbau. Gerade größere Anschaffungen wie Sofas, Küchen oder Schlafzimmer lassen sich von Haushalten vergleichsweise leicht aufschieben. Die Verbandsstatistik zeigte zuletzt zudem eine schwache Nachfrage bei Polster- und Wohnmöbelherstellern.

Materialkosten und Importe erhöhen den Wettbewerbsdruck

Gleichzeitig stehen die Produktionskosten unter Druck. Die Möbelverbände berichteten im Mai von höheren Kosten für verschiedene Vorprodukte wie Spanplatten, Metallbeschläge und Polsterschäume sowie für Logistikleistungen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lagen die Erzeugerpreise für Vorleistungsgüter im Mai 2026 insgesamt 4,2 Prozent über dem Vorjahreswert.

Hinzu kommt der Wettbewerb mit Importware. Die Möbeleinfuhren nach Deutschland stiegen 2025 nach Verbandsangaben um 10,3 Prozent auf rund 10,7 Milliarden Euro. China erreichte mit rund 3,1 Milliarden Euro einen Anteil von 29,5 Prozent an den deutschen Möbelimporten, knapp vor Polen. Der Branchenverband sieht dadurch einen zunehmenden Preisdruck auf deutsche Produzenten.

Die Entwicklung betrifft Polstermöbel besonders deutlich. Bereits in den ersten sieben Monaten 2025 waren die deutschen Polstermöbelimporte um 16 Prozent gestiegen. Rund 42 Prozent kamen aus Polen und etwa ein Viertel aus China.

Unternehmensinsolvenzen bleiben in Deutschland auf hohem Niveau

Auch außerhalb der Möbelbranche ist die Zahl der Insolvenzen weiterhin hoch. Im gesamten Jahr 2025 registrierten die deutschen Amtsgerichte 24.064 beantragte Unternehmensinsolvenzen. Das waren 10,3 Prozent mehr als 2024 und nahezu so viele wie zuletzt 2014. Bereits 2023 und 2024 waren die Zahlen jeweils um mehr als 20 Prozent gestiegen.

Für die ersten fünf Monate 2026 registrierte das Statistische Bundesamt 10.546 Unternehmensinsolvenzen. Das entsprach einem Anstieg von 4,9 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Im Mai allein wurden 1.995 Fälle erfasst, zwei Prozent weniger als im Mai 2025. Destatis weist darauf hin, dass zwischen einem Insolvenzantrag und seiner Aufnahme in die amtliche Statistik häufig mehrere Monate liegen.

Für Gruber entscheidet sich nun zunächst im vorläufigen Verfahren, welche wirtschaftlichen Möglichkeiten bestehen. Offiziell bestätigt ist bislang die vorläufige Insolvenzverwaltung. Eine endgültige Aufgabe des Produktionsstandorts in Sonnefeld oder ein konkreter Termin für eine Schließung waren am Dienstag nicht bekannt.

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