„Körperwelten“-Erfinder Gunther von Hagens gestorben

Gunther von Hagens gestorben
Stadtmarketing Mannheim GmbH, CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons

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Gunther von Hagens, Erfinder der Plastination und Begründer der international bekannten „Körperwelten“-Ausstellungen, ist im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Mediziner machte das Innere des menschlichen Körpers für ein Millionenpublikum sichtbar und löste damit zugleich eine jahrzehntelange Debatte über Aufklärung, Pietät und Menschenwürde aus. Sein Lebenswerk ist gegenwärtig auch in Münster zu sehen: In der Halle Münsterland gastiert die Ausstellung „Körperwelten – Vital“.

Gunther von Hagens starb im Alter von 81 Jahren

Wie seine Familie mitteilte, starb Gunther von Hagens am Freitag, 24. Juli 2026, in Heidelberg. Der Mediziner litt bereits seit vielen Jahren an Parkinson. Bekannt wurde er weit über die medizinische Fachwelt hinaus durch eine Konservierungstechnik, mit der menschliche Körper und Organe dauerhaft erhalten werden können.

Von Hagens wurde 1945 als Gunther Gerhard Liebchen in der Nähe von Posen im heutigen Polen geboren. Ab 1965 studierte er Medizin in Jena. Nach Protesten gegen das DDR-Regime und einem Fluchtversuch wurde er inhaftiert. Im Jahr 1970 kaufte ihn die Bundesrepublik als politischen Gefangenen frei. Später setzte er sein Medizinstudium fort und arbeitete an der Universität Heidelberg.

Die Idee hinter den „Körperwelten“

Mit den „Körperwelten“ wollte Gunther von Hagens anatomisches Wissen aus den Universitäten und Präpariersälen in die Öffentlichkeit bringen. Besucher sollten den menschlichen Körper nicht nur anhand von Zeichnungen, Modellen oder Fotografien kennenlernen, sondern an echten anatomischen Präparaten.

Die Ausstellung verfolgt dabei einen pädagogischen und gesundheitlichen Ansatz. Sie zeigt, wie Organe, Muskeln, Knochen, Nerven und Blutgefäße aufgebaut sind und wie sie zusammenarbeiten. Gleichzeitig werden häufig gesunde und erkrankte Organe gegenübergestellt. Dadurch sollen unter anderem die Folgen des Rauchens, mangelnder Bewegung oder bestimmter Krankheiten sichtbar werden.

Die Grundidee besteht darin, den eigenen Körper besser zu verstehen. Aus diesem Wissen soll nach Vorstellung der Ausstellungsmacher ein stärkeres Bewusstsein für Gesundheit und die eigene Lebensweise entstehen. Die Präsentation echter Körper soll dabei einen unmittelbaren Eindruck vermitteln, den herkömmliche anatomische Modelle kaum erreichen können.

Was zeigen die Ausstellungen?

Zu sehen sind einzelne Organe, Körperscheiben, Blutgefäßsysteme und vollständige menschliche Körper. Die Ganzkörperplastinate werden häufig in sportlichen oder alltäglichen Bewegungen dargestellt. Einige Präparate laufen, springen, werfen einen Ball oder halten eine bestimmte Körperhaltung ein.

Diese Inszenierungen sollen keine Lebensszenen nachstellen, sondern anatomische Zusammenhänge verdeutlichen. Durch die jeweilige Haltung lassen sich Muskelgruppen, Sehnen, Gelenke und Bewegungsabläufe besser erkennen. Teilweise sind einzelne Körperschichten entfernt oder auseinandergezogen, damit auch tiefer liegende Strukturen sichtbar werden.

Die Präparate stammen nach Angaben der Verantwortlichen aus einem Körperspendeprogramm. Die Spender haben zu Lebzeiten erklärt, dass ihr Körper nach dem Tod für die Plastination, die medizinische Forschung oder die öffentliche anatomische Bildung verwendet werden darf.

Wie funktioniert die Plastination?

Die Plastination entwickelte Gunther von Hagens 1977 am Anatomischen Institut der Universität Heidelberg. Bei dem Verfahren werden Wasser und Fette aus dem Gewebe entfernt und durch spezielle Kunststoffe ersetzt. Form, Farbe und Struktur der Organe bleiben dabei weitgehend erhalten.

Zu Beginn wird der Verwesungsprozess gestoppt. Anschließend werden Körperflüssigkeiten und lösliche Fette mithilfe von Aceton aus dem Gewebe herausgelöst. In einem Vakuum wird das Aceton danach durch einen Kunststoff ersetzt. Dieser härtet abschließend aus und macht das Präparat dauerhaft stabil.

Plastinate sind trocken, geruchlos und über lange Zeit haltbar. Das Verfahren eignet sich deshalb nicht nur für öffentliche Ausstellungen. Plastinierte Organe, Körperteile und Körperscheiben werden auch in der medizinischen Ausbildung eingesetzt, um Studierenden anatomische Strukturen zu vermitteln.

Warum die „Körperwelten“ umstritten sind

Seit den ersten öffentlichen Ausstellungen wird darüber diskutiert, ob menschliche Verstorbene in dieser Form gezeigt werden dürfen. Kritiker sehen in der Präsentation teilweise eine unangemessene Inszenierung des Todes. Sie stellen die Frage, ob echte Körper zu Ausstellungsobjekten werden und dadurch ihre Würde verlieren.

Von Hagens und die Verantwortlichen der „Körperwelten“ verwiesen dagegen stets auf die freiwillige Körperspende sowie den medizinischen und pädagogischen Zweck. Die Präparate sollten nicht zur Unterhaltung dienen, sondern Wissen vermitteln und zur Auseinandersetzung mit Gesundheit, Krankheit, Leben und Tod anregen.

Gerade die dynamischen Posen einiger Plastinate verstärkten die Debatte. Während Befürworter darin eine verständliche Darstellung anatomischer Funktionen sehen, empfinden Kritiker die Inszenierung als zu spektakulär. Dieser Gegensatz zwischen wissenschaftlicher Aufklärung und öffentlicher Präsentation prägte das Lebenswerk von Gunther von Hagens.

Lebenswerk von Gunther von Hagens derzeit in Münster zu sehen

In Münster ist derzeit die Themenausstellung „Körperwelten – Vital“ zu Gast. Sie wird seit dem 24. April 2026 in der MCC Halle Münsterland gezeigt und soll noch bis zum 6. September geöffnet bleiben. Nach Angaben der Veranstalter haben weltweit bereits mehr als 58 Millionen Menschen die verschiedenen „Körperwelten“-Ausstellungen besucht.

Die Münsteraner Ausgabe konzentriert sich besonders auf Gesundheit und körperliche Leistungsfähigkeit. Sie zeigt, wie der menschliche Organismus funktioniert und welchen Einfluss Bewegung, Ernährung und alltägliche Gewohnheiten haben können. Neben vollständigen Plastinaten werden einzelne Organe und Körpersysteme präsentiert.

Von Hagens wollte selbst plastiniert werden

Gunther von Hagens hatte bereits zu Lebzeiten erklärt, nach seinem Tod selbst plastiniert werden zu wollen. Seine Familie kündigte an, diesen Wunsch zu respektieren. Ob sein Körper nach Abschluss des langwierigen Verfahrens öffentlich gezeigt werden soll, ist bislang nicht bekannt.

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