Zehntausende begleiten König Harald V. auf seinem letzten Weg

12-Jähriger stirbt nach schwerem Unfall in Bünde
Symbolfoto

Teilen:

Norwegen hat am Mittwoch mit einem Staatsbegräbnis Abschied von König Harald V. genommen. Zehntausende Menschen säumten in Oslo die Straßen, als der Sarg des am 28. August gestorbenen Monarchen vom Königlichen Schloss zum Dom gebracht wurde. An der Zeremonie nahmen neben der norwegischen Königsfamilie zahlreiche Staatsoberhäupter und Vertreter europäischer und internationaler Königshäuser teil. Nach dem Gottesdienst wurde Haralds Sarg weiter zur Festung Akershus gebracht, wo der verstorbene König seine letzte Ruhestätte erhielt.

Anzeige

Das Staatsbegräbnis für König Harald V. bildete den Abschluss der landesweiten Trauerzeit nach seinem Tod im Alter von 89 Jahren. Harald hatte Norwegen seit 1991 regiert und war damit 35 Jahre lang Staatsoberhaupt des skandinavischen Landes. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn als König Haakon VIII. den Thron.

Trauerzug führt durch das Zentrum von Oslo

Die erste große Prozession begann um 12 Uhr am Königlichen Schloss. Von dort wurde der Sarg über die zentrale Karl Johans gate und weiter zum Osloer Dom gebracht. Neben militärischen und zeremoniellen Einheiten begleiteten Mitglieder der Königsfamilie sowie zahlreiche internationale Gäste den Trauerzug. Entlang der Strecke hatten sich bereits Stunden zuvor Menschen versammelt. Die norwegische Polizei sprach von Zehntausenden Zuschauern im Zentrum der Hauptstadt.

Zur engsten Familie gehörten König Haakon VIII., Königin Mette-Marit, Kronprinzessin Ingrid Alexandra, Königin Sonja, Prinz Sverre Magnus und Prinzessin Märtha Louise. Die 54-Jährige nahm damit gemeinsam mit der übrigen Familie Abschied von ihrem Vater. Auch ihr Ehemann Durek Verrett war bei der Trauerfeier anwesend. Wenige Wochen zuvor war öffentlich bekanntgegeben worden, dass Verrett eine erfolgreiche Nierentransplantation erhalten hatte. Weitere medizinische Einzelheiten spielten für die Zeremonie keine Rolle.

Anzeige

Vor der Beisetzung hatten bereits mehr als 46.000 Menschen die Möglichkeit genutzt, am aufgebahrten Sarg König Haralds in der Schlosskapelle Abschied zu nehmen. Zusätzlich waren in den vergangenen Tagen vor dem Schloss große Mengen Blumen, Kerzen und norwegische Flaggen niedergelegt worden.

Landesweite Schweigeminute zum Beginn des Gottesdienstes

Der Trauergottesdienst im Osloer Dom begann um 13 Uhr. Zu Beginn wurde im ganzen Land eine Schweigeminute eingelegt. Sie wurde mit Glockenschlägen eingeleitet und beendet. Die Zeremonie folgte der Begräbnisliturgie der evangelisch-lutherischen Kirche von Norwegen. Geleitet wurde sie vom leitenden Bischof Olav Fykse Tveit. Auch die Osloer Bischöfin Sunniva Gylver wirkte an der Feier mit.

Musik nahm einen zentralen Teil des Gottesdienstes ein. Der Osloer Domchor und weitere Musiker begleiteten die Zeremonie. Ministerpräsident Jonas Gahr Støre würdigte Haralds 35 Jahre als norwegischer König und seine Bedeutung für das Land. Nach dem Gottesdienst überflogen vier F-35-Kampfflugzeuge das Gebiet. Bei der Formation löste sich ein Flugzeug von den anderen Maschinen, ein militärisches Symbol für den Tod eines Angehörigen.

Könige, Präsidenten und Prinz William reisen nach Oslo

Das Staatsbegräbnis war zugleich eines der größten internationalen protokollarischen Ereignisse in Norwegen seit Jahren. Unter den Teilnehmern befanden sich zahlreiche europäische Monarchen. Aus Schweden kamen König Carl XVI. Gustaf sowie mehrere Mitglieder seiner Familie. Dänemark wurde unter anderem durch König Frederik X. und Königin Mary vertreten. Auch König Willem-Alexander und Königin Máxima aus den Niederlanden, König Philippe und Königin Mathilde aus Belgien sowie König Felipe VI. und Königin Letizia aus Spanien waren in Oslo.

Zum Kreis der internationalen Gäste gehörten außerdem König Abdullah II. und Königin Rania aus Jordanien, Fürst Albert II. und Fürstin Charlène von Monaco, Japans Kronprinz Akishino und Kronprinzessin Kiko sowie Prinz William und Prinzessin Anne aus Großbritannien. Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten.

Auch mehrere amtierende Präsidenten nahmen an der Prozession teil. Dazu gehörten der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, der finnische Präsident Alexander Stubb und Staatsoberhäupter aus mehreren mittel- und osteuropäischen Staaten. Selenskyj war bereits am Dienstag in Oslo eingetroffen und hatte seinen Aufenthalt auch für politische Gespräche mit der norwegischen Regierung genutzt.

Letzte Prozession zur Festung Akershus

Nach dem Gottesdienst setzte sich gegen 14.20 Uhr eine weitere Prozession vom Osloer Dom in Richtung Akershus in Bewegung. Anders als beim ersten Abschnitt wurde der Sarg nun von einer kleineren Gruppe begleitet. König Haakon VIII. ging dabei gemeinsam mit dem schwedischen König Carl XVI. Gustaf und dem dänischen König Frederik X. hinter dem Sarg. Hinzu kamen führende Repräsentanten des norwegischen Staates und des Königshauses.

In der Festung fand anschließend eine private Zeremonie statt. Haralds Sarg wurde im Bereich der königlichen Grabstätte beigesetzt. Dort befinden sich auch die Gräber beziehungsweise Sarkophage früherer Mitglieder der norwegischen Königsfamilie, darunter Haralds Eltern König Olav V. und Kronprinzessin Märtha. Mit der Beisetzung endete der öffentliche Teil der Trauerfeierlichkeiten.

Harald V. regierte Norwegen seit 1991

Harald V. war am 28. August im Rikshospitalet in Oslo gestorben. Das norwegische Königshaus hatte seinen Tod für 6.35 Uhr am Morgen bestätigt. Noch am selben Tag trat sein Sohn entsprechend der Verfassung die Nachfolge an und nahm den Namen Haakon VIII. an. Er behielt auch den traditionellen Wahlspruch des norwegischen Königshauses bei.

Harald war nach dem Tod seines Vaters Olav V. im Januar 1991 König geworden. Während seiner 35-jährigen Regierungszeit nahm er vor allem repräsentative und verfassungsrechtliche Aufgaben wahr. Norwegen ist eine parlamentarische Monarchie, in der die politische Macht bei Regierung und Parlament liegt. Der König erfüllt vor allem staatsrechtliche, zeremonielle und gesellschaftliche Funktionen.

Mit dem Abschied von Harald V. vollzieht Norwegen zugleich seinen ersten Thronwechsel seit mehr als drei Jahrzehnten. Die formelle Kontinuität der Monarchie war unmittelbar nach seinem Tod gesichert. Die öffentlichen Trauerfeiern in Oslo machten jedoch deutlich, dass der Übergang nicht nur ein verfassungsrechtlicher Vorgang ist. Für viele Norweger endete mit Haralds Beisetzung eine Epoche, die nahezu die gesamte jüngere Geschichte des Landes begleitet hatte.

Teilen:

Münster Map
Zum Aktivieren tippen
Route anzeigen

Mehr Beiträge:

Texte werden mit Unterstützung von KI-Tools erstellt und vor Veröffentlichung redaktionell geprüft. Mehr dazu