Millionen Haushalte haben keinen finanziellen Puffer

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Fast jeder vierte Haushalt verfügt über keine finanziellen Rücklagen. Ein genauer Blick auf die zugrunde liegenden Daten zeigt allerdings: Die häufig genannte Quote von 23,5 Prozent ist inzwischen überholt. Sie stammt aus einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Direktbank ING aus dem Dezember 2024. Die neuere ING-Erhebung vom Dezember 2025 kommt auf einen höheren Wert. Demnach gaben 27,0 Prozent der Befragten an, dass ihr Haushalt über keinerlei Ersparnisse verfüge.

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Damit besitzt nach der jüngsten ING-Befragung sogar mehr als jeder vierte Haushalt keinen kurzfristig verfügbaren finanziellen Puffer. Gleichzeitig zeigen Daten von ING, Commerzbank, Statistischem Bundesamt und Bundesbank, dass sich aus hohen Sparquoten und einem großen Gesamtvermögen nicht ableiten lässt, dass alle Haushalte vergleichbare Möglichkeiten zum Sparen haben.

ING-Umfrage zeigt deutlichen Rückgang der Haushalte mit Ersparnissen

Die aktuellste Untersuchung der ING zum Thema wurde am 2. März 2026 veröffentlicht. Grundlage ist eine von Ipsos im Dezember 2025 durchgeführte Onlinebefragung mit 1.007 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Als Ersparnisse definierte ING Geldbestände, auf die ein Haushalt vergleichsweise schnell zugreifen kann. Dazu zählen etwa Guthaben auf Bank- und Sparkonten, Bargeld und kurzfristig verfügbare Anlagen.

63,7 Prozent der Befragten erklärten in der Erhebung 2025, ihr Haushalt verfüge über solche Ersparnisse. 27,0 Prozent antworteten mit Nein. Weitere 9,3 Prozent wollten die Frage nicht beantworten. Ein Jahr zuvor hatten nach der ING-Erhebung 2024 noch 70,7 Prozent Ersparnisse angegeben. 23,5 Prozent hatten keine Rücklagen genannt, 5,8 Prozent machten keine Angabe.

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Die Entwicklung zwischen den beiden Befragungen ist damit deutlich. Der Anteil der Haushalte mit angegebenen Ersparnissen sank um sieben Prozentpunkte. Gleichzeitig stieg der Anteil ohne Ersparnisse um 3,5 Prozentpunkte. Allerdings handelt es sich um eine Befragung und nicht um eine vollständige statistische Erfassung sämtlicher deutscher Haushalte.

Zu geringes Einkommen ist häufigster genannter Grund

Auch nach den Ursachen fragte die ING. Unter den Befragten ohne Ersparnisse nannten in der Erhebung vom Dezember 2025 rund 47 Prozent ein zu geringes Einkommen als Hauptgrund. Auf sämtliche Befragten gerechnet entsprach das etwa 13 Prozent. Weitere Befragte erklärten, gestiegene Lebenshaltungskosten hätten dazu geführt, dass zuvor vorhandene Rücklagen verwendet werden mussten.

Die Ergebnisse zeigen damit vor allem unterschiedliche finanzielle Spielräume. Wer nur wenig frei verfügbares Einkommen besitzt, kann erheblich schwerer regelmäßig Rücklagen bilden als ein Haushalt mit hohem Einkommen. Die ING selbst weist außerdem darauf hin, dass sich Zusammenhänge zwischen Einkommen, Finanzwissen und vorhandenen Ersparnissen nicht einfach auf eine einzelne Ursache reduzieren lassen.

Eine weitere Befragung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis, misst allerdings etwas anderes. Für die Commerzbank-Anlagestudie 2026 befragte Ipsos mehr als 3.200 Menschen in Deutschland. Die Commerzbank veröffentlichte die Ergebnisse am 27. März 2026. Danach gaben 72 Prozent an zu sparen. Damit sparte etwas mehr als ein Viertel der Befragten nicht. Als wesentlichen Grund nennt die Studie fehlenden finanziellen Spielraum am Monatsende.

Die Zahlen von ING und Commerzbank sind deshalb nicht unmittelbar gleichzusetzen. ING fragt nach dem Vorhandensein kurzfristig verfügbarer Ersparnisse im Haushalt. Die Commerzbank untersucht, ob Menschen regelmäßig oder unregelmäßig Geld sparen.

Hohe Sparquote sagt wenig über einzelne Haushalte aus

Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene bleibt Deutschland gleichzeitig ein Land mit vergleichsweise hoher Sparleistung. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag die Sparquote der privaten Haushalte im ersten Quartal 2026 bei 12,6 Prozent. Sie befand sich damit auf demselben Niveau wie im ersten Quartal 2025.

Eine Sparquote von 12,6 Prozent bedeutet jedoch nicht, dass jeder Haushalt 12,6 Prozent seines Einkommens beiseitelegt. Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen fassen die privaten Haushalte insgesamt zusammen. Hohe Sparbeträge einzelner einkommensstarker Haushalte können daher mit Haushalten zusammenfallen, bei denen am Monatsende kein Geld übrig bleibt.

Das Statistische Bundesamt hat auf diesen Unterschied bereits bei früheren Veröffentlichungen zur Sparquote hingewiesen. Für das erste Halbjahr 2025 lag die saisonbereinigte Sparquote bei 10,3 Prozent. Die Behörde betonte dabei, dass sich hinter dem Durchschnitt erhebliche Unterschiede nach Einkommen und Lebenssituation verbergen.

Bundesbank meldet 9,49 Billionen Euro Geldvermögen

Auch die Entwicklung des gesamten privaten Geldvermögens wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich. Nach den jüngsten verfügbaren Zahlen der Deutschen Bundesbank verfügten die privaten Haushalte in Deutschland Ende des ersten Quartals 2026 über ein Geldvermögen von 9,490 Billionen Euro. Das waren 28 Milliarden Euro weniger als Ende 2025. Ursache des Rückgangs waren nach Angaben der Bundesbank vor allem negative Bewertungseffekte. Gleichzeitig bauten die Haushalte im Quartal neue finanzielle Forderungen im Umfang von 94 Milliarden Euro auf.

Ende 2025 hatte das Geldvermögen nach Bundesbankangaben bei 9,504 Billionen Euro gelegen. Im dritten Quartal 2025 waren es 9,389 Billionen Euro gewesen. Die verbreitete Angabe, das private Geldvermögen betrage bereits mehr als zehn Billionen Euro, lässt sich anhand der offiziellen Bundesbankstatistik nicht bestätigen.

Durchschnitt und Verteilung erzählen unterschiedliche Geschichten

Die verschiedenen Statistiken widersprechen sich deshalb nicht zwangsläufig. Die Sparquote des Statistischen Bundesamtes misst die gesamtwirtschaftliche Ersparnis. Die Bundesbank erfasst den gesamten Bestand an finanziellen Vermögenswerten. Befragungen von ING und Commerzbank untersuchen dagegen die Situation und Selbsteinschätzung einzelner Menschen oder Haushalte.

Gerade dieser Unterschied erklärt, warum gleichzeitig Milliardenbeträge neu angespart werden können und ein erheblicher Teil der Bevölkerung keinerlei kurzfristig verfügbare Reserve besitzt. Die Sparfähigkeit in Deutschland ist sehr unterschiedlich verteilt.

Entscheidend ist deshalb vor allem die zeitliche Zuordnung der Zahlen. Die oft zitierte Quote von 23,5 Prozent ohne Ersparnisse gehört zur ING-Erhebung 2024. Die ING-Befragung vom Dezember 2025 weist 27,0 Prozent aus. Die Commerzbank wiederum kam in ihrer 2026 veröffentlichten Studie auf 72 Prozent der Befragten, die überhaupt sparen. Und die Bundesbank beziffert das Geldvermögen der privaten Haushalte zum Ende des ersten Quartals 2026 auf 9,490 Billionen Euro.

Damit ergibt sich ein differenziertes Bild: Deutschland spart als Volkswirtschaft weiterhin erhebliche Beträge und verfügt über ein sehr großes privates Geldvermögen. Zugleich hat nach der jüngsten einschlägigen ING-Befragung mehr als jeder vierte Haushalt keine kurzfristig verfügbaren Ersparnisse.

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